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    Horhausen

    Esterau macht gegen Windkraft mobil

    Nicht nur in Altendiez gibt es Bürgerproteste gegen Windkraftanlagen. Auch in der Esterau regt sich Protest, der sich dort gegen einen Windpark auf dem Höchst richtet.

    Die Betroffenheit über den Windpark führte unerwartet viele Horhausener Bürger zur Info-Veranstaltung ins Gemeindehaus. Foto: Ulrich Hennemann
    Die Betroffenheit über den Windpark führte unerwartet viele Horhausener Bürger zur Info-Veranstaltung ins Gemeindehaus.
    Foto: Ulrich Hennemann

    Von unserem Mitarbeiter Ulrich Hennemann

    In einer eigens kurzfristig einberufenen Bürgerversammlung am Donnerstagabend im nahezu voll besetzten Horhausener Gemeindehaus skizzierte Klaus Hennemann den bisherigen Ablauf des Verfahrens aus der Sicht der Bürgerinitiative und trug neben den inzwischen bekannten auch neue stichhaltige Argumente für einen Verzicht oder für eine Verlagerung des Riesenprojekts auf andere problemfreie Freiflächen vor. Nach Plänen des Eigentümers, des Grafen von Plettenberg und des Betreibers der Windkraftanlagen, der Naturenergie Heidenrod GmbH, stehen soll – wenn die Einsprüche und mögliche Klagen der Windkraftgegner nicht greifen – mit dem Bau von sechs Riesenpropellern vom Typ Enercon 141 mit einer zu erwartenden Gesamthöhe von jeweils rund 230 Metern im geschlossenen Waldgebiet "Schaumburger Forst" (fünf Anlagen) und der "Schwarzlay" (eine) ein radikaler Landschaftseinschnitt bevor – und das auf Kosten der gesunden Fauna und Flora in der historischen Kulturlandschaft zwischen Herthasee und Hirschberg. "Es ist absolut unverständlich, dass wir als angrenzende Gemeinden im Grunde genommen seit 2012 völlig außen vor gelassen wurden und erst nach der Antragstellung auf Baugenehmigung der Windkraftanlagen an die Ortsgemeinden Langenscheid und Isselbach im Februar von den konkreten Maßnahmen erfuhren", beklagte Ulrich Jürgens, Isselbacher Bürgermeister und Sprecher der im Anschluss an ein informatives Treffen der Räte aus Langenscheid, Isselbach, Horhausen und Holzappel am Montag, 22. August, gegründeten Bürgerinitiative (BI) "Gegenwind Höchst", den Informationsrückstand.

    "Im Verbandsgemeinderat wurden die Beschlüsse gefasst ohne Rücksprache mit den direkt Betroffenen", machte Jürgens im Gespräch seinem Unmut Luft. Auch Harald Nöllge, der Ortsbürgermeister von Holzappel bestätigte, dass seit der Eröffnung des Verfahrens nur über grundsätzliche Planungs- und Ausschlussmaßnahmen gesprochen worden sei.

    Wenngleich dem regionalen Raumordnungsplan ein gesamtheitliches Raumkonzept zugrunde liege und die Gründe für mögliche Einwände in vielen Bereichen deckungsgleich seien, müssten für jede Teilfläche die spezifischen Unterschiede präzisiert herausgehoben werden, so der BI-Sprecher, dem sich auch Klaus Hennemann, der Ortsbürgermeister von Horhausen, anschloss. Der Erklärungsdruck auf die Gegner der Höchst-Anlagen wächst mit dem nahenden Einspruchsschluss am 29. August, 16.30 Uhr. Für die Gegenwind-Initiative stellten Jürgens, Hennemann, Nöllge und der Langenscheider Bürgermeister Ulrich Strutt einmütig fest, dass man sich der Windkraft nicht grundsätzlich verschließe, dass der Naturschutz und insbesondere der Schutz des heimischen Waldes jedoch absolute Priorität genieße. "Erneuerbare Energien müssen weiter ausgebaut werden, doch keinesfalls auf Kosten des Lebensraums und der Gesundheit der Menschen." Es dürfe nicht sein, dass der Höchst ausschließlich den Profitinteressen der ausführenden Protagonisten geopfert werde.

    Ungewöhnlich sei laut Klaus Hennemann, dass sich der Verbandsgemeinderat bei seiner Beschlussfassung auf ein von der Betreiberfirma in Auftrag gegebenes Standortgutachten stütze. Auch ließen die Ergebnisse der hydrologischen Analyse noch immer auf sich warten, weshalb eine abschließende Bewertung des Gewässerschutzaspektes im betroffenen Gebiet, in dem sich drei Tiefbrunnen befinden, in der jetzigen Entscheidungsphase unmöglich sei. Weiterhin sei interessant, dass die Planungsgesellschaft Mittelrhein/Westerwald den Höchst mittlerweile aus den Vorranggebieten herausgenommen habe. Hennemann kritisierte, dass die Größe der ausgewiesenen Teilflächen innerhalb der Verbandsgemeinde den Orientierungswert von 2 Prozent deutlich überschreite.

    Anschaulich verdeutlichte der Referent den gewaltigen Flächenbedarf und das Ausmaß der durch den Bau der Windradfundamente verursachten Flächenversiegelung. Bis zu 400 Quadratmeter seien pro Anlage zu kalkulieren, bei einer Fundamenttiefe von 2 bis 3 Metern. "Dies alles ruiniert den Lebensraum Wald für Generationen und verwandelt das Ökosystem Höchst in ein Windindustriegebiet", warnte Hennemann nachdrücklich. Als wichtigen Kernpunkt des Einspruchs seitens seiner Gemeinde nannte der Horhausener Dorfchef die abzuwägende Prioritätensetzung Windeffizienzwert gegen Naturschutz.

    Sicher liege der Höchst über den geforderten Höffigkeitswerten von 5,7 Metern pro Sekunde. Positiv zu bewerten sei außerdem, dass die Schutzwürdigkeit des Waldes bei der Windkraftdiskussion inzwischen auch bei Bundes- und Landespolitikern angekommen sei. "Und was bis zum 1. Januar 2017 noch nicht genehmigt ist, ist vom Tisch." Umso wichtiger sei es, die Entscheidungsgremien bis dahin mit nachvollziehbaren und belastbaren Argumenten zu befassen.

    Diez
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