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    Erlesene Instrumente erklangen im Schloss

    In der Kapelle des Schlosses Oranienstein schält Antoine Tamestit behutsam ein kleines, glänzendes Streichinstrument aus einem schwarzen Stoffbeutel – die Stradivarius „Gustav Mahler“. Die 1672 gebaute Viola hat Kriege und andere Katastrophen überdauert. Das Instrument des genialen italienischen Geigenbauers Antonio Stradivari zählt zu den neun oder zehn seiner Bratschen, die bis heute erhalten geblieben sind. Nur vier von ihnen werden in der Öffentlichkeit gespielt. Die berühmteste unter ihnen, die „Gustav Mahler“, war nun in der Reihe „Stradivari Collection“ bei den Oraniensteiner Konzerten zu hören. Sie könnte die kostbarste Bratsche der Welt sein.

    Diez – In der Kapelle des Schlosses Oranienstein schält Antoine Tamestit behutsam ein kleines, glänzendes Streichinstrument aus einem schwarzen Stoffbeutel – die Stradivarius „Gustav Mahler“. Die 1672 gebaute Viola hat Kriege und andere Katastrophen überdauert. Das Instrument des genialen italienischen Geigenbauers Antonio Stradivari zählt zu den neun oder zehn seiner Bratschen, die bis heute erhalten geblieben sind. Nur vier von ihnen werden in der Öffentlichkeit gespielt. Die berühmteste unter ihnen, die „Gustav Mahler“, war nun in der Reihe „Stradivari Collection“ bei den Oraniensteiner Konzerten zu hören. Sie könnte die kostbarste Bratsche der Welt sein.


    28 Jahre war Stradivari alt, als er die Viola baute. „Er war ein junger Mann und wollte manches anders machen als sein Meister Amati“, erzählt der Franzose Tamestit im Einführungsgespräch. „Ihm schwebte ein klarer tiefer, lyrisch klingender Ton vor. So gab er dieser – seiner vermutlich ersten Bratsche überhaupt – einen ziemlich kleinen, aber breiten Körper mit einem großen Kopf. Für den Rücken wählte er statt Ahorn das weichere Pappelholz, das bis dahin nur für Celli verwendet wurde.“ Der junge Wilde aus Cremona hat seine Vorstellungen von einem unnachahmlich erlesenen Klang verwirklicht, wie wir wissen. Im Andante con moto des dritten Satzes der Sonate für Klarinette und Klavier Es-Dur op. 120/II (in der Fassung für Viola und Klavier) offenbarte die „Gustav Mahler“ die ihr eigene Leuchtkraft.
    Auch Antoine Tamestit war erst 28, als ihm die schweizerische Stiftung Habigsreutinger die „Gustav Mahler“ anvertraute. Da scheint es nur folgerichtig, dass der junge Bratscher und sein preisgekrönter Begleiter am Flügel, der Pianist Markus Hadulla, das Ergebnis von Stradivaris Experiment mit experimenteller Musik einer Art Belastungstest unterzogen: „Frauenliebe“ ist ein von Betsy Jolas komponierter Liederzyklus, den die 1926 in Paris geborene Komponistin eigens für Tamestit und Hadulla geschrieben hat. Das Werk ist unbequem zu spielen – kratzbürstig und bisweilen sprunghaft im Dialog. „Frauenliebe“ stieß beim Publikum nur bedingt auf Gegenliebe. Aber das traumwandlerisch sichere Spiel nötigte Bewunderung ab. „Es ist gigantisch, wie sie die Töne treffen“, schwärmte eine Zuhörerin.
    Versöhnliches winkte mit Brahms und Schubert: Romantik pur als das eigentliche, lyrische Element der Viola, wie es der Erbauer ihr zugedacht hat. In der Sonate für Arpeggione und Klavier a-Moll D 821 von Franz Schubert führte Tamestit die Bratsche zu herrlich strömenden Klanggebilden. Die „Gustav Mahler“ ist das ideale Instrument für einen Spaziergang mit den Gedanken, mithin für den Zeitgeist der Romantik, wie sich am Beispiel dreier Lieder Schuberts (An den Mond, Nacht und Träume, Die Taubenpost) ausmachen ließ. Der Bratscher, sein ihm in Präzision wie Ausdruckskraft ebenbürtiger Begleiter und eine kleine, elegante Bratsche schenkten den Konzertbesuchern in der ausverkauften Kapelle einen unvergesslichen Abend.

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