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Limburg

Der teure Umbau kann weitergehen – Ärger um Kosten beim Bischofssitz Limburg

Andreas Egenolf

Rund um den Limburger Dom wird derzeit gebaggert, denn einige Zufahrtsstraßen zum Domberg werden samt Versorgungsleitungen und Kanalisation erneuert. Während draußen alles nach Plan läuft, ist am wohl umstrittensten Bau in der jüngeren Limburger Stadtgeschichte seit Monaten kein Fortkommen zu sehen: Die Rede ist vom Diözesanen Zentrum St. Nikolaus samt Privatwohnung des früheren Bischofs Franz-Peter Tebartz-van Elst. Die ehemaligen Privatgemächer des Ex-Bischofs sollten schon längst für die Belange des Diözesanmuseums umgebaut werden. Ein Baustopp war angesagt. Doch jetzt kommt Bewegung in die Sache.

Foto: Andreas Egenolf

„Der Baustopp ist aufgehoben“, erklärt Bistumssprecher Stephan Schnelle auf Anfrage unserer Zeitung. „Sobald die Handwerker Zeit haben, kann es weitergehen.“ Was zunächst nach einer erfreulichen Nachricht klingt, hat allerdings für einige Missstimmung und rechtliche Querelen Monaten gesorgt. Mitte März hatte das Bistum mitgeteilt, dass die Leitung der Diözese davon Kenntnis erlangt hatte, dass ein Mitarbeiter der Bischöflichen Verwaltung sich über die Absichten der Herrichtung der zweigeschossigen Bischofswohnung, in die der derzeitige Bischof Georg Bätzing nicht einziehen wollte, mit möglichst geringem finanziellen Aufwand hinweggesetzt hat. Maximal 50 000 Euro wollten die Bistumsoberen in die Hand nehmen, um die Auflagen in Sachen Brand- und Versicherungsschutz zu erfüllen, die bei einer Umnutzung von privaten Räumlichkeiten in öffentlichen Raum gestellt werden.

Im November 2017 schloss der Mitarbeiter, bei dem es sich, wie sich später herausstellte, um den Diözesanbaumeister handelte, einen Architektenvertrag ab und beauftragte Fachplaner. Daraus entstand die Planung einer Baumaßnahme mit einem Volumen von 480 000 Euro – also fast zehnmal so teuer wie vom Bistum vorgesehen. Gewusst haben will im Bischöflichen Ordinariat, der Verwaltung der Diözese, bis Anfang März niemand etwas von der Eigenmächtigkeit des leitenden Angestellten. Erst zu diesem Zeitpunkt fielen nach knapp vier Monaten die Planungen des Diözesanbaumeisters auf. Er hatte nicht nur gegen das strenge Vier-Augen-Prinzip bei der Planungsfreigabe verstoßen, sondern er überging auch eigenmächtig die Gremien der diözesanen Vermögensverwaltung. Was folgte war ein Baustopp, die Freistellung und wenige Tage später die fristlose Kündigung des leitenden Angestellten, der seinerzeit bereits am Bau des Bischofssitzes beteiligt war.

Hinnehmen wollte der Chef der kirchlichen Bauverwaltung den Schritt des Bistums allerdings nicht und klagte gegen die Kündigung. Ein erster Gütetermin war ohne Ergebnis geblieben, ehe eine Verhandlung vor dem Arbeitsgericht Wiesbaden nun Klarheit brachte. Beide Seiten einigten sich hier auf einen Vergleich. Das Bistum hebt die fristlose Kündigung auf, der frühere Diözesanbaumeister wird stattdessen ordentlich gekündigt. Zudem erhält der Mitarbeiter, der rund 25 Jahre im Dienst der Diözese stand, eine Abfindung von 100 000 Euro. Das Dienstverhältnis endet nun zum 30. September 2018. Das Gehalt liegt laut einem Bericht des Hessischen Rundfunks bei rund 8600 Euro monatlich. Das Bistum selbst will sich zu der Personalie nicht äußern.
Auf dem Baugerüst, das seit mehr als vier Monaten zwischen Bischofswohnung und Diözesanmuseum steht, werden bald wieder Handwerker arbeiten. „Die Baumaßnahme ist von den zuständigen Gremien nun geplant und bewilligt. 225.000 Euro wurden hierfür veranschlagt und bewilligt“, erklärt Bistumssprecher Stephan Schnelle.

Die zunächst veranschlagten Kosten von 480.000 Euro konnte die Bistumsverwaltung zumindest in Teilen reduzieren, indem Aufträge rückgängig gemacht wurden. Das gelang allerdings nicht immer: So konnte beispielsweise ein Glasdach, das die kleine Terrasse im Übergang zwischen Bischofsresidenz und Diözesanmuseum überdachen sollte, nicht mehr abbestellt werden. „Das ist eine Maßanfertigung, die schon bestellt war. Den Auftrag konnten wir nicht mehr rückgängig machen. Es wäre sonst unwirtschaftlich geworden“, sagt Schnelle.
Im Herbst sollen die Umbaumaßnahmen an der ehemaligen Bischofswohnung abgeschlossen sein. Im Erdgeschoss ist ab Frühjahr 2019 eine Dauerausstellung zur Geschichte des Bistums zu sehen. Im Kellergeschoss samt sagenumwobenem Bad erhält das Diözesanmuseum Lagermöglichkeiten. Und eins stellt Schnelle auch noch klar: „Die Badewanne bleibt, aber sie wird nicht zugänglich.“

Von unserem Reporter Andreas Egenolf

Skandal um Limburger Ex-Bischof Tebartz-van Elst wirkt noch immer nach

Für die katholischen Christen im Bistum Limburg war es eine Freude vor fast zwei Jahren am 18. September 2016: Mit Georg Bätzing wurde im Dom ein neuer Bischof geweiht. Eine neue Ära begann.

Tebartz-van Elst
Tebartz-van Elst
Foto: dpa

Doch das Kapitel, das sein Vorgänger Franz-Josef Tebartz-van Elst mit seiner Amtsführung und dem Bau des 31 Millionen Euro schweren, luxuriösen Bischofssitzes geschrieben hat und das viele als eines der dunkelsten in der Bistumsgeschichte empfinden, war längst noch nicht abgeschlossen.

Georg Bätzing
Georg Bätzing
Foto: dpa

Im überteuerten Bischofssitz wollte Bätzing dann auch weder wohnen noch arbeiten. Ein kleines Häuschen in der Ferdinand-Dirichs-Straße in Limburg wurde sein neues Heim: 150 Quadratmeter mit kleinem Gebetsraum, Garten und Garage.

Den von Tebartz gebauten, edlen Komplex auf dem Domberg will das Bistum für Veranstaltungen nutzen. Die Wohnung von Bätzings Vorgänger im Untergeschoss soll über eine vorhandene Verbindungstür an das aus allen Nähten platzende, benachbarte Diözesanmuseum angeschlossen und für dessen Verwaltung genutzt werden.

Diez
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