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    LimburgDemenzlotsen: Anker im Alltag des zunehmenden Vergessens

    Was tun, wenn ein vertrauter Mensch plötzlich alles vergisst? Für Angehörige ist die Betreuung von Demenzkranken oft eine Herkulesaufgabe. Aber auch für Geschäfte und Behörden ist der Umgang mit Betroffenen schwer. Demenzlotsen sollen helfen.

    Ein Aufkleber mit der Aufschrift „Partner der Malteser Demenzlotsen“ ist am Eingang der Hubertus-Apotheke in Limburg angebracht. Bei einem Projekt des Malteser Hilfsdienstes werden sogenannte Demenzlotsen ausgebildet. Mitarbeiter aus dem Einzelhandel sowie von Banken, Behörden und Apotheken werden dabei speziell geschult, um Erkrankte und deren Angehörige im Alltag unterstützen zu können.  Foto: dpa
    Ein Aufkleber mit der Aufschrift „Partner der Malteser Demenzlotsen“ ist am Eingang der Hubertus-Apotheke in Limburg angebracht. Bei einem Projekt des Malteser Hilfsdienstes werden sogenannte Demenzlotsen ausgebildet. Mitarbeiter aus dem Einzelhandel sowie von Banken, Behörden und Apotheken werden dabei speziell geschult, um Erkrankte und deren Angehörige im Alltag unterstützen zu können.
    Foto: dpa

    Die Erlebnisse, von denen die Limburger Demenzlotsen erzählen, ähneln sich alle. Auch die Motivation der Helfer ist gleich: Sie wollen in ihren Geschäften ein kleiner Anker für die überwiegend älteren Menschen sein, die sich im fortgeschrittenen Stadium der Erkrankung kaum noch an etwas aus ihrem bisherigen Leben erinnern können. „Viele sitzen dann nur noch zu Hause“, berichtet die Inhaberin eines Bekleidungsgeschäftes am Montag. „Es ist aber so wichtig, dass die Leute weiter ein Teil unserer Gesellschaft sind.“

    Der Malteser Hilfsdienst hat das Projekt der Demenzlotsen im Jahr 2014 gestartet. Ziel der landesweit bislang einmaligen Initiative ist, Mitarbeiter im Einzelhandel, Apotheken und in der Gastronomie sowie bei Banken, Behörden und Verkehrsbetrieben zu schulen, damit sie besser und ohne Berührungsängste mit den Erkrankten umgehen.

    „In manchen Fällen kündigt sich die Erkrankung an, wenn auf einmal die Tochter ihre Mutter bei Einkäufen begleitet“, berichtet die Mitarbeiterin eines Unterwäschegeschäfts. Es gibt aber auch die Fälle, dass ehemalige Stammkunden orientierungslos und völlig unzusammenhängend sprechend in den Geschäften auftauchen. „Das Wichtigste ist dann, geduldig und liebenswert mit ihnen zu reden.“

    Diesen Umgang empfiehlt auch eine Mitarbeiterin der Stadt Limburg, die ebenfalls zum Demenzlotsen geschult wurde. Als eine 75 Jahre alte Frau in die Behörde kam, um einen Kinderpass für den nächsten Urlaub zu beantragen, habe sie einfach zugehört, die Angaben aufgenommen und dann dafür gesorgt, dass die Frau wieder sicher nach Hause kommt, berichtet die Sachbearbeiterin, die im Magistrat die Ansprechpartnerin Nummer eins in solchen Fällen ist. Mittelweile gab es vier Schulungen bei dem Limburger Projekt, bei denen 19 Mitarbeiter aus 14 Geschäften mitmachten. „Wir konnten lange noch nicht alle erreichen“, berichtet Monika Heinz, die beim Maltester Hilfsdienst für die Initiative mitverantwortlich ist. Vor allem in Arztpraxen habe es bislang wenig Interesse gegeben. Wie wichtig der Gesundheitsaspekt bei den Betroffenen ist, verdeutlicht aber eine Apothekerin. Sie bittet die Angehörigen auch mal, alle Medikamente der Erkrankten mitzubringen, um dann alles durchzugehen.

    Die Kurse zum zertifizierten Demenzlotsen werden zweimal im Jahr angeboten. Bei der achtstündigen Veranstaltung gibt es zuerst eine umfassende Einführung zum Krankheitsbild. Danach werden in Kleingruppen und mit Rollenspielen etwa Kommunikationstechniken erlernt, um angemessen mit den Erkrankten umzugehen. Einmal jährlich ist für die Auffrischung der Informationen ein Netzwerktreffen vorgesehen. Zum Abschluss gibt es ein für ein Jahr geltendes Zertifikat und einen Aufkleber, den sich die Läden auf ihre Eingangstür kleben und mit ihrer Demenzfreundlichkeit werben können, berichtet Ausbilderin Christine Ryder.

    Nach Einschätzung der Deutschen Alzheimer Gesellschaft wächst das Angebot an Hilfs- und Partnerprogrammen für Demenzkranke und ihre Angehörigen. „Es ist aber auch noch viel nötig“, betont Sprecherin Susanna Saxl. Gerade bei Behörden und im Einzelhandel sei es sehr wichtig, dass das Personal auch einen Blick für die Betroffenen hat. Es gebe immer wieder äußerst unangenehme Situationen, wenn ein an Demenz Erkrankter im Supermarkt das Bezahlen vergisst und dann der Kaufhausdetektiv oder die Polizei kommt, erklärt die Sprecherin.

    Demenz zählt zu den häufigsten Erkrankungen im Alter. Für den Verlust der geistigen Leistungsfähigkeit gibt es bislang keine Heilungsmöglichkeiten. Bundesweit sind rund 1,6 Millionen Menschen an Demenz erkrankt. Rund 300.000 Neuerkrankungen gibt es jährlich. Die Zahl der Erkrankten in Hessen beläuft sich auf über 112.000.

    Bis im vergangenen Jahr konnte das Limburger Projekt des Malteser Hilfsdienstes auf Fördermittel vom Bund zurückgreifen. Aktuell gebe es keine Förderung mehr, berichtet die zuständige Bereichsleiterin Nina Basteck. Vom Land Hessen fließen keine Gelder. Das bedeute aber nicht, dass das Projekt eingestellt werde. Im Gegenteil sei eine zweite Phase mit einer E-Learning-Komponente geplant. Hessens Demografiebeauftragter und Staatskanzleichef Axel Wintermeyer stellte bei einem Besuch des Projektes dafür eine finanzielle Unterstützung in Aussicht.

    Zusätzliches Geld für ihre Arbeit könnte auch der Demografiepreis des Landes in die Kassen der Malteser spülen. Das Projekt der Demenzlotsen ist neben fünf weiteren für die Auszeichnung nominiert. Das Preisgeld beläuft sich auf insgesamt 20.000 Euro. Ende August stehen die Sieger fest.

    Von Bernd Glebe

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