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    Rüdesheim/Limburg

    Bischof Bätzing: Das Kreuz gehört in die Öffentlichkeit

    „Mit dem Kreuz ist heute noch ganz viel Staat zu machen.“ Diese Überzeugung hat Bischof Georg Bätzing am Sonntag auf dem Kreuzfest des Bistums Limburg vertreten. Es gehöre nach wie vor in das öffentliche Blickfeld, sagte er im Pontifikalamt auf dem Platz vor der Wallfahrtskirche St. Hildegard, auch wenn mittlerweile so getan werde, als sei es eine Art Firmenlogo der Kirche: „Das sollten wir uns nicht einreden lassen“, forderte er nachdrücklich die rund 1600 Gläubigen auf, die zur gemeinsamen Feier von Kreuzfest und Hildegardisfest nach Eibingen gekommen waren. „Das Kreuz steht für Gott und es steht für den Menschen in seiner Würde von Anfang bis Endes seines Lebens.“

    Zum ersten Mal hat Bischof Georg Bätzing das Kreuzfest und Hildegardisfest gemeinsam in Eibingen gefeiert.  Foto: Bistum Limburg
    Zum ersten Mal hat Bischof Georg Bätzing das Kreuzfest und Hildegardisfest gemeinsam in Eibingen gefeiert.
    Foto: Bistum Limburg

    Die gemeinsame Feier der beiden Feste war eine Premiere, auch für den Hauptzelebranten. Fast auf den Tag genau vor einem Jahr war in Limburg seine Weihe. Daran erinnerte Bezirksdekan Ralph Senft in seiner Begrüßung und versicherte dem Limburger Bischof unter Applaus: „Sie sind in unserem Bistum und unseren Herzen angekommen.“ Der wiederum begrüßte mit besonderer Herzlichkeit seinen Vor-Vorgänger Franz Kamphaus, der in diesem Jahr 85 Jahre alt wurde und seit 35 Jahren Bischof ist: „Das muss Dir erst mal einer nachmachen.“

    In seiner Predigt erinnerte Bätzing daran, dass die Kreuzreliquie, Mittelpunkt des Limburger Kreuzfestes, ein ehemaliges „Staatssymbol“ sei. Das Kreuzesholz sei für die römischen Kaiser Ausweis und Unterpfand ihrer von Gott übertragenen Autorität gewesen. Mehr als tausend weitere Jahre sei mit dem Kreuz „Staat gemacht“ worden, wenn auch nicht immer aus dem entsprechenden Geist. Heute dagegen zeigten die Wellen von Opposition und Diskussion um religiöse Zeichen in der Öffentlichkeit, wie fremd und unangenehm sie vielen Mitbürgern inzwischen seien. Im Grundgesetz aber werde ausdrücklich auch auf die Verantwortung vor Gott verwiesen und dafür sei, so Bätzing, „in Europa aufgrund unserer Glaubens- und Geistesgeschichte zuerst und vor allem das Kreuz das sinnenfällige Symbol“.

    Bedeutung habe es aber nur, betonte er, wenn es nicht leer werde, sondern verbunden sei mit Menschen voll Hoffnung, mit lebendig gelebter Solidarität voll Tatkraft, mit spürbarem Glauben und Gottvertrauen. So mahne es unerbittlich an, Menschen zu ihrem Recht zu verhelfen und es verweise auf all diejenigen, die sich heute, wie Jesus am Kreuz, im Niemandsland „zwischen Himmel und Erde“ befänden. In innerer Freiheit habe Jesus die Kreuzigung erlitten für alle, die unfreiwillig festgenagelt, unterdrückt und ausgegrenzt seien. „Wenn das Zeichen des Kreuzes in uns lebt und brennt, dann wird es auch verstanden werden“, sagte der Bischof abschließend.

    Ein Höhepunkt des Tages war die traditionelle Prozession, bei der in diesem Jahr die Kreuzreliquie in der kostbaren Staurothek und der goldene Reliquienschrein aus der Wallfahrtskirche durch die Straßen von Eibingen getragen wurden. In der vorangehenden Reliquien- und Kreuzfeier sagte Äbtissin Dorothea Flandera OSB, dass zu Gnade und Licht immer auch Abgrund und Dunkel des Kreuzes gehörten - so auch zum Leben der heiligen Hildegard von Bingen. Sie habe Not, Schwäche und Krankheit erlebt und sich dann unter Gottes Willen gestellt. „Wirklich zu leben, was wir sind und was wir erfahren haben durch Gottes Liebe“, gehe oft durch das Kreuz, so die Äbtissin, weil es fordere, sich erschüttern zu lassen und sich hinzugeben. „Die Wahrheit braucht oft Überwindung und Mut, weil sie unbequem sein kann und Änderung, Umkehr erfordert.“

    Den besonderen Charakter des Doppelfestes spiegelte auch die musikalische Gestaltung wider, für die unter der Gesamtleitung von Bezirkskantor Florian Brachtendorf unter anderem ein Projektchor aus Rheingauer Kirchenchören, die Bläsergruppe „Ensemble Peregrinus“ und der Männergesangverein „Cäcilia“ Eibingen 1899 sorgte.

    Das Kreuzfest wurde im Jahre 1959 durch Bischof Wilhelm Kempf eingeführt. Er wählte als Datum das Fest Kreuzerhöhung (14. September) im Hinblick auf die Kreuzreliquie in der Staurothek des Limburger Domschatzes, die zum Kern des neuen Festes wurde. Reliquie und Behälter stammen aus Konstantinopel. Sie gelangten im Rahmen des Kreuzzuges von 1204, bei dem die Stadt Konstantinopel zerstört wurde, über Umwege in das Bistum Trier. Seit der Gründung des Bistums Limburg befindet sich die Kreuzreliquie im Limburger Domschatz.

    Das Hildegardisfest ist weit über die Region hinaus von besonderer Anziehungskraft. Zum ersten Mal wurden am 17. September 1857 die Reliquien in einer feierlichen Prozession durch Eibingen getragen. 2012 wurde Hildegard von Papst Benedikt XVI. offiziell heiliggesprochen und zur Kirchenlehrerin erhoben.

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