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    Besuchstag in Limburg: „Wo ist hier der protzige Bischofssitz?“

    Das Interesse an der neuen, angeblich viel zu großen und teuren Residenz des Bischofs ist enorm. Schon lange vor Beginn der ersten Führung um 10.00 Uhr sind die Karten vergriffen.

    Besucher stehen vor der umstrittenen neuen Residenz von Bischof Tebartz-van Elst in einer Warteschlange. Der Limburger Bischof hat Neugierigen einen Blick in seinen neuen Amtssitz gewährt. Foto; Michael Bauer, dpa 
    Besucher stehen vor der umstrittenen neuen Residenz von Bischof Tebartz-van Elst in einer Warteschlange. Der Limburger Bischof hat Neugierigen einen Blick in seinen neuen Amtssitz gewährt. Foto; Michael Bauer, dpa 

    20 Leute pro Führung werden eingelassen, mehr passen nicht in die teils kleinen Räume, wie Bistumssprecher Stefan Schnelle erklärt. Wegen der Enge sollten ursprünglich auch die Journalisten draußenbleiben. Für sie gab es schon eine Besichtigung, und dieser Termin sollte „normalen“ Besuchern vorbehalten sein. Doch schließlich besinnen sich die Verantwortlichen und Journalisten dürfen sich der wartenden Schar an die Ferse heften.

    Die Neugier der Besucher ist groß, viel haben sie schon über den aufwendig sanierten Gebäudekomplex gegenüber dem Limburger Dom gelesen und gehört. Protz und Prunk wurden Bischof Franz-Peter Tebartz-van Elst vorgeworfen. Doch wer die sprichwörtlichen goldenen Wasserhähne erwartet hat, wird enttäuscht.

    Das Diözesane Zentrum St. Nikolaus gegenüber dem Dom ist wegen der hohen Kosten ein Punkt, an dem sich die Kritik am Bischof entzündet.
    Das Diözesane Zentrum St. Nikolaus gegenüber dem Dom ist wegen der hohen Kosten ein Punkt, an dem sich die Kritik am Bischof entzündet.
    Foto: Sascha Ditscher

    „Wo ist den hier der protzige Bischofssitz?“, fragt Carl-Heinz Wopperer. Der Radwanderer aus Bayern hat sich spontan der Führung angeschlossen. „Da sollte man sich mal die Residenz in Würzburg anschauen“, fügt der 67-Jährige hinzu. Berichte über die Kritik an dem Limburger Bischof sind bis nach Bayern gedrungen.

    Beim Gang durch die Amtszimmer müssen sich die Besucher mitunter zusammendrängen, teilweise ist es tatsächlich sehr eng. “Das ist neu und gediegen, aber kein Luxus“, findet Bruno Diedert aus Koblenz. Im Büro des Bischofs entfährt es ihm: “Das ist ziemlich bescheiden. Da ist ja mein Büro größer.“ Sein Eindruck verstärkt sich beim Besuch eines Zimmers mit Dachbalken über dem Büro. “Das ist ja ärmlich.“

    Nun, ärmlich sicher nicht- und auch der Ausdruck bescheiden wäre eine Untertreibung. Die Ausstattung ist offenkundig nicht von Ikea. Die verwendeten Materialien machen einen edlen, eleganten und teuren Eindruck. “Gediegen, aber kein Luxus“, meint Besucher Diedert. Überhaupt sind die Anhänger des Bischofs bei der ersten von zehn Führungen, die sich bis 20.00 Uhr über den ganzen Tag verteilen sollten, eindeutig in der Mehrheit. “Hier wurde viel Geld für etwas Schönes ausgegeben. Und das ist auch in Ordnung“, findet Rita Beer aus Waldbrunn im Westerwald. “Das ist absolut kein Luxus.“

    Offene Kritik äußert nur ein Besucher. “Hier ist es prunkvoll“, betont er und deutet auf den schön ausgestatteten Versammlungsraum im Keller unter der Kapelle. “Mit dem Geld hätte man auch etwas anderes anfangen können.“ Was denn zum Beispiel? “Man hätte es zum Beispiel den Armen in Indien geben können“, sagt er unter Anspielung auf den umstrittenen Erste-Klasse-Flug des Bischofs nach Indien. Seinen Namen will der Kritiker nicht nennen. Er sei Verwaltungsrat einer Pfarrgemeinde in der Nähe von Limburg. Dort, an der Basis, regiere der Rotstift. “In den Gemeinden wird gespart. Bei einer Renovierung haben wir die Farbe selbst bezahlt, und zum Pinsel haben wir auch selbst gegriffen.“

    Zum Ende der Führung mischt sich der Bischof unter die Gruppe, schüttelt die Hände und findet für jeden ein freundliches Wort. “Wir haben nichts zu verstecken“, sagt er. Er habe schon viele Besucher und auch Journalisten empfangen, erklärt der 53-Jährige. Das Lob der Besucher für sein neues Domizil freut ihn sichtlich. “Tragen Sie es weiter, seien Sie Brückenbauer“, sagt er zu Mitgliedern seiner Diözese. Er sehe die Residenz als “Haus des Dialogs und der Gastfreundschaft“.

    Und genau das - ein Haus des Dialogs - sollte die Residenz schon am Freitag werden, wenn ihm eine Abordnung aus seiner Diözese einen Offenen Brief übergibt, in dem seine Amtsführung kritisiert wird. Über 4.000 Kirchenmitglieder haben das Schreiben bislang unterzeichnet, das in Frankfurt, der größten Stadt des Bistums Limburg, seinen Ausgang nahm. Empfangen wird der Bischof seine Kritiker in einem seiner vielen Besprechungszimmer. Dort kann sich die Delegation der Frankfurter Katholiken dann selbst ein Bild von der neuen Residenz machen.

    Von Michael Bauer, dpa

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