40.000
  • Startseite
  • » Region
  • » Aus den Lokalredaktionen
  • » RLZ Diez
  • » B49: Traktoren sollen verbannt werden
  • Aus unserem Archiv
    Limburg-Weilburg

    B49: Traktoren sollen verbannt werden

    Wie ein Stehaufmännchen kehrt ein altbekanntes und von allen Seiten ausdiskutiertes Thema zurück auf die Tagesordnung: Die B 49 soll für Traktoren und andere langsame Fahrzeuge gesperrt werden - und zwar bereits zum Jahreswechsel.

    Vielbefahren ist die B 49 - hier bei Löhnberg. Auch Traktoren und Schlepper nutzen sie, Hessen Mobil will das nun endgültig unterbinden.  Foto: Archiv/Glotz
    Vielbefahren ist die B 49 - hier bei Löhnberg. Auch Traktoren und Schlepper nutzen sie, Hessen Mobil will das nun endgültig unterbinden.
    Foto: Archiv/Glotz

    Es war das große Thema des späten Jahres 2015: Die B 49 sollte überall dort, wo sie im Landkreis Limburg-Weilburg vierspurig ausgebaut ist, zu einer Kraftfahrstraße werden und somit tabu für landwirtschaftliche Fahrzeuge. Und es könnte auch in den letzten Wochen dieses Jahres wieder ein großes Thema werden. Denn Hessen Mobil hat im Staatsanzeiger die Teileinziehung erneut angekündigt - zum 1. Januar 2017. Nur: Geändert hat sich an den Voraussetzungen nach Ansicht der meisten Beteiligten nichts.

    Dass der langsame Verkehr auf der Bundesstraße eine Gefahr darstellen kann, ist unfraglich. Bereits in der "heißen Phase" des vergangenen Versuchs der Teileinziehung kam es zu einem schweren Unfall. Im Oktober 2015 fuhr ein Auto zwischen Obertiefenbach und Ahlbach ungebremst auf einen Schlepper auf. Drei Menschen wurden schwer verletzt und kamen ins Krankenhaus. Die Bundesstraße musste für die Rettungs- und Bergungsarbeiten gesperrt werden. Nicht gänzlich anders gelagert war der Auffahrunfall an Fronleichnam dieses Jahres auf Höhe des Merenberger Ortsteils Allendorf. Eine junge Frau aus dem Raum Marburg übersah einen langsam fahrenden Schlepper - ein 48 PS-schwaches Deutz-Schmuckstück aus den frühen 1970er-Jahren. Es war großes Glück, dass kein Beteiligter zu ernsthaftem Schaden kam, bis auf den Kleinwagen der 25-jährigen Unfallfahrerin und den Deutz-Senior. Bauartbedingt schafft dieses Modell es mit Mühe und Not auf knapp 30 km/h. Genau solche langsamen Fahrzeuge, aber auch die großen, schweren Landmaschinen, möchte Hessen Mobil von der Bundesstraße verbannen. Ebenso auch von der B 54 zwischen deren Kreuzung mit der B 49 und der Kreisstraße 459 bei Hadamar.

    Dagegen wehrt sich grundsätzlich auch niemand - auch nicht die Landwirte. Doch sie sehen bislang die nötigen Voraussetzungen nicht geschaffen, auf eine Nutzung der Bundesstraßen zu verzichten: qualifizierte Ausweichstrecken. Eine über weite Strecken parallel zur Bundesstraße verlaufende "Treckerautobahn", wie seit Jahrzehnten gefordert, ist politisch wenig mehr als Wunschdenken. Und die von Hessen Mobil vorgeschlagenen Alternativstrecken führen teilweise durch Ortschaften, auch durch eng bebaute Ortskerne.

    "Die vorgesehenen Ausweichrouten stehen dem landwirtschaftlichen Verkehr aufgrund von Lastbegrenzungen - etwa an den Brücken in Dehrn und Eschhofen sowie der Ortsdurchfahrt von Dietkirchen - nicht zur Verfügung", begründet etwa Johannes Laubach, Pressesprecher der Kreisstadt Limburg, warum diese erneut Widerspruch eingelegt hat. Auch sei in Ahlbach kein adäquater Lärmschutz vorhanden. Fazit von Laubach: "Die Stadt bleibt bei ihrer bereits im Oktober 2015 dargelegten Position", das entsprechende Schreiben verließ das Rathaus am Mittwoch.

    Und auch der Kreis bleibt bei seinem Widerspruch aus dem vergangenen Jahr: Landrat Manfred Michel (CDU) hebt die besondere Bedeutung der B 49 für den Kreis heraus - gerade auch für landwirtschaftliche Fahrzeuge. Es gehe dabei nicht nur um den An- und Abtransport von Saat- und Erntegut, Dünge- und Futtermitteln sowie Tieren. Auch Feldbaugeräte würden über die Straße fahren, ebenso wie Spezialfahrzeuge. Letztere stammen oft von Lohnunternehmen, die nicht immer in der Region beheimatet sind.

    Michel sieht für all diese Fahrzeuge "keine praktikable Alternative" - Gleiches gelte für den An- und Abtransport von Kompost zur Anlage in Beselich. Der Landrat weist darauf hin, dass die vorgesehenen Ausweichrouten nahe an Einrichtungen wie Schulen oder Kindergärten vorbeiführten. Hinzu komme, dass einige Ortsdurchfahrten - er nennt Offheim, Ahlbach, Eschhofen, Dehrn, Allendorf, Waldhausen und Löhnberg - die landwirtschaftlichen Fahrzeuge zu einem deutlich reduzierten Tempo zwingen würden. Das führe nicht nur zu Zeitverlust, sondern zu neuen Gefahrensituationen, die jene auf den Bundesstraßen übertreffen würden.

    Und der Ortsbeirat von Dehrn, bereits vor mehr als einem Jahr deutlich gegen die Teileinziehung, fordert den Magistrat der Stadt Runkel ebenfalls erneut auf, Widerspruch einzulegen. "Es soll gefordert werden, die Sperrung erst wirksam werden zu lassen, wenn durchgängig geeignete Wege und Straßen [...] zur Verfügung stehen", heißt es in der Aufforderung an Bürgermeister Friedhelm Bender (SPD). Im Landkreis ist also alles beim Alten: Niemand will die Teileinziehung. Doch was hat sich aus der Sicht von Hessen Mobil an der Situation entlang der B 49 geändert? Vor einem Jahr, sagt die Straßenbaubehörde, sei die Teileinziehung nur bekannt gemacht worden. Nun wurde sie "entschieden und verfügt". Zuvor seien die insgesamt 13 Einwendungen geprüft worden und das "Prüfergebnis ist in die Entscheidung eingeflossen".

    Hessen Mobil sieht, anders als die Verwaltungen vor Ort, keine Engstellen und erklärt: "Gefahrenzonen aufgrund von Unfallhäufungen sind nicht bekannt." In Teilen seien Verbindungswege neu hergestellt worden. Darüber hinaus verweist die Behörde auf das Wegenetz parallel zur B 49 - von Landes- und Kreisstraßen bis hin zu den Traktoren vorbehaltenen Wirtschaftswegen. "Dieses Straßen- und Wegenetz ist für den langsamen Verkehr geeignet und wird als ausreichend angesehen", erklärt Hessen Mobil in Marburg auf Anfrage. Malte Glotz

    Diez
    Meistgelesene Artikel
    Online regional
    Markus Eschenauer

    Regio-CvD Online

    Markus Eschenauer

    Mail | 02602/160 474

    Anzeige
    Regionalwetter
    Dienstag

    10°C - 22°C
    Mittwoch

    10°C - 22°C
    Donnerstag

    13°C - 22°C
    Freitag

    11°C - 18°C
    News aus Ihrer Region - Lokalteil wählen
    wissenlinz,neuwiedremagenmontabaurandernach,mayenkoblenzdiezbademszellsimmernbirkenfeldkirn,badsobernheim,meisenheimbadkreuznach
    epaper-startseite
    Anzeige