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    Wassenach im Zeichen des Buddhismus: Meditationstempel feiert Tag der offenen Tür

    Die Häuser und die Straße sehen ganz und gar nach Eifel aus. Der bunte Fahnenschmuck und die Dekoration aber lassen auf Fernöstliches schließen, ebenso der verführerische Duft der Speisen, die im Park unter weißen Pavillons auf hungrige Abnehmer warten. Und tatsächlich: Thailändisch ist die Sprache, die heute dominiert. Das Wat Buddha Vipassana, der buddhistische Meditationstempel in Wassenach, feiert Tag der offenen Tür – und ganz viele feiern mit.

    Die große Buddha-Statue im Innern des Meditationstempels in Wassenach ist ein beliebtes Fotomotiv: Viele der Besucher lassen sich vor dem goldenen Buddha ablichten.
    Die große Buddha-Statue im Innern des Meditationstempels in Wassenach ist ein beliebtes Fotomotiv: Viele der Besucher lassen sich vor dem goldenen Buddha ablichten.
    Foto: Uwe Sülflohn

    Sie kommen unter anderem aus Düsseldorf, Trier, Stuttgart und München, auch aus Luxemburg und anderen europäischen Ländern. Aus Frankfurt angereist ist Threetep Nopkhun, Generalkonsul der thailändischen Botschaft. Vor ein paar Tagen waren der Initiator des Wassenacher Wats, Reinhard Koll, und seine Frau Phanuchanart selbst noch in Thailand. Von dort mit zurückgebracht haben sie gut zwei Dutzend buddhistische Mönche, die aber nicht nur für den Tag der offenen Tür gekommen sind. Sie bleiben noch ein paar Tage länger in Wassenach, um im Wat anderen Gläubigen Anleitung in Sachen Vipassana-Mediation zu geben.

    Extra angereist ist zum wiederholten Male auch der inzwischen 94-jährige Ehrwürdige Ajarn Tong Sirimangalo, einer der bedeutendsten buddhistischen Mönche Thailands. Eine große Ehre sei das, erklärt Reinhard Koll, der auch Vorsitzender des Vereins Wat Buddha Vipassana ist. Als er sich 2008 an die Verwirklichung seiner Idee vom eigenen Wat machte, sah er sich noch einigen Zweiflern gegenüber – besonders in Wassenach selbst.

    Ein buntes Treiben herrschte beim Tag der offenen Tür vor und im Wat Buddha Vipassana in Wassenach.
    Ein buntes Treiben herrschte beim Tag der offenen Tür vor und im Wat Buddha Vipassana in Wassenach.
    Foto: Uwe Sülflohn

    „Am Anfang waren die Leute kritisch“, erinnert sich Koll. Doch die Skepsis wich der Neugier und der Annäherung. Heute ist es für die Wassenacher ganz normal, das halbe Dutzend buddhistische Mönche in ihren charakteristischen Kutten auf der Straße zu treffen – sie gehören mittlerweile dazu. „Die Mönche sind in unserem Ort angekommen“, sagt Wassenachs Ortsbürgermeister Manfred Sattler. Ein freundschaftliches und hilfsbereites Miteinander werde gepflegt. Nirgends drückt sich das vielleicht besser als beim Dorffest, dem „Kromperefest“, aus: Bei dem sind das Wat und seine Mönche mit einem eigenen Stand vertreten.

    Dass das Wat mal ein Hotel mit Gaststätte war, ist noch an einigen Stellen zu erkennen. Und doch ist es ganz anders. „Schuhe ausziehen“ heißt es vor dem Eintritt. Im Innern nimmt roter Teppichboden die Barfüßigen auf. Mit Blumen geschmückt und in allem fernöstlichen Prunk zieht eine große goldene Buddha-Statue die Blicke auf sich. Wahrscheinlich ist sie das beliebteste Fotomotiv des Tages: Viele der Besucher lassen sich vor dem goldenen Buddha ablichten.

    Das Bild zeigt das Ehepaar Phanuchanart und Reinhard Koll.
    Das Bild zeigt das Ehepaar Phanuchanart und Reinhard Koll.
    Foto: privat

    Etwas abseits gibt es eine weitere, kleinere Buddha-Figur – ein Geschenk des thailändischen Mutter-Wat, wie Reinhard Koll erklärt. Auf den Sitzkissen davor haben einige weiß gekleidete Frauen Platz genommen: buddhistische Nonnen, die erst gestern geweiht worden sind. „Meine Frau ist auch dabei. Ich darf sie jetzt für zehn Tage nicht berühren“, schmunzelt Koll. Apropos: Auch die Mönche sind unberührbar – jedenfalls für Frauen, denn die könnten die Mönche sonst „versuchen“.

    Inmitten der Pracht und kulinarischen Fülle kommt Bewegung in die Menge. Aus dem Wat strömen Menschen in den Park und auf die Straße vor dem ehemaligen Hotelgebäude, um ein Spalier für die Mönche zu bilden. In den Händen halten sie in kleine Gazepäckchen verpackten Reis, den sie zuvor gegen ein paar Euro erstanden haben. Die Reisbeutelchen stehen symbolisch für die Essensspenden. „Wir leben von Spenden“, erklärt Reinhard Koll. Heute sind auf dem Gelände auch einige mit Geldscheinen geschmückte „Spendenbäume“ verteilt. Zudem haben die Besucher Geschenke mit nützlichen Dingen für den Alltag mitgebracht.

    Rund ums Jahr kommen Buddhisten aus ganz Deutschland ins Wassenacher Wat, um hier zu meditieren, mal für einen Tag, mal für ein Wochenende. „Manche meditieren aber auch 14 Tage“, so Koll. Angeleitet werden sie dabei von den Wassenacher Mönchen, bei denen es sich übrigens um „Waldmönche“ handelt: Sie tragen braune statt der orangefarbenen Kutten, wie sie die Stadtmönche tragen. Ihre Naturverbundenheit zeigt sich etwa darin, dass sie stundenlang im Grünen meditieren – sehr gerne auch am Laacher See.

    Die Mönche gingen durch ein Spalier (rechts), um Essensspenden entgegenzunehmen. Symbolisiert wurden diese von kleinen Reissäckchen. 
    Die Mönche gingen durch ein Spalier (rechts), um Essensspenden entgegenzunehmen. Symbolisiert wurden diese von kleinen Reissäckchen. 
    Foto: Uwe Sülflohn

    Derweil machen die Launen der Natur dem normalen Ablauf des Tags der offenen Tür einen Strich durch die Rechnung. Denn plötzlich kommt der große Regen, und mit ihm der Wind. Papierservietten fliegen durch die Luft, während sich die Menschen mit dem, was sie vor dem niederprasselnden Nass retten wollen, unter die Zeltdächer oder ins Haus flüchten. Dicht zusammengedrängt stehen sie da – trotzdem wird entspannt weiter geplaudert und gegessen. Geduldig warten alle darauf, dass der Regen nachlässt. Dass sich der Schauer zum Gewitter entwickelt, wird mit dem ersten Donnergrollen offenbar. Spitze Frauenschreie markieren den grellen Blitzschlag, der kurz darauf von einem ohrenbetäubenden Knall beantwortet wird.

    Ein paar Minuten später ist der Spuk vorbei, es kann endlich weitergefeiert werden. Schließlich steht noch einiges auf dem Programm. Etwa der Gratulationsreigen für Phanuchanart Koll, die den Sema Thammachak-Preis erhalten hat. Zudem müssen noch die neue Buddha-Figur geweiht und der neue „Chofah“ – eine architektonische Verzierung auf den Dächern thailändischer Wat – vergoldet werden, damit er wie geplant am Dach des Wassenacher Wats angebracht werden kann.

    Von unserer Mitarbeiterin Petra Ochs

    Bad Neuenahr-Ahrweiler
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