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Sinzig

Trotz großem Widerstand: Umstrittenes Einkaufszentrum nimmt weitere Hürde

Jan Lindner

Der Sinziger Ortsbeirat ist dagegen, einige Stadtratsmitglieder, dazu 3500 Sinziger per Unterschrift und auch die Stadt Remagen samt ihren Einzelhändlern: Der Bau des 13 Millionen Euro teuren Nahversorgungszentrums (NVZ) ist auch nach drei Jahren äußerst umstritten. Dennoch: Im Sinziger Stadtrat hat das Großprojekt eine weitere Hürde genommen – eine hitzige Diskussion inklusive.

Der Bau des Sinziger Einkaufszentrums ist nach wie vor umstritten – wird aber immer wahrscheinlicher.
Der Bau des Sinziger Einkaufszentrums ist nach wie vor umstritten – wird aber immer wahrscheinlicher.
Foto: Jan Lindner

Mit großer Mehrheit hat das Gremium die Fortschreibung des Einzelhandels- und Zentrenkonzepts beschlossen (wir berichteten). Neben drei anwesenden Grünen-Stadträten stimmten drei FWG-Räte dagegen. Die endgültige Entscheidung wird der Stadtrat im neuen Jahr fällen. Wann, ist noch nicht absehbar. Zumal es im gesamten Verfahren immer wieder zu großen Verzögerungen gekommen ist.

Wie sehr das NVZ noch immer die Gemüter erhitzt, wurde in der jüngsten Sitzung des Stadtrats deutlich. Besonders Robert Kolle (Grüne) ereiferte sich: „Ich bin verwundert, denn wir hatten das Zentrenkonzept schon mal vorliegen.“ Dass es nun erneut beraten wurde, könne nur daran liegen, dass die Kreisverwaltung dessen Verfasser, Gutachter Thomas Schwarze, zum „Nachsitzen verdonnert hat und er sein Konzept nachbessern musste“. NVZ-Gegner werfen Schwarze Parteilichkeit vor, indem er Aspekte, die gegen den Bau des Einzelhandelszentrums sprechen, ausblendet oder abschwächt.

Kolle sagte weiter: „Mit Schwarzmalerei, nämlich dass die Versorgungslage in Sinzig künftig angeblich gefährdet sei, wird ein unheimlicher Druck aufgebaut.“ Der Sinziger Ortsvorsteher Gunter Windheuser bekräftigte die 8:4-Entscheidung des Ortsbeirats gegen die Fortschreibung des Einzelhandelskonzepts: „Es würde der Weg bereitet für etwas, das wir so nicht haben wollen.“

Die CDU-Fraktion scheint ihre zwischenzeitlichen Zweifel nach der Pleite bei der Bürgermeisterwahl überwunden zu haben. Schließlich war die Fortschreibung des Konzepts in einer Ausschusssitzung Mitte Oktober auf Antrag der Union abgesetzt worden. Im Stadtrat stimmte die CDU jetzt geschlossen für die Fortschreibung.

Für die SPD machte Martin Eggert klar: „Wir stimmen für das Konzept. Das heißt aber nicht, dass die SPD dem NVZ zustimmt.“ Bekanntlich gibt es in der SPD mehr Gegner als Befürworter. Entscheidend für die Genossen war jetzt, dass auf ihren Antrag hin Bad Bodendorf als zentraler Versorgungsbereich in das Konzept aufgenommen worden ist.

Und: dass die Investoren um den Neuwieder Bauunternehmer Klaus Alsdorf und seine Schwester Bärbel Schönberger mit diesem Beschluss noch keinen Realisierungsanspruch haben. Dies hat Sinzigs Bürgermeister Wolfgang Kroeger auf Nachfrage erneut bestätigt.

Gegen den Bau des Sinziger Einkaufszentrums hat sich auch die Stadt Remagen sehr ausführlich und sehr eindeutig positioniert (wir berichteten). In einem Schreiben hat deren Bürgermeister Herbert Georgi vor knapp einem Jahr auf drei Seiten seine Gründe dargelegt.

Konkret befürchtet die Römerstadt einen hohen Verlust an Kaufkraft für die eigenen Lebensmittelmärkte und Einzelhändler: jene, die im Gewerbepark Remagen-Süd ansässig sind oder an den Rändern der Kernstadt. Wörtlich schrieb Georgi an seinen Sinziger Amts- und CDU-Kollegen Kroeger: „Nach Sichtung der Unterlagen stellen wir fest, dass die Belange der Stadt Remagen durch die Ziele und Inhalte der Planung in erheblichem Umfang berührt werden.“

Weiter heißt es: „Es drängt sich dabei der Eindruck auf, dass die Fortschreibung des Einzelhandels- und Zentrenkonzepts lediglich dazu dient, die geplante Ansiedlung eines großflächigen, auf Remagen erheblich ausstrahlenden Fachmarktzentrums auf dem Rick-Gelände vorzubereiten.“ Georgi führt weiter „erhebliche methodische und inhaltliche Mängel“ des Gutachtens an, die nicht dazu geeignet seien, die Erweiterung des zentralen Versorgungsbereichs in Sinzig auf das Rick-Gelände „auch nur annähernd zu begründen“.

Die Sinziger Stadtverwaltung hat zu den Einwänden ausführlich Stellung genommen und sie fast allesamt mit Begründung zurückgewiesen. Die Antwort auf Remagens grundsätzlich ablehnende Haltung lautet: „Sie hindert die Stadt Sinzig nicht daran, für ihr Gebiet ein Einzelhandelskonzept zu beschließen.“

Von unserem Redakteur Jan Lindner

Trinkwasser wird weiter gechlort

Die Stadtwerke Sinzig chloren das Trinkwasser für 30.000 Menschen in Sinzig und der VG Bad Breisig weiterhin. Die Ursache für die Kolibakterien ist noch immer nicht gefunden worden. Stadtwerkeleiter Bernd Lischwé sagte: „Wir arbeiten uns seit 16 Monaten durch alle Anlagen und haben alles auf den Kopf gestellt.“ Vom 12. August 2016 an seien 1408 Proben gezogen worden, darunter fünf Proben mit Keimen. Lischwé: „Es ist nichts Dramatisches. Aber die Leute rufen bei uns noch immer jeden Tag an.“

Der Arbeitsgerichtsprozess zwischen zwei Stadtwerkemitarbeitern hat die Stadt bislang 24.200 Euro gekostet. Bürgermeister Wolfgang Kroeger wollte ein Mediationsverfahren anstrengen, wie er sagte. Doch schlugen beide Parteien sechs Gesprächstermine aus.

2016 haben die Sinziger Stadtwerke 439.000 Euro Gewinn erzielt. Zugleich wurden 3,6 Millionen Euro investiert. Die Wasser- und Abwasserpreise sind seit vier respektive acht Jahren stabil.

Der neue Zaun am Westumer Sportplatz kostet die Stadt 60.000 Euro. jl

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