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Galenberg

Stippvisite: HSV-Profi Holtby bei den Brohltal-Fans

„Die Taschen sind gepackt. Heute besuchen die Spieler unsere Fanclubs zwischen Amrum und der Schweiz.“ So zu lesen auf der Homepage des Hamburger SV. Einer aus dem aktuellen Kader des Bundesliga-Dinos gab am Sonntagmorgen den Ort Galenberg in sein Navi ein und traf nach rund 500 Kilometern im Bürgerhaus der kleinen Brohltalgemeinde ein.

HSV-Fußballprofi Lewis Holtby (Bildmitte) im Kreis des HSV-Fanclubs Brohltal-Power: Der sympathische Kicker ist selbst im eher ländlichen Gerderath bei Erkelenz aufgewachsen und fühlte sich in Galenberg offenbar wohl. Und er redete auch Klartext, was seinen Verein angeht.
HSV-Fußballprofi Lewis Holtby (Bildmitte) im Kreis des HSV-Fanclubs Brohltal-Power: Der sympathische Kicker ist selbst im eher ländlichen Gerderath bei Erkelenz aufgewachsen und fühlte sich in Galenberg offenbar wohl. Und er redete auch Klartext, was seinen Verein angeht.
Foto: Hans-Josef Schneider

Dort wurde Lewis Holtby, der tags zuvor in Berlin beim 1:2 gegen die Hertha nur auf der Bank verbracht hatte, begeistert von den Mitgliedern des offiziellen HSV-Fanclubs Brohltal Power in Empfang genommen. „Bereits zum zehnjährigen Bestehen hatten wir auf einen Besuch gehofft, jetzt hat es endlich im dritten Anlauf geklappt“, freute sich Guido Hahn aus Westum.

Zu Beginn wurde Holtby mit wenig erfreulichen Themen konfrontiert. „Geht es euch beim HSV zu gut? Oder woran liegt es, dass wieder einmal gezittert werden muss?“, wollte Hahn wissen. „Ist vielleicht der Druck zu groß“, schob Daniel Fassbender nach. Der Profi rutschte auf dem Hocker hin und her und machte einen gequälten Eindruck. „Es ist zum Kotzen, immer wieder auf die gleichen Dinge angesprochen zu werden. Es sind so viele Faktoren, die hier eine Rolle spielen. Für mich entscheidend ist jedoch die Tatsache, dass es an der nötigen Leidenschaft fehlt. Wenn wir die Kurve kriegen wollen, dann müssen wir noch enger zusammenstehen. Aber vielleicht brauchen wir auch die Schlinge um den Hals, um weiterhin die einzige Mannschaft zu bleiben, die nie aus der Bundesliga abgestiegen ist.“

Oft ist in dem einstündigen Gespräch die Rede vom Zusammenhalt. Diesen hat das junge Fußballtalent in seiner Jugendzeit beim Heimatverein Sparta Gerderath kennen und schätzen gelernt. Daher kehrt er immer wider gern dorthin zurück, wo seine Karriere ihren Anfang nahm. Und er kommt selten mit leeren Händen. „Zum ersten Vorsitzenden wie Stefan Bell in Wehr reicht es nicht, aber ich unterstütze die Spartaner, wo es nur geht. Ich sehe mich nicht als Mäzen, sondern als jemand, der etwas zurückgeben will.“ Gerderath gibt ihm aber auch jene Ruhe und Gelassenheit, die er als Kind vom Land in der Welt- und Medienstadt Hamburg häufig vermisst. Gefunden hat er das auch auf der Insel. „Die Briten sind entspannter, ohne Vorurteile und freundlicher. Trotzdem bereue ich keinesfalls meinen Wechsel zum HSV.“

Natürlich wollte man von dem prominenten Gast wissen, was er in seiner Freizeit macht und wie er sich seine Zukunft vorstellt. „Ich habe gern Leute um mich, nutze das Golfspielen zum Abschalten und bin ansonsten recht spontan und verbringe viel Zeit mit den Kollegen.“ Was nach der Karriere kommt, lässt er auf sich zukommen. „Derzeit zählt nur das Hier und Heute. Egal was ich später mache, ich muss auf jeden Fall davon überzeugt sein.“ Der 27-Jährige hat in seiner bisherigen Laufbahn schon viel erlebt. Zu den Highlights zählt er diese drei Momente: das erste Profispiel („Das waren die besten zehn Minuten bisher.“), das erste A-Länderspiel am Geburtstag seiner Oma und das Spiel gegen den FC Everton, das sein Vater im FC-Trikot auf der Tribüne verfolgte. Ein wenig überraschend bezeichnete Holtby Thomas Tuchel als seinen bisher prägendsten Trainer, der ihm eine zu einer anderen Sichtweise verhalf.

Einige der rund 30 in HSV-Trikots gekleideten Fans hatten noch das Relegationsspiel gegen Karlsruhe in guter Erinnerung. Einer meinte: „Die 115. Minute, als Nikola Müller das 2:1 erzielte, war für mich nach der Geburt meines Sohnes der bisher schönste Moment in meinem Leben.“ Ein anderer ergänzte: „Andere feiern Titel und Aufstiege, wir feiern, wenn wir mal wieder dem Abstieg entronnen sind.“ Etwas Tröstliches blieb dann doch: Mit Jann-Fiete Arp, der 17-Jährige erzielte gegen Hertha bei seinem ersten Einsatz das 1:2, und dem 20-jährigen Tatsuya Ito verfügt der HSV über hoffnungsvolle Nachwuchstalente, von deren Qualitäten die Fans aus dem Brohltal ebenso überzeugt sind wie der arrivierte Profi.

Von unserem Mitarbeiter Hans-Josef Schneider

Zur Person

Lewis Holtby, geboren im September 1990, wuchs in Gerderath, einem Ortsteil des rheinischen Erkelenz auf. Holtbys Mutter ist Deutsche, sein Vater Brite. Bis 2004 spielte er in der Jugend von Sparta Gerderath und Borussia Mönchengladbach.

Dort wurde er aufgrund vermeintlicher körperlicher Defizite aussortiert und wechselte anschließend zu Alemannia Aachen. Unter Interimstrainer Jörg Schmadtke kam er gegen den FC St. Pauli zu seinem ersten Zweitligaeinsatz. 2007 dann der Wechsel zu Schalke 04. Ausgeliehen an den VfL Bochum erzielte er im März 2010 gegen Borussia Dortmund sein erstes Tor in der Bundesliga. Bei Mainz 05 wurde er Stammspieler und Leistungsträger. Gemeinsam mit André Schürrle und Ádám Szalai wurden sie als „Bruchweg-Boys“ bekannt. Es folgte ein England-Abenteuer mit Einsätzen bei FC Fulham und Tottenham Hotspur. Seit dem 1. September 2014 spielt der Mittelfeldakteur beim Hamburger SV. Sein Vertrag läuft noch bis zum 30. Juni 2018.

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