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    Sinzig

    RZ-Debatte: Wer wird Bürgermeister in Sinzig?

    Das Klima im Rathaus, der Streit um das Nahversorgungszentrum oder die Abwanderung prominenter Unternehmen – es gibt viele Baustellen in Sinzig, die ein neuer Bürgermeister nach seiner Wahl am 24. September zu managen hat. Alle drei Kandidaten für das Amt des Verwaltungschefs wissen um die Probleme, die in der Barbarossastadt aufgelaufen sind. Wie sie damit umgehen wollen, sagten sie am Dienstagabend bei der Podiumsdiskussion der Rhein-Zeitung den Bürgern.

    Wie geht es weiter im Rathaus und der Stadt Sinzig? Das wollten die RZ-Redakteure (von rechts) Jan Lindner und Uli Adams sowie 600 Bürger im Helenensaal von den Bürgermeister-Kandidaten Andreas Geron, Manfred Ruch und Martin Braun wissen. 
    Wie geht es weiter im Rathaus und der Stadt Sinzig? Das wollten die RZ-Redakteure (von rechts) Jan Lindner und Uli Adams sowie 600 Bürger im Helenensaal von den Bürgermeister-Kandidaten Andreas Geron, Manfred Ruch und Martin Braun wissen. 
    Foto: Hans-Jürgen Vollrath

    Rund 600 Sinziger waren in den Helenensaal gekommen. Das hohe Interesse signalisierte auch: Ein „Weiter so“ ist unakzeptabel. Mit Martin Braun, Manfred Ruch und Andreas Geron stellten sich drei vom Typ her sehr unterschiedliche Kandidaten den Fragen von Redaktionsleiter Uli Adams und Redakteur Jan Lindner. Gemeinsamer Konsens aller Kandidaten: Sinzig braucht den Wechsel, den Aufbruch, muss Fehler aus der Vergangenheit korrigieren.

    Mit Manfred Ruch, unabhängiger Kandidat mit SPD-Unterstützung, wirft im Gegensatz zu seinen Mitbewerbern ein Mann ohne berufliche Verwaltungserfahrung seinen Hut in den Ring, der gerade das als Chance für einen „echten Neubeginn“ sieht. Der stellvertretende Chefredakteur der Rhein-Zeitung versprach, aus Sinzig wieder „das quirlige Städtchen“ zu machen, in dem er aufgewachsen ist und in dem er fünf Jahren nach beruflichen Stationen in Neuwied und Mainz wieder angekommen ist – mit der Wahrnehmung, dass es in seiner Heimatstadt viel Frust und Ärger gibt, aber auch mit vielen Ideen und der mutigen Mission, Sinzig einen Plan für die Zukunft zu geben.

    "Man soll die Stadt Sinzig jetzt nicht kaputtreden, auch wenn sie viel Nachholbedarf hat."

    Manfred Ruch warnt vor Pessimismus.

    „Ich kommuniziere völlig anders und bringe den Blickwinkel des Bürgers mit“, meinte Ruch, der vor fünf Jahren das Bürgerforum in Sinzig gegründet hat. Dass er einen anderen Blickwinkel und eine andere Sprache hat, war auch bei der Podiumsdiskussion zu spüren. Beim Streiten um Paragrafen einer Gesetzesnovelle für die schnelle Ausweisung von Baugebieten ließ der „Kandidat mit Herzblut“ seinen Mitstreitern gerne den Vortritt.

    Pädagogisch geschult, eloquent und gewitzt parierte der unabhängige Kandidat Andreas Geron, seit 1994 verantwortlich für die Ausbildung von Jurastudenten und Rechtsreferendaren, bei kniffligen Fragen. Gut präpariert zählte er in seinem dreiminütigen Statement sämtliche Baustellen in Sinzig auf, an denen er sich abarbeiten will. Beifall brandete auf, als er einen Zugang der Stadt zum Rhein und zur Ahr forderte. Der Sprecher der Bürgerinitiative „Wir lieben Sinzig“ will transparente Entscheidungsprozesse mit einem Bürgerprogramm organisieren. Er weiß aber auch um die Grenzen von Bürgerwünschen. „Wir können nicht allen Ortsteilen eine identische Infrastruktur zur Verfügung stellen. Das wird zu teuer“, meinte er und warb für eine neues Wir-Gefühl: „Es hat nicht Bad Bodendorf ein Thermalbad, sondern Sinzig hat ein Thermalbad.“

    "In der Außendarstellung der Stadt muss viel geschehen im Medium Nr. eins: Internet."

    Andreas Geron fordert mehr Kommunikation.

    Mit dem CDU-Kandidaten Martin Braun stellte sich ein Mann vor, der als Personalchef der Kreisverwaltung beruflich in der Kommunalverwaltung zu Hause ist und als Ortsbürgermeister von Gönnersdorf weiß, wie die Zusammenarbeit mit Gremien läuft. In seiner besonnenen, eher zurückhaltenden Art präsentierte er sich den Bürgern als „Bürgermeister zum Anfassen“, als Moderator und Ideengeber, der sich auch bei kritischen Fragen nicht provozieren lässt und sich beispielsweise lieber selbst ein Bild von der Lage im Rathaus machen will, bevor er urteilt.

    Bedeckt hielt er sich bei der Frage, ob er für oder gegen ein Nahversorgungszentrum ist, während sich Geron mit einem Nein positionierte und Ruch daran erinnerte, dass ein Nein die letzte Chance ist, die Ahr für Sinzig touristisch zu erschließen. Brauns Credo: „Die Verwaltung zu einem Dienstleister machen.“ Langfristig sieht er Sinzig und seine Stadtteile als Mehrgenerationenhaus.

    "Ich werde die Beziehung zu den Gewerbetreibenden zur Chefsache machen."

    Martin Braun will Draht zu Unternehmen verbessern.

    Sehr gut bestanden haben alle drei Kandidaten auch die Testfragen, die Bürger im Anschluss spontan an sie herantrugen. Ob es um das Reizwort Gülle ging, um die Zukunft der Alten Druckerei oder um fehlendes Bauland für junge Familien – auf die Was-würden-Sie-tun-Frage gab es authentische und ehrliche Antworten und keine vagen Versprechungen aller drei Kandidaten, die sich keinen harten Schlagabtausch lieferten, sondern denen man abnehmen konnte, dass sie sich für Sinzig mit aller Kraft einbringen wollen.

    Von unserer Redakteurin Beate Au
     

    So schätzen die Bürgermeisterkandidaten die Situation im Rathaus ein. 

    Sinzig wählt: Kandidaten im Streitgespräch

    Sinzig. Drei Kandidaten, ein Ziel: der Chefsessel im Sinziger Rathaus. Am 24. September, parallel zur Bundestagswahl, stimmen die Sinziger darüber ab, wer ab 2018 für die nächsten acht Jahre das Bürgermeisteramt für die rund 18.000 Einwohner ausübt: Martin Braun (CDU)? Manfred Ruch (unabhängig)? Andreas Geron (unabhängig)? Welche Charaktere sich zur Wahl stellen und welche politischen Ziele sie verfolgen, das wollten rund 600 Wähler am Dienstagabend wissen.

    Die drei Kandidaten (von links) Martin Braun, Manfred Ruch und Andreas Geron stellten sich zwei Stunden lang der intensiven Debatte rund um die brennendsten Themen in der Stadt Sinzig. 
    Die drei Kandidaten (von links) Martin Braun, Manfred Ruch und Andreas Geron stellten sich zwei Stunden lang der intensiven Debatte rund um die brennendsten Themen in der Stadt Sinzig. 
    Foto: Celina de Cuveland

    Bei der Podiumsdiskussion der Rhein-Zeitung im Helenensaal standen die Kandidaten Rede und Antwort. Im Mittelpunkt der Debatte der Dauerbrenner neues Nahvorsorgungszentrum, die Wirtschaftssituation der Stadt und die Einbindung der Ortsteile in die Gesamtstadt Sinzig. Hier ein redaktionell gekürzter Auszug der Kandidatenstatements.

    Das geplante Nahversorgungszentrum – Wie stehen Sie dazu?

    Ruch: „Nur zu sagen, ich bin gegen das Nahversorgungszentrum, ist mir zu einfach. Nach meiner Ansicht ist dieses Thema viel früher in den Sand gesetzt worden. Ich halte es für einen Fehler, an dieser Stelle das Nahversorgungszentrum zu bauen, weil ich glaube, dass es die letzte Chance ist, die Ahr für Sinzig touristisch zu erschließen.

    Wenn Sinzig einen Plan gehabt hätte, hätte sich die Stadt dieses Grundstück möglicherweise sichern können und dann überlegt, was können wir sinnvoll damit machen? So, wie das jetzt gelaufen ist, ist das Nahversorgungszentrum aus meiner Sicht ein Fehler. Auch die vorgelegten Gutachten überzeugen mich nicht. Wenn es aber den Weg durch die Gremien geht, und wenn alles rechtssicher abgeklärt ist, wird man das als Bürgermeister vollziehen müssen. Aber ich halte es für falsch.“

    Braun: „Das Nahversorgungszentrum ist für mich ein Beispiel dafür, dass die Stadt Sinzig ganz dringend ein Gesamtmarketingkonzept braucht, in dem alle Konzepte, die in den Schubladen liegen, unter professioneller Anleitung zusammengeführt werden. Das Nahversorgungszentrum wäre für mich auch ein sehr schönes Projekt gewesen, für eine vorherige Bürgerbeteiligung, die leider nicht erfolgt ist.

    Die Situation ist jetzt, wie sie ist. Wenn ich das Amt des Bürgermeisters übernehmen würde, hätte ich den Vorteil, dass ich von außen auf die Situation schauen kann. Ich habe eine Meinung dazu, ich habe diese aber bewusst nicht vertreten und werde sie auch nicht vertreten, weil ich nach einer möglichen Amtsübernahme im Januar gerne unbefangen mit dem Stadtrat über dieses Thema diskutieren möchte. Dabei sind mir zwei Dinge ganz wichtig: Transparenz und Rechtssicherheit.“

    Geron: „Ich halte das Nahversorgungszentum für falsch. Es geht um Verkehrsströme, die nach Sinzig fließen werden. Bad Breisig kämpft gegen den Verkehr - wir holen uns den Verkehr in die Stadt, direkt an die Ahr.

    Ich möchte die Frage nach dem Nahversorgungszentrum dazu nutzen, mit einem Thema aufzuräumen, das ich immer wieder höre: ‚Der kandidiert ja nur, um das Nahversorgungszentrum zu verhindern. Der verfolgt ja nur eigene Interessen.‘ Wenn ich das Nahversorgungszentrum nur verhindern wollte, hätte ich abgewartet, bis die Satzung auf dem Tisch liegt. Und dann gibt es Möglichkeiten, per Normenkontrollklage den Bebauungsplan am Oberverwaltungsgericht für unwirksam zu erklären – und ich hätte mich nicht in der Öffentlichkeit der Kritik aussetzen müssen. Für mich persönlich – ich bin ja, wie die meisten wissen, Anwohner im Dreifaltigkeitsweg – ist die vorliegende Planung optimal. Ich könnte dann im Alter um 21.15 Uhr mit dem Rollator das Haus verlassen und im Aldi einkaufen gehen. Das ist eine optimale Versorgung.

    Edeka und Aldi wollen Sinzig nicht verlassen. Ich halte das Nahversorgungszentrum für falsch. Es werden zwei Wohngebiete auf einen Streich zerstört: Das Albert-Schweitzer-Gebiet und das Rick-Gelände, das ja rechtlich derzeit Wohngebiet ist.“

    Zwei große Firmen haben in den vergangenen Monaten die Stadt verlassen oder werden es: Die Firmen Sprengnetter und Wunderlich. Kümmert sich die Stadt zu wenig um ihre Unternehmer?

    Geron: Ja, ich denke schon. Natürlich muss man im Fall Sprengnetter beachten: Die Kaserne in Bad Neuenahr-Ahrweiler war für das Unternehmen ein Glücksfall. Da können wir in Sinzig nicht mithalten. Dennoch hätte man im Vorfeld Aktivitäten betreiben können, um das Unternehmen in Sinzig zu halten. Auch wenn ein Bürgermeister mit irgendwelchen Personen Probleme haben sollte, darf das nie nach außen dringen. Er muss da immer im Sinne der Stadt handeln und keine privaten Dinge mit geschäftlichen vermischen.

    Es ist wichtig, Kommunikation zu betreiben. Es darf nicht sein, dass Unternehmen Mails an die Stadtverwaltung schreiben und dass dann keine Antwort kommt“

    Braun: „Die Unternehmer und Gewerbetreibenden fühlen sich vernachlässigt. Zum Fall Sprengnetter kann ich Andreas Geron da nur beipflichten. Im Fall Wunderlich geht es auch um die Frage von Erweiterungen. Das ist für einen Motorradzubehör-Hersteller im Wasserschutzgebiet schwierig.

    Das soll aber nicht heißen, dass man mit den Unternehmen nicht das gute Wort pflegt. Ich würde die Beziehungen zu den Unternehmen zur Chefsache machen. Ich möchte als Bürgermeister gerne regelmäßige Unternehmerrunden anbieten. Die Unternehmer haben gute Ideen, und diese Ideen würde ich gerne dann dem Stadtrat kommunizieren und – wenn möglich – umsetzten. Wichtig ist auch, die vorhandenen Gewerbegebiete zu pflegen, so, dass sie in einem guten Zustand sind.“

    Ruch: „Man muss sich mal bewusst werden, wer da gegangen ist: Zwei zukunftsfähige, wachsende Unternehmen, die über Jahre und Jahrzehnte hinaus Arbeitsplätze in Sinzig gesichert hätten. Ich bin überzeugt davon, dass man diesen beiden Unternehmen andere Signale hätte geben können: Wir wollen euch in Sinzig halten, koste es, was es wolle. Solchen Unternehmen muss man dann auch hinterherlaufen und fragen, was können wir für euch tun?

    Die Konsequenz daraus: Natürlich ist Wirtschaftsförderung Chefsache. Eine meiner ersten Amtshandlungen wäre es, in der Stadtverwaltung einen ganztägigen Wirtschaftsförderer zu installieren, der zusammen mit dem Bürgermeister für die Unternehmen da ist. Nicht nur die Suche nach neuen Arbeitgebern ist wichtig, sondern auch die Pflege von denen, die da sind. Ich bezweifle, dass das bei den beiden Unternehmen geschehen ist. Ich hätte sie gern in Sinzig gehalten.“

    III. Situation in den Ortsteilen: Die Hälfte der Sinziger wohnt in den Ortsteilen. Wie wollen Sie die Ortsteile unterstützen?

    Ruch: „Im Bereich Schulen und Kindertagesstätten ist mir von Mitarbeitern immer wieder angetragen worden, dass ihre Arbeit in Sinzig nicht genug wertgeschätzt würde. Oft ist es so, dass in diesem Bereich Dinge erst hochkochen müssen, um bekannt zu werden. Ein aktuelles Beispiel aus Westum: Fünf vor zwölf wird dort bekannt, dass die Schule eine Kindergartengruppe nicht mehr beherbergen kann, weil sie den Platz selber braucht. Das kann und darf so nicht passieren. Wenn diese Information im Rathaus anlandet, muss man früh den Ortsbeirat, den Ortsvorsteher, die Betroffenen und die Eltern informieren. So was kann nicht zwei Tage vor den Ferien in Westum als Bombe explodieren. Worauf ich immer wieder zurückkomme: Wir brauchen einen vernünftigen Plan.“

    Geron: „.Mir ist es wichtig, dass immer mehr ein Wir-Gefühl entsteht, und dass nicht die Argumentation erfolgt, die bekommen dieses, und wir nicht. Nicht Bad Bodendorf hat ein Freibad, wir haben ein Freibad. Nicht Westum bekommt einen Kunstrasenplatz, wir bekommen einen Kunstrasenplatz. Wir können nicht in allen Ortsteilen identische Infrastruktur finanzieren.

    Ich möchte regelmäßige Bürgermeistersprechstunden in den Ortsteilen durchführen, wo ich dann zu bestimmten Zeiten anwesend bin, um unmittelbarer Ansprechpartner zu sein. Ich möchte mich regelmäßig mit den Ortsvorstehern treffen. Und schließlich sollten im Stadtrat die Ortsbeiräte und deren Entscheidungen zumindest mehr wertgeschätzt werden.“

    Braun: „In allen Stadtteilen herrscht ein sehr reges Vereinsleben. Das Ehrenamt wird sehr hochgehalten, es sind sehr lebendige Stadtteile. Das ist etwas, was diese Stadt auszeichnet, und das möchte ich fördern.

    Die Stadt Sinzig hat einen ausgeglichenen Haushalt. Ich bin dafür, die Vereine und die Ortsbeiräte über einen auch künftig ausgeglichenen Haushalt zu fördern. Ich würde darüber nachdenken, dass den Ortsbeiräten ein kleines Budget zur eigenen Verwendung zur Verfügung gestellt wird. Das hat es früher mal gegeben, und das würde ich gerne wieder einführen. Ich habe die Erfahrung gemacht, dass Sprechstunden nicht so viel bringen. Ich würde mich als Bürgermeister bemühen, möglichst oft in allen Stadteilen anwesend zu sein, und wenn etwas los ist, für die Bürger ansprechbar zu sein.“

    Von unserem Redakteur Christian Koniecki

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