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    Romes: Ring-Demonstranten halten seriöse Bieter ab

    Hermann-Josef Romes hat 16 Jahre lang als Bürgermeister die Geschicke der Verbandsgemeinde Adenau gelenkt. Für 37 Gemeinden, rund 13 200 Einwohner und eine Fläche von 257 Quadratkilometern trug er Verantwortung.

    Hermann-Josef Romes erhält 2005 nicht nur 90,51 Prozent der abgegebenen Stimmen, sondern auch ein Glücksschwein. Die aktuellen Demonstrationen gegen den Ring-Verkauf hält er für wenig förderlich.
    Hermann-Josef Romes erhält 2005 nicht nur 90,51 Prozent der abgegebenen Stimmen, sondern auch ein Glücksschwein. Die aktuellen Demonstrationen gegen den Ring-Verkauf hält er für wenig förderlich.
    Foto: Vollrath

    Wenn Romes am 5. Februar verabschiedet und sein Nachfolger Guido Nisius ins Amt eingeführt wird, geht er mit einem lachenden und einem weinenden Auge in den Ruhestand: voller Freude über die neue Freiheit und ein wenig traurig, eine Aufgabe aufzugeben, die er vom ersten bis zum letzten Tag mit Freude gemacht hat. Die RZ sprach mit ihm über seine Amtszeit.

    Herr Romes, lässt sich Ihre Dienstzeit in die schönsten Momente und die dunkelsten Stunden gliedern?

    Schöne Momente gab es eine ganze Menge. Aber nicht in dem Sinne, dass ich es persönlich als gut oder schön empfunden habe. Endlich eine gesicherte Wasserversorgung flächendeckend anbieten zu können, das war gewiss ein Höhepunkt für die Verbandsgemeinde. Wer seinen Fokus auf Gewässerreinhaltung legt, der wird sagen: Wunderbar, wir haben vor einigen Jahren den Anschlussgrad bei der Abwasserbeseitigung zu 100 Prozent hinbekommen.

    Beim Gewerbepark am Nürburgring leuchten meine Augen. Ich kann mich noch daran erinnern, dass ich auf einer Holzpalette stand, als wir den ersten Spatenstich für die erste Unternehmensansiedlung gemacht haben. Und heute ist der Park fast gänzlich besiedelt. Das ist ein wunderbarer Moment, der sich über 16 Jahre hingezogen hat. Aber auch der Ahrsteig, die Rennrad- und Mountainbikearena sind die Krönung jahrelanger Verhandlungsarbeit mit unseren Räten und außerhalb der VG. Kooperationen sind anstrengend und zeitintensiv, wenn sie aber zum Erfolg führen, auch wunderbare Momente.

    Und was waren die weniger schönen Momente?

    Ganz klar: Die Diskussion über den Nürburgring. Die dauert noch an und wird uns auch noch eine Weile beschäftigen. Aber auch der Beschluss zur Schließung des Schwimmbades Badenova im VG-Rat ist so ein Moment. An so einem Abend geht man kein Bier mehr trinken. Da ist man betroffen, steht noch ein bisschen mit den Ratsmitgliedern nach der Sitzung zusammen und geht dann nach Hause. Doch nichts hat mich so betroffen und berührt wie der Tag, als ich erfahren habe, dass es Kindesmisshandlungen in der Kita Antweiler gegeben haben soll. Das hat mich mehr getroffen als jede andere negative Begebenheit während der vergangenen 16 Jahre und erfüllt mich mit großer Sorge.

    Ein großes Thema haben wir damit schon angesprochen. Beim Nürburgring können Sie nicht wirklich eingreifen, die Bürger Ihrer Verbandsgemeinde erleben aber unmittelbar die Folgen. Wie geht man damit um?

    Um unsere schwierige Lage zu verstehen, muss man zu den Anfängen zurückgehen. Anfang des neuen Jahrhunderts war es unser Wunsch, im neu aufzustellenden Landesentwicklungsprogramm eine Schwerpunktregion "Nürburgring" zu werden. Mit dem 2004 von Land, Kreis und Nürburgring vorgestellten ganzjährigen Freizeit- und Geschäftszentrum wähnten wir uns am Ziel. Zumal uns versichert wurde, dass das Projekt zu 100 Prozent privat finanziert wird. Das habe ich mir auch schriftlich geben lassen vom Land und vom damaligen Nürburgring-Geschäftsführer Walter Kafitz.

    Und keine dunkle Vorahnung, dass das in diesen Dimensionen nicht funktionieren konnte?

    Bei der Aufstellung der erforderlichen Flächennutzungs- und Bebauungspläne hatten wir selbstverständlich Zweifel, ob das Projekt in dieser Form umgesetzt wird. Aber wir waren überzeugt, uns kann ja nichts passieren, weil es ja privat finanziert wird. Und private Investoren würden auch Sorge dafür tragen, dass das Projekt marktfähig ist.

    Aber keiner kennt die Region so gut wie die Adenauer?

    Meine Herren, wir konnten doch damals nicht sagen, das wollen wir nicht, das kann nicht gut gehen. Wir hätten das in keinster Weise belegen können. Da kommen eine Landesregierung und ein Kreis Ahrweiler und sagen, wir wollen einen Ganzjahresbetrieb installieren. Und wir als örtliche Profiteure sagen Nein, obwohl es heißt, der Markt reguliert das? Da geht kein Kommunalpolitiker hin und sagt, wir machen da nicht mit. Im Nachhinein ist jeder schlauer. Doch damals mussten wir nach vorn schauen.

    Für uns war es eine Chance, noch mehr vom Ring zu profitieren und an Arbeitsplätze zu kommen. Ich werde einen Satz nie vergessen, den Hauptgeschäftsführer Walter Kafitz in einer öffentlichen Veranstaltung gesagt hat: "Wenn das Projekt am Markt seine Prüfung nicht besteht, findet es nicht statt." Das waren die generellen Aussagen.

    Und dann nahm das Schicksal seinen Lauf?

    Richtig. Es wurde mit dem Bau begonnen, obwohl diese Prüfung noch nicht abgeschlossen war. Wie und wann diese Entscheidung gefallen ist, bleibt im Nebel. Ab da, wo Beton gegossen wurde, hatten wir ein Problem. Die Unsicherheit und Kritik kam, wir hatten Zweifel. Bei weiteren notwendigen Bauleitplanänderungen standen wir vor der Frage, sollen wir diesen Bau jetzt beerdigen, sprich stoppen, oder machen wir mit. Kommen wir dem Wunsch des Nürburgrings nach? Das war ein Rennen mit der Zeit.

    Wir waren in einer Zwangslage. So hat sich die Situation fortgesetzt. Bis zur heutigen Zeit müssen wir uns fragen, wie verhalten wir uns. Uns bleibt immer nur die Möglichkeit, so gut wie möglich flankierende Leistungen zu erbringen, um das Schlimmste zu verhindern. Wir waren im ständigen Dialog – mit dem runden Tisch in Nürburg, mit den zuständigen Ministern Hering und Lewentz und schließlich auch mit der neuen Ministerpräsidentin Malu Dreyer.

    Wie bewerten Sie die Lage heute?

    Das Land hat sich vom Ring verabschiedet, das gesamte Land. SPD, FDP, Grüne und CDU. Ob die Ausschreibung rechtens ist, kann ich nicht beurteilen.

    Wer ist Ihr Wunschkandidat als Käufer des Nürburgrings?

    Zu Bewerbern äußere ich mich nicht, bis jemand den Zuschlag erhält. Das wird unser Hauptansprechpartner sein, da werde ich vorher kein Urteil fällen. Die Unsicherheit, die jetzt geschürt wird, hat auch was mit dem Bieterverfahren zu tun. Da sollen mögliche Investoren abgeschreckt werden, ein Angebot abzugeben. In einer solchen Gemengelage tun wir als Kommunalverband gut daran, uns mit Kommentaren zurückzuhalten.

    Wie bewerten Sie die Aktionen von "Ja zum Nürburgring", "Save the Ring" und "Wir sind der Nürburgring"?

    Sie sind dazu geeignet, seriöse Anbieter von einem Angebot abzuhalten.

    Diese Gruppen stellen sich gern als Volksbewegung dar. Ist es eine?

    Es ist keine Volksbewegung, es ist nicht die Region, die protestiert. Es sind viele Fans aus ganz Deutschland, aber es ist nicht die Region.

    Können Sie diese Leute nicht zur Ordnung rufen?

    Auf die Idee, diesen Leuten Einhalt zu gebieten, käme ich nicht im Ansatz. Wir leben in einer freien Gesellschaft, da darf jeder sagen, was er möchte. Letztlich sind das ja auch wertvolle Streiter für Region und Ring. Auch wenn da die Gefahr drinsteckt, dass sich die Leute vor einen Karren spannen lassen. Beispiel: Der ADAC ist ein Bieter, Otto Flimm ein honoriger Mann, aber auch ganz eng mit dem ADAC verbandelt. Ob da immer die Neutralität waltet, die erforderlich wäre, muss man punktuell infrage stellen.

    Das klingt nach einem sehr zwiespältigen Verhältnis zu den Demonstranten?

    Die Demonstranten kommen aus der alten Ring-Geschichte. Für sie war das nie eine neutrale Einrichtung mit Nutzung gegen Entgelt. Nein, diese Fans fürchten, durch den Verkauf ein Stück ihrer eigenen Identität zu verlieren.

    Sie haben mit dafür gesorgt, dass einzelne Veranstaltungen durchgeführt wurden. Sie betrachten den Ring als ein Stück Volkseigentum, an dem sie nach Kräften mitgewirkt haben, damit er funktioniert. Und wenn dieser von Herzen geliebte Nürburgring verkauft werden soll, kann ich diese Reaktion mehr als gut verstehen.

    Müssten Sie nicht dennoch Sprachrohr für die schweigende Mehrheit, sprich ihre Bürger sein?

    Ich habe die Dinge mehrfach dargestellt. Aber die will man einfach nicht hören. Man will nur diesen Verkauf verhindern, koste es, was es wolle. Mein Job ist es, über den Tag hinaus zu denken.

    War das Bürgermeisteramt eigentlich Ihr berufliches Ziel?

    Nie. Ich weiß noch, wie ich 1965 bei der damaligen Amtsverwaltung Adenau begonnen habe. Später war ich dann Büro leitender Beamter im Gesundheitsamt in Ahrweiler, und meine berufliche Karriere schien in eine ganz andere Richtung zu laufen. Über die Kommunal- und Parteipolitik war ich zwar in der VG engagiert, ans Bürgermeisteramt habe ich dabei aber nicht gedacht. Zum Kandidaten wurde ich quasi über Nacht – als mein Amtsvorgänger Peter Labonte überraschend erklärte, nach Lahnstein zu gehen. Das habe ich damals übrigens aus Ihrer Zeitung erfahren.

    Damals wurde ich von meinen Parteifreunden dann gefragt, ob ich das Amt übernehmen möchte. Und auch aus anderen Parteien heraus erhielt ich Zuspruch. Dann habe ich 14 Tage gebraucht. Letztlich war es die Chance, Dinge selbst in die Hand zu nehmen und zu gestalten, die mich bewogen hat, den Posten zu übernehmen.

    Die Verbandsgemeinde hat 37 Gemeinden und eine gigantische Fläche. Lässt sich da überhaupt ein Gefühl "Wir sind VG" entwickeln?

    Das ist uns über die agrarstrukturelle Entwicklungsplanung bis hin zu dem darauf aufbauenden Standortmarketingprozess gut gelungen. So konnten viele Bürger in regionale Entscheidungen ortsübergreifend eingebunden werden. In Spitzenzeiten haben mehr als 130 Leute mitgemacht. Das war der Brückenschlag Verbandsgemeinde weit. Auf der anderen Seite weiß ich, dass ich starke Gemeinden habe, die auch ihre Selbstständigkeit schätzen.

    Ein Problemfeld, das Ihren Nachfolger noch mehr beschäftigen wird, ist der demografische Wandel. Die größte Herausforderung für die VG?

    Ein Thema, bei dem man tief durchatmen muss, und eine Herausforderung, für die es kein Patentrezept gibt. Wir sind auf immer aufwärts nach dem Krieg gepolt worden – bis heute. Die Rolle rückwärts ist nicht organisiert. Deshalb muss noch mehr geistige Aufklärung betrieben werden. Den Menschen muss bewusst werden, dass es nicht so weitergehen kann wie bisher.

    Das heißt?

    Es werden in den kommenden Jahren weniger Menschen in unserer Heimat leben, die Menschen werden älter, wir werden weniger Kinder haben, mehr und ältere Rentner mit weniger Geld, das "Mittelfeld", die Menschen zwischen 30 und 60, werden mehr Vorsorge für ihr Alter betreiben müssen. Dagegen haben wir eine Infrastruktur unter anderem mit Straßen, Wasser- und Abwasserbeseitigung und Dorfgemeinschaftshäusern aufgebaut, die kostenintensiv unterhalten werden muss – das passt alles nicht zusammen.

    Ein Patentrezept erwarten wir nicht, aber haben Sie Lösungsansätze?

    Wir müssen uns fortan bei jeder Entscheidung die Frage stellen, welche Konsequenzen hat das mit Blick auf den demografischen Wandel. Mit dem kölschen Grundsatz "Et hätt noch immer jot jejange" kommen wir jedenfalls nicht weiter.

    Klingt doch recht allgemein?

    Es geht um umfassende Aufklärung, um Beteiligungsarbeit. Wir müssen Vorsorge treffen – beispielsweise bei der Feuerwehr. Beim Thema Baugebiete haben wir schon ziemlich rigoros die Außenbebauung eingeschränkt. Dagegen müssen die Dorfkerne gestärkt werden.

    Läuft diese Beteiligungsarbeit bereits?

    Die Ortsbürgermeister sind komplett in den gesamten Fragenkomplex eingebunden. Die listen derzeit auf, wo Häuser leer stehen, wo künftig welche leer stehen werden. Das ist eine wichtige Grundlage für die Fortschreibung des Flächennutzungsplanes.

    Vergangenes Jahr ist Ihnen die höchste Auszeichnung des Deutschen Feuerwehrverbandes, die "Deutsche Feuerwehr-Ehrenmedaille" verliehen worden. Wie viel liegt Ihnen an der Feuerwehr?

    Dass ich die Medaille verliehen bekommen habe, hat mich sehr überrascht. Ich habe ja nur meinen Job getan. Die Feuerwehr hat einen hohen Stellenwert. Nicht nur als Helfer in der Not, sondern auch für das gesellschaftliche Leben in den Ortsgemeinden.

    Der Tag X naht, Ihre Verabschiedung steht bevor. Welche Pläne haben Sie für ein beschauliches Pensionärsleben?

    Erst kommt die Familie, dann nochmals Familie, und dann Wandern, Radfahren, Motorradfahren und Lesen. Endlich mal das lesen, wo keine Paragrafen drinstehen.

    Das erste Buch liegt schon bereit?

    Es ist ein ganzer Stapel. Biografien von Politikern, Unterhaltung und Bücher, gespickt mit Lebensweisheiten in Versform.

    Ihre Hobbys Wandern und Radfahren sind auch die Säulen im Tourismuskonzept der Verbandsgemeinde. Da hat sich viel getan in den vergangenen Jahren.

    Eindeutig. Wir können es noch nicht an belegbaren Zahlen festmachen. Aber es gibt eine intensive Nachfrage nach unseren Angeboten. Nicht nur für den Ahrsteig, sondern auch unsere Themenwanderwege werden gut nachgefragt.

    Und die Topografie der Eifel reizt viele Radfahrer. Wir haben uns früher zu wenig um die Vermarktung gekümmert. Das ist viel besser geworden. "Rad und Run am Ring" ist übrigens auch eine Idee, die sich aus der Vermarktung der Mountainbike-Strecke um die Nordschleife in der früheren Kooperation von VG und Radsportclub Herschbroich ergeben hat.

    Wird Ihnen der Abschied schwerfallen?

    Mein Kalender ist bis zum letzten Tag gefüllt. Das Sortieren fängt mit dem ersten freien Tag an. Dafür mache ich meinen Job zu gern. Ich bin immer mit Freude zur Arbeit gegangen.

    Die Fragen stellten Uli Adams und Frieder Bluhm

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