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Bad Neuenahr

Rodi Hajis langer Weg zum Kulturbotschafter in der Jugendarbeit

3661 Kilometer trennen den 21-jährigen Rodi Haji Mohamed von seiner Heimatstadt Afrin in Syrien. Vor drei Jahren, mit dem Abitur und einer abgeschlossenen Ausbildung als Drehbankmechaniker in der Tasche, machte sich der junge Kurde auf den Weg nach Europa.

Foto: Selina Schürer

Heute ist er fest verankertes Mitglied in der Offenen Kinder- und Jugendarbeit (Okuja) in Bad Neuenahr. Nach acht Monaten Zwischenstopp in Griechenland kam er 2013 über den Seeweg, die Bahn und per Anhalter im Bistum Trier an, von wo aus man ihn in den Kreis Ahrweiler schickte. Ein Jahr bangte er, bis seinem Asylantrag stattgegeben wurde.

Daraufhin beginnt Rodi im September 2014 einen Sprachkurs. Zehn Monate lang büffelt er jeden Tag Grammatik, Aussprache und neue Vokabeln. Das Ergebnis kann sich sehen lassen. Im sogenannten "Gemeinsamen europäischen Referenzrahmen für Sprachen" erreichte er die Stufe B1. Mit der Sprache kamen auch die von Rodi so lang ersehnten sozialen Kontakte. Er verrät: "Die Deutschen sind scheuer, Kontakte zu knüpfen, als die Menschen in Syrien." Hochzeitsfeste mit bis zu 1000 Gästen und regelmäßige große Familientreffen seien dort keine Seltenheit. So zögerte der junge Mann nicht lange, als er eines Tages einen Brief von der Stadtverwaltung im Kasten hatte, die alle jungen Menschen der Stadt ins Okuja einlud. Mehrmals wöchentlich besucht er seitdem die öffentlichen Treffs im Mehrgenerationenhaus, auch beim "Mädchentreff" ist er ein gern gesehener Gast. Bei einem zweiwöchigen Praktikum im Rahmen seines Sprachkurses lernte er die Jugendarbeit im Okuja aus Mitarbeiterperspektive kennen. Im Frühjahr machte er mit anderen Jugendlichen eine Ausbildung zum Kulturbotschafter und dolmetschte jüngst bei der Ausstellung zur Ferienfreizeit "Kultur macht stark" in den Sprachen Kurdisch und Arabisch. Nebenbei arbeitet er Aushilfsweise als Koch, hält sich mit Sport fit und malt sich seine Zukunft aus.

Von seiner fernen Zukunft hat Rodi ganz klare Vorstellungen. Er möchte schnell eigenes Geld verdienen, um nach Kiel oder Hamburg zu ziehen. Denn das Meer fehlt ihm. An der deutschen See hat er bereits Bekannte aus seiner syrischen Heimat, die dort studieren. Nach Syrien zurückzukehren ist für den jungen Mann nur dann eine Option, wenn ausreichend Aus- und Weiterbildungsmöglichkeiten geschaffen sind und die Kurden keinerlei Angst mehr vor Verfolgung haben müssen. Rodi selbst ist der Überzeugung: "Bis dahin ist es noch ein weiter Weg."

Ein vages Bild hat er von der Herausforderung, die ihn in naher Zukunft erwartet. Der 21-Jährige beginnt an der Berufsbildenden Schule in Bad Neuenahr eine Ausbildung im Bereich Mediengestaltung. Sein syrisches Abitur und seine abgeschlossene Ausbildung als Drehbankmechaniker wurden in Deutschland lediglich als mittlere Reife anerkannt.

Noch einmal die Schulbank drücken zu müssen, ist für Rodi kein Problem. Einzig die Fachbegriffe machen ihm ein wenig Angst. Vorsichtshalber hat er sich deshalb gleich mehrere Übersetzer-Apps auf sein Smartphone geladen, die ihm schon häufiger aus Zwickmühlen des Alltags geholfen haben. Trotz Nervosität überwiegen für den jungen Mann aber Vorfreude und Spannung: "Ich freue mich darauf, viele neue Leute zu treffen und etwas Interessantes zu lernen."

Von unserer Mitarbeiterin Selina Schürer

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