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Kreis Ahrweiler

Resterampe Autobahn: Mehr wilde Müllkippen am Straßenrand

Autoreifen, Getränkedosen in Hülle und Fülle, randvolle Müllsäcke, Kanister und Behälter mit fragwürdigen Inhalten; daneben kaputte Batterien, Berge von Obstkisten, Elektroschrott und Massen an Sperrmüll – das ist nur eine gekürzte Musterkollektion von illegal entsorgtem Müll, den die Mitarbeiter der Autobahnmeisterei Mendig immer wieder auf den Parkplätzen, Rasthöfen, an den Fahrbahnrändern und im Böschungsbereich der Autobahnen finden. „Aber auch Waffen, Munition und Drogen sind dabei“, so Birgit Küppers vom Landesbetrieb Mobilität (LBM) auf RZ-Anfrage.

Foto: Horst Bach

Bei der Ursachenforschung hat der LBM eine Theorie.

„In Rheinland-Pfalz gibt es grundsätzlich ein stetig steigendes Müllproblem“, so die LBM-Sprecherin. Unterstützt werde der Anstieg mitunter auch durch neue Müllsatzungen von Städten und Kreisen. „Je nach Satzungsgestaltung verlagert sich das Müllaufkommen teilweise auf die Autobahnparkplätze“, ist sich Küppers sicher. Wilde Müllablagerungen entlang der Autobahnen im Kreis seien ein Dauerproblem. „Insbesondere in den vergangenen beiden Jahren haben wir ein erhöhtes Aufkommen von illegaler Müllentsorgung festgestellt“, so Küppers.

Und die enorme Arbeit für die Mitarbeiter der Autobahnmeisterei kann der LBM mit Zahlen belegen.

Bei der jährlichen Abfallentsorgung entlang den Strecken der A61, A571, A573 werden alleine nach dem Winter rund 123 Kubikmeter wilden Unrats entsorgt. Für die Beseitigung müssen die 36 Mitarbeiter der Autobahnmeisterei sogar Großgeräte einsetzen. „In der Regel erfolgt die Entsorgung, wenn nicht händisch, mit Hilfe eines Lkw-Kranwagens“, lässt die LBM-Sprecherin wissen.

Vor allem die Autobahn-Raststätten machen den Straßenwärtern viel Arbeit.

„Auf den Rastplätzen entsorgen wir jährlich circa 250 Tonnen Müll aus den Abfallbehältern und bei der manuellen Reinigung vor Ort“, weiß Küppers. Neben dem „normalen“ Müll – etwa weggeworfene Verpackungen – finden sich ganze Wohnungseinrichtungen, Kühlschränke, Bauschutt, Gartenabfälle, Sperrmüll und auch Hausmüll auf den Parkplätzen. „Hin und wieder werden auch Fahrzeuge und Wohnwagen illegal abgestellt“, berichtete die LBM-Mitarbeiterin.

Wohin geht’s dann mit dem eingesammelten Müll von der Autobahn?

„Der Betriebsdienst lagert den gesammelten Müll gebündelt im Gehöft der Autobahnmeisterei ab. Die Entsorgung erfolgt sodann über einen Entsorgungsfachbetrieb, der den Müll beim Abfallentsorgungszentrum Niederzissen aufgibt. Bei Problemmüll werden Sondermülldeponien angefahren.“

Wilder Müll kostet die Steuerzahler bares Geld.

Die Kosten für die Abfallentsorgung beziffert der LBM alleine für den Meistereibezirk Mendig auf rund 212.000 Euro. Auch der Kreis sitzt mit im Boot der Zahler: „Zusätzlich zu unseren Kosten entstehen Entsorgungskosten beim Kreis, der den durch uns eingesammelten illegalen Müll kostenfrei entsorgen muss“, erklärte die Sprecherin vom Landesbetrieb. Ohne Wenn und Aber: Zuständig für den Unrat an der Autobahn sei eigentlich jeder Müllsünder. Da dieser jedoch in den meisten Fällen nicht ermittelbar ist, wird der aufgefundene Abfall vom Betriebsdienstpersonal unter anderem auch auf Adressen und Dokumente durchsucht. „Wenn in Frage kommende Verdächtige ausfindig gemacht werden können, wird Anzeige bei der Polizei erstattet.“ Vereinzelt würde man auch von Autofahrern informiert, die auf Rastanlagen illegale Müllentsorgungen beobachten. Ganz selten wird jemand „auf frischer Tat ertappt“, so der LBM.

Anfang 2018 dann aber doch: „Er wollte nach Betanken seines Fahrzeuges seinen Kanister mit Dieselresten auf dem Parkplatz ablegen. Auf sein Tun angesprochen, zeigte er aber keine Einsicht. Daraufhin wurde die Polizei alarmiert, die sich dann der Sache angenommen hat“, so Birgit Küppers.

Der Meistereibezirk Mendig kennt die Hotspots rund um die Autobahnen im Kreis, an denen besonders viel Müll wild und ungehemmt entsorgt wird.

Ganz vorne an stehen für den LBM Unterführungsbauwerke, Parkplätze bei Dunkelheit und Wirtschaftswege. „Hier herrscht nachts ein geringeres Verkehrsaufkommen. Dies erschwert die Ermittlung der Verursacher“.

Gibt‘s einen Lösungsansatz für den Mülltourismus? Kurzum: „Die Erziehung der Mitmenschen ist nicht Aufgabe der Straßenbaubehörde“, befand Küppers.

Wie hoch ist eigentlich der Zeitaufwand für die Mitarbeiter der Autobahnmeisterei Mendig, die aufgefundenen Abfälle zu entsorgen?

„Bei einem illegal abgestellten Wohnwagen dauerte es bis zu zwölf Wochen, wobei eine nicht unerhebliche Zeit mit der Zuständigkeitsregelung, Baulastträger, Landkreis und Polizei, einhergeht“. Liegen keine Hinweise auf den Mülltäter vor, wird der Abfall direkt aufgenommen und entsorgt. In der Regel dauert das ein bis zwei Tage.

Stellt der Landesbetrieb Mobilität in Rheinland-Pfalz eine Zunahme von illegal abgelagerten Abfällen fest?

Die illegale Müllentsorgung auf Parkplätzen oder im Straßenseitenraum bewegt sich seit Jahren auf konstant hohem Niveau. Eine Verschärfung der Situation kann man nicht direkt feststellen, es ist vielmehr von jahreszeitlichen Spitzen auszugehen. Insbesondere im Frühjahr, wenn Haus und Hof aufgeräumt oder wenn bei der Gartenarbeit Abfälle anfallen, findet sich ein großer Teil dieser Abfälle im Straßenseitenraum oder auf den Parkplätzen wieder. Auch die illegale Entsorgung von Bauschutt, Sperrmüll oder Hausmüll ist an der Tagesordnung. Allein von den Straßenrändern im Land sammeln die Straßenwärter des LBM pro Jahr rund 5500 Tonnen Müll – das entsprich etwa 550 Müllwagenladungen. In den vergangenen Jahren kamen für diese Arbeiten Kosten von rund 1,8 Millionen Euro zusammen. Nur etwa halb so viel Müll, nämlich 2750 Tonnen, werden dagegen jährlich in die vorgesehenen Abfallbehälter an den Straßen geworfen.

Wie versucht der Landesbetrieb Mobilität, die illegalen Abfallentsorgungen zu reduzieren?

Die Straßenmeistereien kontrollieren die Parkplätze im Rahmen der täglichen Streckenkontrollen. Zudem werden die Anlagen regelmäßig gereinigt. Hiermit wird versucht, die Hemmschwelle für das verbotene Abladen von Müll anzuheben. Außerdem wurden in den vergangenen Jahren viele Parkplatzanlagen von Bewuchs freigestellt, damit die Parkplätze besser einzusehen sind und eine „soziale“ Kontrolle greifen kann. Jeder, der illegale Müll entsorgt und ermittelt werden kann, wird angezeigt und einer strafrechtlichen beziehungsweise ordnungswidrigkeitsrechtlichen Verfolgung zugeführt.

Von unserem Mitarbeiter Horst Bach

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