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    Restauratoren geben im Sinziger Schloss den Ton an

    Heiratswillige Pärchen müssen sich noch bis mindestens Oktober gedulden, wenn sie sich im Trauzimmer des Sinziger Schlosses das Ja-Wort geben möchten. Geheiratet wird zurzeit in einer Ecke des benachbarten Sitzungssaals. Denn die im Juni begonnenen umfangreichen Arbeiten zur Sanierung der Kassettendecke im Vorraum des Trauzimmers sind im vollen Gange.

    Anna Kronenwirth ist eine der Restauratoren, die sich der Kassettendecke im Schloss annehmen. Bauamtsleiter Marco Schreiner (Zweiter von rechts) und Architekt Jürgen Heyer überzeugen sich von der qualitätsvollen Arbeit.
    Anna Kronenwirth ist eine der Restauratoren, die sich der Kassettendecke im Schloss annehmen. Bauamtsleiter Marco Schreiner (Zweiter von rechts) und Architekt Jürgen Heyer überzeugen sich von der qualitätsvollen Arbeit.
    Foto: Judith Schumacher

    Das Hauptaugenmerk der vier Restauratoren der Firma Lawen aus Briedel an der Mosel liegt derzeit auf der Sicherung und Wiederherstellung von Stuck und Dekoren, die laut Anna Kronenwirth am sprichwörtlichen seidenen Fädchen hängen. Nicht wenig sei schon von der Decke gebröselt. Durch Silikonabformungen, die mit Gips ausgegossen wurden, haben die Restauratoren die Lücken wieder geschlossen.

    Beim Reinigen der Kassettenumrahmungen haben sie als schöne Überraschung florale Bemalungen der Balken freigelegt. Nach dem Reinigen der bauzeitlichen Dekormalerei wurde diese mit sogenannten Wischabschwämmen getrocknet. Die Malereien der Kassettendecke weisen an vielen Stellen abblätternde Farbe auf. Ihr Schöpfer Carl Christian Andreae (1823-1904) hatte sie auf Papier mit Öl-Tempera-Farbe gemalt. „Die Decke wurde durch einen alten Wasserschaden, dessen Ursache unbekannt ist, in Mitleidenschaft gezogen“, erklärt Architekt Jürgen Heyer aus Gappenach. „In manchen Bereichen sieht man sehr deutlich, dass hier plumpe Ergänzungen vorgenommen wurden“, sagt Anna Kronenwirth.

    Gemeinsam mit ihrer Kollegin Kathrin Brinkmann steht sie auf Gerüsten, die das Arbeiten direkt unter der Decke ermöglichen. Mit dem Skalpell nehmen sie vorsichtig Übermalungen hinunter, versehen abblätternde und lose Malschichten mit einem reversiblen Festigungsmittel und sichern die bearbeiteten Stellen mit Japanpapier. Auch gilt es, Hohlräume zu füllen, Risse zu schließen und Fehlstellen zu retuschieren. „Die Arbeit hier macht großen Spaß, die Atmosphäre hier ist einmalig“, sagt Anna Kronenwirth. Bis zu neun Stunden täglich arbeitet das Team im Schloss, in dem es noch viel zu entdecken gibt.

    Da im Zuge der Sanierung, die zwischen 80.000 und 90.000 Euro kosten soll, auch die Elektrik neu verlegt wird, haben die Restauratoren auch die Wände von ihren Tapeten befreit, um sicherzustellen, dass bei einer Verlegung der Kabel in die Wände kein wertvolles Kulturgut verloren geht. Doch an den Wänden in diesem Raum wurde nichts Außergewöhnliches entdeckt. Ganz im Gegensatz zu den freigelegten Schnitten im Sitzungsraum nebenan: Hier legten die Experten durch stichprobenartige Schnitte wertvolle Freskenmalereien frei, die sehr vielversprechend aussehen.

    Das gesamte Schloss ist mit seiner Geschichte eine Dauerbaustelle, deren Schätze nur nach und nach gehoben werden können, wie Bauamtsleiter Marco Schreiner bestätigt. „Auch bei der Elektrik arbeiten wir uns allmählich vom Erdgeschoss bis ganz nach oben“, so der Bauamtsleiter. Für diesen ersten Bauabschnitt der Kassettendecke, der in enger Abstimmung mit der Generaldirektion Kulturelles Erbe (GdKE) in Mainz und der Unteren Denkmalpflegebehörde geschieht, gibt es keine Zuschüsse.

    Die Dr. Oetker-Stiftung gab allerdings laut Schreiner 30.000 Euro hinzu. Für den weiteren Abschnitt, bei dem die Holzvertäfelung des Raumes saniert werden soll, müsse nach einer entsprechenden Entscheidung im Stadtrat ein Zuschussantrag bei der GdKE gestellt werden. Architekt Heyer hat für die Sanierung des gesamten Schlosses ein stufenweises Konzept erarbeitet. „Wären Wände, Türen und Böden wieder in dem Urzustand, wäre dann die Fassade dran“, so der Bauamtsleiter. In dem Gemäuer von Sinzigs „guter Stube“ wartet also noch viel Arbeit, die es auch zu finanzieren gilt.

    Von unserer Mitarbeiterin Judith Schumacher

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