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Rech

Rech ist der Geheimtipp an der Ahr (34)

Ein Hauch von Hollywood weht durch Rech. Allerdings nur, wenn man in die Weinberge hochschaut und dabei den Schriftzug "Weindorf Rech" erblickt, der frappierend an das Wahrzeichen der Filmmetropole in den Bergen von Hollywood erinnert. Ansonsten hat Rech so gar nichts von einer Großstadt – zum Glück. Beschaulich liegt es da, am Fuße der Saffenburg zwischen den großen Weinbaugemeinden Mayschoß und Dernau.

Von unserer Mitarbeiterin Petra Ochs

Unter geht das Dorf deswegen aber noch lange nicht: Gerade erst hat Rech den zweiten Platz beim Kreisentscheid des Wettbewerbs "Unser Dorf hat Zukunft" belegt und dabei vor allem mit der hohen Dichte an alten Gebäuden, die teilweise hervorragend saniert wurden, gepunktet. Die Dorftradition werde in Form von überregional bekannten Festen gelebt, lobte die Jury. Dass in der Kinder- und Jugendgruppe 35 Jugendliche mitmachen, zeige zudem, dass Rech den demografischen Wandel im Griff habe. Wenig Leerstand im Dorf bestätigt diesen Eindruck. Und das Vereinsleben ist rege: Es gibt den Heimat- und Verkehrsverein, einen Junggesellenverein, die Damenriege und eine Freiwillige Feuerwehr.

"Es ist ein kleiner, aber feiner Ort", formuliert Rechs Ortsbürgermeister Hans Dieter Kutscher. Und ein Geheimtipp für Ahrtalbesucher, die zwar das besondere Flair eines Weinorts und seiner Feste, aber keine überlaufenen Veranstaltungen suchen. "Hier geht es noch familiär und dörflich zu, gerade bei den Veranstaltungen", meint Kutscher, "und das würde ich ganz gerne so beibehalten." Besondere Anziehungspunkte sind das Weinfest am dritten September-Wochenende und der Lucia-Markt als Weihnachtsmarkt der etwas anderen Art. "Dann gibt es hier mehr Gäste als Einwohner", erzählt Kutscher. Der Andrang ist so groß, dass die Bahn sogar Sonderzüge einsetzt.

Kein Wunder, denn zum Lucia-Markt am zweiten Adventswochenende zieht Romantik in Rech ein: In den Höfen, Schuppen und Gewölbekellern des Weinorts sorgen Lichter und Kerzen für eine heimelige Atmosphäre. Kulinarisch lockt der Markt mit Ahrtaler Schnibbelchen, Reibekuchen, Erbsensuppe und Schmalzbroten, und in den Buden in der Brückenstraße, Bärenbachstraße und Nollstraße werden Weihnachtsgebäck und Brot, Gestricktes, Marmeladen, Wurst, Käse, Öl und Oliven sowie Schmuck, Gestecke und Dekorationsartikel angeboten.

Namensgeberin des Marktes ist St. Lucia von Syrakus, der eine kleine Kapelle an der Stelle der heutigen Kirche geweiht war. Zu verdanken hat der Ort den Markt auch der Tatsache, dass Graf Philipp von Virneburg, Herr auf der Saffenburg, dem Ort im Mittelalter die Marktrechte verlieh. Eine große Rolle spielte auch der inzwischen verstorbene Bernhard Hostert. Denn in seiner Funktion als Vorsitzender des Heimat- und Verkehrsvereins Weindorf Rech hat er 1990 den Lucia-Markt in seiner heutigen Form wieder ins Leben gerufen. Hostert war es auch, der die schwedische Lichterkönigin Lucia nach Rech holte, die seitdem zum Lucia-Markt bei Einbruch der Dunkelheit mit ihrer Krone aus brennenden Kerzen das Licht in die Gassen des Winzerdorfs bringt.

Die alten Bauwerke in Rech, darunter die Nepomukbrücke, die Pfarrkirche St. Lucia und Agatha, das Alte Winzerhaus aus dem 17. Jahrhundert sowie weitere Fachwerkbauten sind der große Schatz der Gemeinde, die im Gegensatz zu anderen Orten nicht so sehr von der "Landflucht" betroffen ist. Viele junge Familien wohnen in Rech, erzählt Bürgermeister Kutscher.

Infrastrukturell ist das 600-Einwohner-Dorf aber nicht ganz so gut aufgestellt: Für Schule und Kindergarten müssen die Recher in die Nachbarorte fahren. Und auch das Einkaufen gestaltet sich etwas schwieriger, seitdem die Bäckerei der Gebrüder Niethen, die für ihre alljährliche Internationale Krippenausstellung bekannt sind, geschlossen hat. Zweimal in der Woche kommt ein Lebensmittelwagen in den Ort, und auch ein Bäckerwagen fährt durch. "Die Grundversorgung für die älteren Leute ist damit sichergestellt", so Kutscher.

Dafür gibt es viele Wein-, Hotel- und Gastronomiebetriebe. Kein Zweifel: Rech lebt vom Tourismus. Weinfreunde, Wanderer und seit Fertigstellung der neuen Radbrücke in Laach auch immer mehr Radfahrer kommen gerne in den Ort, der auch einen Wohnmobilhafen zu bieten hat. Aushängeschild in Sachen Wein ist das Weingut Jean Stodden. Daneben gibt es einige weitere große und kleine Weinbaubetriebe. Mit Stolz erfüllt es die Recher, dass viele ihrer Winzer ihre Weine noch selbst keltern, sodass der Gast vielfältige Weine aus den Weinlagen Recher Blume, Recher Hardtberg und Recher Herrenberg erleben kann.

Was die finanzielle Situation der Gemeinde angeht, sieht es nicht ganz so rosig aus. "Die Kosten übersteigen in der Regel die Einnahmen", klagt der Ortsbürgermeister. Alleine die Verbandsgemeinde- und die Kreisumlage fressen 90 Prozent der Einnahmen weg. Trotzdem muss die Gemeinde für nötige Maßnahmen immer wieder viel Geld in die Hand nehmen, in jüngsten Jahren vor allem für Kanal- und Straßenbauarbeiten sowie für die Sanierung der Nepomukbrücke und der Herrenbergbrücke. So haben sich im Laufe der Zeit Schulden von knapp zwei Millionen Euro angesammelt. "Wir wissen nicht, wie wir von diesem Schuldenberg herunterkommen sollen", so Kutscher. Zumal neue Investitionen ins Haus stehen: Das alte Wasserhaus braucht dringend ein neues Dach, der Spielplatz ist in die Jahre gekommen, und am Bürgerhaus muss etwas getan werden.

Weitere Infos gibt es im Internet unter www.weinort-rech.de

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