40.000
  • Startseite
  • » Region
  • » Aus den Lokalredaktionen
  • » RZ Ahrweiler
  • » Petras Lädchen: Kraftort für starke Frauen
  • Aus unserem Archiv
    Kreisstadt

    Petras Lädchen: Kraftort für starke Frauen

    Petras Lädchen feiert 40. Geburtstag: Am Anfang stand eine für Bad Neuenahr-Ahrweiler revolutionäre Idee: Frauen forderten einen Kinderhort für die Kreisstadt.

    Foto: Hans-Jürgen Vol

    Die Welt im Kreis Ahrweiler tickte noch anders, als 1978 Frauen für die Einrichtung eines Kinderhorts in Bad Neuenahr-Ahrweiler demonstrierten. Männer waren stolz darauf, dass ihre Frau nicht arbeiten gehen musste. Alleinerziehende gab es in der heilen Welt der Kurstadt offiziell so gut wie keine. „Wir wussten, dass es anders ist. Wir galten als Exoten, wurden beschimpft“, erinnert sich Petra Elsner an die Pionierzeiten der Arbeitsgemeinschaft sozialdemokratischer Frauen (AsF). Keimzelle des weiblichen Aufbruchs: Petras Lädchen, 1977 eröffnet, um mit dem Verkauf von gebrauchten Kleidern Geld für einen Hort zu verdienen. Heute ist das Lädchen in der Jesuitenstraße ein allseits geschätzter sozialer Leuchtturm, der Randgruppen und Minderheiten Hilfe bietet. Er hat die Stadt an Menschlichkeit reicher gemacht. Am 26. August wird nun der 40. Geburtstag von Petras Lädchen gefeiert.

    40 Jahre, in denen vieles geschafft wurde, was die Frauen sich vorgenommen hatten. Bis zum Jahr 1985 sollte es allerdings dauern, bis die erste Ganztagsgruppe im evangelischen Kindergarten eröffnet und finanziell von Petras Lädchen unterstützt wurde. Bis dahin hatte sich aus der Gruppe von drei Frauen, Renate Vollrath, Ulrike Habermann und Petra Elsner, die mit der Forderung nach einem Hort Schlagzeilen machten, eine starke Bewegung entwickelt. „Es gab kein politisches Thema, das wir nicht beackert haben“, so die Lädchen-Frau Renate Schmitt. „Es war damals eine Aufbruchstimmung unter Frauen zu spüren. Sie wollten sich engagieren. Die wenigsten waren berufstätig.“ Petras Lädchen ist mit seiner AsF zur Institution geworden, die vieles angestoßen hat, was heute selbstverständlich ist. 1993 hieß es noch: kein Frauenhaus im Kreis Ahrweiler. Mitglieder der AsF übergaben 200 Unterschriften pro Frauenhaus an Landrat Joachim Weiler. 1995 wurde in Bad Breisig das Frauenhaus vom Verein Frauen für Frauen gegründet. Es ist bis heute auf die finanzielle Unterstützung von Petras Lädchen angewiesen. Alle Einnahmen aus den gespendeten Waren des Lädchens werden nach Abzug der festen Kosten an gemeinnützige Organisationen gespendet. In den 40 Jahren waren es über 400.000 Euro. „Wir haben manchmal mehr gespendet als Zuschüsse vom Land kamen“, so Elsner. Auch die Flüchtlingshilfe wird vom Lädchen unterstützt, in dessen Räumen es um mehr geht als um den Verkauf von Waren. Hier finden Menschen in Not Ansprache, bekommen Hilfe und guten Rat.

    Mit ihrem Projekt sind auch die Lädchenfrauen älter geworden, inzwischen 60plus, und halten Ausschau nach Nachwuchs. Doch wie bei allen auf ehrenamtliches Engagement angewiesenen Institutionen ist es schwer, Nachfolger zu finden. „Die meisten jungen Frauen müssen heute berufstätig sein, haben viele Verpflichtungen und wenig Zeit“, erklärt Schmitt. In Frage komme auch nicht jeder für die Arbeit im Lädchen. „Es ist körperlich anstrengend. Da kommen Säcke und Kartons an, manchmal 20 am Tag, und alles muss sortiert werden. Das größte Problem: Manchmal werden wir als Müllcontainer benutzt. Vor drei Wochen sind hier verunreinigte Matratzen abgestellt worden, die wir teuer entsorgen mussten“, so Schmitt. Viele Flüchtlinge decken sich heute im Lädchen ein. Gebraucht werden praktische Dinge wie Bettwäsche, Geschirr, Töpfe, aber auch Bekleidung und Schuhe, vor allem für Kinder. Die Flüchtlinge gehören seit 2015 zu den Stammkunden. machen. Die Lädchenfrauen haben das Grundgesetz in Arabisch und Deutsch verteilt, helfen bei der Suche nach Wohnungen und Jobs. „Manchmal wollen die Kunden um die Ware feilschen. Doch da müssen wir konsequent bleiben. Es gibt einen festen Preis für jedes Teil“, sagt Uschi Weinand, seit 17 Jahren bei den Lädchenfrauen und verantwortlich für das immer wieder neu dekorierte Schaufenster neben der Luxusboutique in der Jesuitenstraße. Uschi Weinand liebt die Arbeit hier mit ihren zwischenmenschlichen Begegnungen: „Davon nimmt man immer etwas Positives mit. Es ist ein Erlebnis.“

    Von der Nachfrage her könne man noch zwei Filialen aufmachen, so Elsner. Doch sie weiß, dass das ehrenamtliche Personal begrenzt ist. „Wenn drei Viertel der zurzeit 25 Frauen abspringen sollten, dann wird es ernst.“

    Der Lädchengeburtstag wird am 26. August um 11 Uhr im Ringhotel Giffels Goldener Anker in Bad Neuenahr gefeiert. Zum 40. Jubiläum wird als Ehrengast die Arbeitsministerin Andrea Nahles erwartet.

    Von unserer Redakteurin
    Beate Au

    K103-Petras Lädchen BZ_k

    Die Idee Petras Lädchen (oben ein Foto aus dem Jahr 1986) hat sich zur sozialen Institution entwickelt, die von Frauen wie Petra Elsner, Uschi Weinand und Renate Schmitt (von links, Foto unten links) getragen wird.

    1982 nahmen Renate Vollrath (links) und Petra Elsner von Willy Brandt den Wilhelm-Dröscher-Preis entgegen.

    Bad Neuenahr-Ahrweiler
    Meistgelesene Artikel
    Anzeige
    Online regional
    Nina Borowski

    Nina Borowski

    Regio-CvD Online

     

    Mail

    Anzeige
    Anzeige
    epaper-startseite
    Regionalwetter Bad Neuenahr-Ahrweiler
    Montag

    10°C - 13°C
    Dienstag

    13°C - 15°C
    Mittwoch

    12°C - 19°C
    Donnerstag

    12°C - 18°C
    News aus Ihrer Region - Lokalteil wählen
    wissenlinz,neuwiedremagenmontabaurandernach,mayenkoblenzdiezbademszellsimmernbirkenfeldkirn,badsobernheim,meisenheimbadkreuznach