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Müsch

Müsch: Das Dorf der Gewässer und Brücken

Als „Dorf der Brücken" ist Müsch bekannt. Fünf Brücken sind es insgesamt. Und die hat das Dorf dem Umstand zu verdanken, dass es gleich an zwei Fließgewässern liegt: an der Ahr und ihrem direkten Zufluss, dem Trierbach.

In Eigenleistung haben die Müscher ihren Spielplatz neu aufgebaut.
In Eigenleistung haben die Müscher ihren Spielplatz neu aufgebaut.

Von unserer Mitarbeiterin Petra Ochs

Diese Konstellation bringt für Müsch aber auch eine nicht zu unterschätzende Hochwasserproblematik mit sich. In die Annalen eingegangen sind besonders zwei Hochwässer: Vier Einwohner von Müsch ertranken am 21. Juli 1804 in den Fluten, die ein Sommergewitter ausgelöst hatte. Die Hochwasserkatastrophe von 1910 war noch drastischer: Von Müsch ahrabwärts rissen die Flutwellen von Trierbach und Ahr ganze Baubuden, Holzgerüste, Baumaterial und Kantinen der damals noch im Bau befindlichen Ahrtalbahn mit sich.

An gleich zwei fließenden Gewässern liegt die Gemeinde Müsch in der Verbandsgemeinde Adenau: natürlich an der Ahr (Foto), aber auch an dem kleinen Trierbach.
An gleich zwei fließenden Gewässern liegt die Gemeinde Müsch in der Verbandsgemeinde Adenau: natürlich an der Ahr (Foto), aber auch an dem kleinen Trierbach.
Foto: Petra Ochs

Viele Bahnarbeiter kamen ums Leben, und vom aufgestauten Bauholz wurden unter anderem die Ahrbrücken in Antweiler, Fuchshofen, Schuld und Insul zerstört. Auch die Trierbachbrücke bei Müsch überstand das Hochwasser nicht. Flüsse ganz anderer Art, nämlich Verkehrsflüsse, machen der Gemeinde heute zu schaffen: Mitten durch Müsch, parallel zum Trierbach, verläuft die viel befahrene B 258. Ein Zebrastreifen verbindet die beiden Ortsteile miteinander. „Den würden wir heute nicht mehr bekommen", sagt Ortsbürgermeister Matthias Schüller. Doch eigentlich ist Müsch sogar dreigeteilt: Denn an der Ahr entlang führt auf der anderen Seite auch die L 73 durch den Ort. Hier ist auch die Lachsräucherei Sion zu finden, die sechs Mitarbeiter zählt und weit über die Ortsgrenzen hinaus bekannt ist.

Als „Dorf der Brücken“ ist Müsch bekannt. Wichtige Pfeiler in der kleinen Ortschaft an der Ahr ist auch der Hofladen Leif.
Als „Dorf der Brücken“ ist Müsch bekannt. Wichtige Pfeiler in der kleinen Ortschaft an der Ahr ist auch der Hofladen Leif.

Dreimal in der Woche wird hier frischer Fisch angeliefert. Der Lachs, der geräuchert wird, kommt aus Norwegen. Die Veranstaltungen rund um Fisch und der Mittagstisch der Lachsräucherei, die sich als Genusstreffpunkt in der Eifel präsentiert, sind inzwischen so beliebt, dass ohne vorherige Reservierung kaum was geht. Für Genüsse anderer Art ist der Hofladen Leif bekannt. Hier gibt es Rindfleisch aus eigener Aufzucht und Schlachterei, dazu heimisches Wild und Grundnahrungsmittel. Ein Verkaufswagen, eine weitere Metzgereifiliale in Wershofen, Mittagstisch für Senioren und ein Partyservice sind weitere Standbeine des Betriebs, der 17 Mitarbeiter hat. Etliche Handwerksbetriebe sind weitere Arbeitgeber im Dorf. Die Wände der zum Müscher Gemeindehaus umgebauten Alten Schule schmücken Urkunden über die erfolgreiche Teilnahme am Landeswettbewerb „Unser Dorf hat Zukunft" und zum Stiftungsjubiläum des Bürgervereins, der sich 1911 zur Unterstützung von Witwen und Waisen formiert hat und seitdem vor allem für die geselligen Veranstaltungen im Dorf Sorge trägt. Kirmes, Dreck-weg-Tag, St. Martin: Ohne den Bürgerverein wäre all das nicht denkbar.

Die Lachsräucherei Sion im Dorf.
Die Lachsräucherei Sion im Dorf.

Auch Müschs Auftritt als gastfreundliches Dorf beim alljährlichen Raderlebnistag „Tour de Ahrtal", der diesen Sonntag erneut stattfindet, organisiert der Bürgerverein. Apropos Radfahrer: Für die gibt es eine besondere Attraktion am Ahr-Radweg: In eine Stützmauer der ehemaligen Bahnstrecke haben die Müscher Heinz Angel und Leo Glinde eine Steinsammlung eingepasst. „Boxenstop" nennt sich die ungewöhnliche Rastmöglichkeit mit Nachhilfe in Sachen Geologie. Viel Engagement haben auch die Mitglieder des Spielplatzfördervereins bewiesen: Mithilfe vieler Spender ist es gelungen, innerhalb von zwei Jahren einen neuen Spielplatz auf die große Wiese unweit der Ahr zu setzen. 28.000 Euro kostete das soeben fertiggestellte Projekt. „Aus der Gemeindekasse bekommen wir so was nicht geschultert", betont Ortschef Schüller.

Gut 200 Einwohner zählt das Dorf, dazu kommen noch Nebenwohnsitze. Der demografische Wandel macht auch Müsch zu schaffen, doch die Gemeinde ist sehr darum bemüht, keinen Gebäudeleerstand zu haben. Dies gelingt aber nicht immer. Zur Attraktivitätssteigerung trägt auch nicht unbedingt bei, dass es in Müsch noch kein schnelles Internet gibt. Fünf bis zehn Megabit pro Sekunde reichen einfach nicht, beklagt Schüller. Mit einer Einschränkung: Sie reichen sehr wohl dafür aus, dass Müsch nicht an die Fördertöpfe für schnelles Internet herankomme. Deshalb gibt es im Dorf Überlegungen, auf eigene Faust nach einer Lösung zu suchen.

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