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    Kreis AhrweilerMitarbeiter gesucht: Telefonseelsorge in Not

    Immer mehr Anrufer auf der einen Seite und immer weniger Menschen, die am anderen Ende der Leitung Dienst als Ersthelfer tun. Die Telefonseelsorge im Kreis Ahrweiler arbeitet seit Monaten am Limit.

    Gesichter der Telefonseelsorge: Maria Magdalena Saltzmann (links) und Anita Bröcher.  Foto: Gabi Geller
    Gesichter der Telefonseelsorge: Maria Magdalena Saltzmann (links) und Anita Bröcher.
    Foto: Gabi Geller

    „Wir brauchen dringend Menschen, die sich für den Dienst am Telefon ausbilden lassen“, appellierte die Vorsitzende Maria Magdalena Saltzmann im Rahmen eines Gottesdienstes mit Benefizkonzert des Gospel Chors in der evangelischen Martin Luther Kirche Bad Neuenahr.

    Hier nutzte sie die Gelegenheit und stellte die alltägliche Arbeit der Telefonseelsorger vor. Unter anderem auch anhand einiger Gesprächsprotokolle. Im Jahre 2015 zählte die Dienststelle Bad Neuenahr-Ahrweiler 16.000 Anrufe. Mit zurzeit 60 ehrenamtlichen Mitarbeitern ist eine 24-Stunden-Besetzung des Telefons nicht möglich. Daher arbeitet man mit den Dienststellen in Krefeld, Aachen und Düren zusammen.

    Die Arbeit der Telefonseelsorge wird allgemein geschätzt. Der Kreis unterstützt den Verein mit einer jährlichen Zuwendung von 11.000 Euro und auch die Kirchenbesucher spendeten an diesem Tag großzügig. Neben Geld braucht die Organisation aber vor allem weitere Mitarbeiter die den Dienst am Telefon übernehmen. Diesem anspruchsvollen Ehrenamt sind allerdings beachtliche Hürden vorgeschaltet. Ans Telefon darf ein Ehrenamtler erst nach einer umfassenden Ausbildung. Die dauert ein Jahr und umfasst 90 Unterrichtsstunden, danach wird erst einmal hospitiert und erste Gespräche werden von erfahrenen Kräften begleitet.

    Es sind hohe Standards, die sich die Telefonseelsorge als bundesweite Organisation auferlegt hat. Wäre es nicht einfacher, die vorbereitende Ausbildung abzukürzen, nicht so aufwendig zu gestalten und so vielleicht mehr Menschen zur Mitarbeit zu gewinnen? Von Anita Bröcher gibt es dazu ein klares „Nein“. Im Januar gab die 66-Jährige den langjährigen Vereinsvorsitz an ihre Nachfolgerin Saltzmann ab. Bröcher hat selber viele Jahre Dienst am Telefon getan und stellt fest: „Die aufwendige und langwierige Ausbildung ist notwendig und die hohen Standards für die Arbeit am Telefon sind nicht verhandelbar.“ Bröcher weiß es aus eigener Erfahrung.

    Häufig vorkommende Standardsituationen sind das Alltagsgeschäft der Telefonseelsorger. Nach Abschluss der langen Ausbildung hat man gelernt, damit umzugehen und ein ebenso einfühlsames wie professionelles Gespräch zu führen. Aber man muss auch gewappnet sein für die Anrufe, die nicht ins Standardschema passen. „Wir nennen sie Schockanrufe“, erklärt Bröcher. Mit solchen Telefonaten muss man umgehen können. Es sind nicht nur die Menschen, die ihrem Leben hier und jetzt ein Ende bereiten wollen. „Stellen Sie sich vor, jemand erzählt Ihnen, dass er sein dreijähriges Mädchen in der Wohnung hat und entsprechende sexuelle Gelüste ….“ Anita Bröcher muss nicht viel mehr erzählen, um dem Außenstehenden klarzumachen, dass eine solide Ausbildung und eine ebenso intensive und regelmäßige Weiterbildung in Sachen Gesprächsführung und Selbstschutz, der Erfahrungsaustausch der Telefonseelsorger untereinander und die professionelle Nachbereitung der Telefonate auch für erfahrene Kräfte am Telefon unerlässlich sind.

    Von unserer Mitarbeiterin Gabi Geller

    Anita Bröcher und Maria Magdalena Saltzmann

    Anita Bröcher stammt aus Kalenborn. Bis zum Januar 2017 hatte sie mehrere Jahre den Vereinsvorsitz der Telefonseelsorge Bad Neuenahr-Ahrweiler inne. Im Anschluss an ein Benefizkonzert verabschiedeten die vielen Mitarbeiter ihre scheidende Vorsitzende mit einer kleinen Feier im evangelischen Gemeindehaus.

    Allerdings: die Öffentlichkeit war nicht geladen. Die Wahrung der Anonymität – sowohl der Anrufer als auch der Menschen am anderen Ende der Telefonleitung – wird sorgsam gewahrt. Die jeweilige Vorsitzende ist für den Verein Telefonseelsorge Bad Neuenahr-Ahrweiler das „Gesicht nach außen“. Wegen Krankheit wird Anita Bröcher nun in der Familie gebraucht und hat deshalb den Vorsitz an Maria Magdalena Saltzmann abgegeben. Sie engagiert sich weiter im Weißen Ring, wo sie sich um Opfer von Straftaten kümmert. gg

    Bad Neuenahr-Ahrweiler
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