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Kreisstadt/Ahrtal

Mission Steillage: Was die Jungen im Wingert wollen

Enge Treppen, steile Hänge, rutschiger Boden. Der Weg zu den Rebstöcken im Steilhang – eine Kletterpartie auf Schiefer und Grauwacke. Weinbau an der Ahr, das ist ein harter Job. Trotzdem verbringen neben gelernten Winzern junge Banker, Studenten oder auch IT-Spezialisten ihren Feierabend kraxelnd im Wingert. Sie wollen sich körperlich verausgaben, die Natur spüren, ein Teil ihrer Heimat sein und damit Erfolg haben.

Junge Botschafter für die Steillage (von links): Tanja Weber, Marco Marner, Michaela Kreuzberg, Kevin Bertram, Maria Großgarten und Sebastian Kläsgens. Die Jungwinzer arbeiten mit Leidenschaft im Wingert.  Foto: Vollrath
Junge Botschafter für die Steillage (von links): Tanja Weber, Marco Marner, Michaela Kreuzberg, Kevin Bertram, Maria Großgarten und Sebastian Kläsgens. Die Jungwinzer arbeiten mit Leidenschaft im Wingert.
Foto: Vollrath

„Andere joggen, wir gehen in den Weinberg“, sagt Kevin Bertram, der zu den 25 unter 35-Jährigen in der Winzergenossenschaft Dagernova gehört, die sich vor drei Jahren in der „Mission Steillage“ zusammengeschlossen haben. Mit 100 Prozent Handarbeit treten sie an in einer globalisierten Weinwelt, die zunehmend unter Preisdruck gerät. Was sie eint: Sie glauben an die Zukunft der Steillage.

Die neue Generation will zurück zu den Wurzeln, aber nicht auf die spießige Art. Es geht um mehr, als das Erbe der Vorfahren, die Weinberge von Eltern und Großeltern, zu erhalten. Die Jungen bewahren eine für den Tourismus wichtige Kulturlandschaft, die sich die Natur sonst schnell zurückerobern würde. „Es ist unser Ziel, Nachwuchs zu motivieren, im Familienweinberg weiter zu machen – auch weil es Spaß macht“, sagt Kevin Bertram, der für die „Mission Steillage“ zusammen mit seiner Kollegin Meike Stabe aus der Marketing-Abteilung der Dagernova die Aktivitäten der Jungwinzer-Initiative koordiniert. Dazu gehören die Afterwork-Party im Kameha Grand-Hotel in Bonn ebenso wie der Chefkoch-Food-Workshop in Bad Honnef, aber auch Veranstaltungen wie die Maatelsjass – die coole Fete zum Erntedank.

In erster Linie geht es jedoch um die Vorteile des Zusammenhaltens im Tal, um die gegenseitige Unterstützung. „Schließlich will man nicht immer den Vater fragen“, so Bertram. Es gibt eine WhatsApp-Gruppe für den unkomplizierten Austausch. Die Vernetzung über Social Media funktioniert bestens. Die Jungwinzer machen ihr eigenes Ding und hatten mit einem 2015er Spätburgunder ihre „Erste Mission“ in Flaschen mit modernen Etiketten gefüllt. Dann überraschten sie mit einem 2016er Blanc de Noir und einer zweiten Mission Spätburgunder. Die dritte Mission, ein Blanc de Noir, liegt im Keller.

„Wir durften machen, was wir wollten“, erzählt Kevin Bertram, betont aber auch, dass die Jungwinzer bewusst auf die Steillagenweine setzen. Das heißt: mehr als 30 Prozent Gefälle im Wingert. Die Weine der jungen Missionare sind anders, weniger schwer und wuchtig, statt Röst- und Vanillearomen dominieren fruchtige Aromen. „Anfänger wollen etwas Weicheres auf der Zunge“, erklärt Bertram. Einen Zugang zum Weingenuss eröffne auch der aus roten Trauben produzierte Blanc de Noir. Ein eigenes Qualitätsprogramm haben sich die Jungwinzer bereits auferlegt. In Zukunft wollen sie sich des Frühburgunders annehmen.

Ein Vorteil für die Mitglieder der Mission Steillage ist es, die Vertriebswege der Dagernova-Winzergenossenschaft nutzen zu können. Zum Marketing über den Online-Shop kommen der Facebook-Auftritt und seit neuestem auch Instagram, wo sich die Bilder von der Arbeit vom Rebschnitt bis zur Etikettierung posten lassen. „Im Sommer können wir aus dem Weinberg berichten, im Herbst aus dem Keller“, so Bertram. „Über Hashtags erreichen wir alle, die ihr Interesse an Wein angegeben haben. Damit bekommen wir mehr Follower und erhöhen die Reichweite.“ Sebastian Kläsgens betreut die Instragram-Schiene. „Wir wollen durch die Aktionen die genossenschaftliche Zukunft fördern und sichern“, erklärt Bertram die Ziele für die Zukunft. Es geht darum, das Image Steillage zu transportieren und zu vermitteln, warum ein Ahrwein seine zehn Euro wert ist.

Von unserer Redakteurin Beate Au

Jungwinzer setzen auf Vernetzung

„Mission Steillage“, das war im Jahr 2015 keine Premiere an der Ahr. Schlahrvino gibt es als Jungwinzervereinigungen bereits seit 2003. Neun Jungwinzer aus fünf Ahrtaler Betrieben haben damals beschlossen, den Wein des Ahrtals gezielt einem jüngeren Publikum näher zu bringen.

So wie die Mitglieder der Mission Steillage blicken auch die Schlahrvino-Winzer regelmäßig über den eigenen Tellerrand und brechen in andere Weinanbaugebiete auf, um im Austausch mit den dortigen Winzern neue Eindrücke und Ideen rund um das Thema Wein zu gewinnen.

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