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Antweiler/Koblenz

Misshandlungen in Kita Antweiler? Zwei Zeugen, zwei Sichtweisen

Eugen Lambrecht

Im Prozess um die mutmaßlichen Kindesmisshandlungen in der Kita Regenbogen in Antweiler haben jetzt zwei Ex-Kolleginnen der angeklagten Erzieherinnen ausgesagt – und zwei gänzlich unterschiedliche Sichtweisen geschildert: Während die eine von brachialer Gewalt und Zwangsfütterung im Kita-Alltag sprach, beteuerte die andere, alle Kinder hätten essen dürfen, was, wann und wie viel sie wollen.

Haben diese Frauen Kinder gequält? Seit Anfang Mai müssen sich die vier ehemaligen Erzieherinnen der Kita Regenbogen in Antweiler vor dem Landgericht Koblenz verantworten. Foto: Thomas Frey/dpa​
Haben diese Frauen Kinder gequält? Seit Anfang Mai müssen sich die vier ehemaligen Erzieherinnen der Kita Regenbogen in Antweiler vor dem Landgericht Koblenz verantworten.
Foto: Thomas Frey/dpa​

Gefesselte und eingesperrte Kinder, in enge Hochstühle gequetscht und gewaltsam zum Essen gezwungen: Die Vorwürfe gegen die vier ehemaligen Erzieherinnen des Dorfkindergartens sind schockierend. Drei sollen die Taten verübt, eine vierte sie nicht verhindert haben. Laut Anklage spielten sich die Vorfälle zwischen Februar 2012 und November 2013 ab. Insgesamt seien neun Kinder betroffen. Die Frauen weisen die Vorwürfe zurück, haben vor Gericht aber bislang geschwiegen. Eine Verteidigungsstrategie, die der Vorsitzende Richter Ralf Bock am dritten Prozesstag kritisierte: „Man sollte vielleicht überlegen, wie lange Schweigen noch sinnvoll ist.“

Zuvor betrat ein Kind Sitzungssaal 128 am Landgericht Koblenz. Das zehnjährige Mädchen umklammerte die Hand ihrer Mutter, setzte sich mit dem Rücken zu den Angeklagten auf den Zeugenstuhl und fing an zu erzählen: Dass sie in der Kita mit Klebeband an einen Stuhl gefesselt und in einem dunklen Kellerraum eingesperrt worden sei. Dass sie ein Marmeladenbrot ausgespuckt und eine Erzieherin sie dazu gezwungen hätte, es wieder in den Mund zu nehmen. Und dass sie zu Hause nichts davon erzählt habe, weil die Erzieherinnen ihr mit Ärger gedroht hätten.

Die Vorwürfe, die bereits 2013 öffentlich wurden, spalten das Dorf in der Eifel bis heute in zwei Lager: Die einen sind von der Schuld der Erzieherinnen überzeugt, die anderen wittern eine Hetzkampagne. Gemeinsam haben beide Parteien den Wunsch nach einem Schlussstrich. Das untermauerte auch die Aussage der Mutter des zehnjährigen Mädchens. Mit zittriger Stimme sagte sie: „Ich habe meiner Tochter gesagt, dass dieser Termin sehr wichtig für uns ist, um die Sache endlich abschließen zu können.“

Eine Ex-Kollegin der angeklagten Erzieherinnen beteuerte vor Gericht, die fragwürdigen Erziehungsmethoden der Frauen immer wieder angeprangert zu haben – ohne Erfolg. Und: „Alle wussten Bescheid!“ Doch geändert habe sich nichts. Nachdem die Haushaltshilfe ihre Beobachtungen im Sommer 2013 mit ihr geteilt habe, hätte sie die Vorwürfe in einem Brief an die Verbandsgemeinde Adenau aufgelistet. Die Reaktion der Verwaltung sei jedoch enttäuschend gewesen. Denn wochenlange habe sie nicht einmal eine Rückmeldung erhalten. Stattdessen sei von allen Seiten Druck auf sie ausgeübt worden. „Wir waren Denunzianten, Kollegenschweine. Was wir da mitgemacht haben – das kann man sich nicht vorstellen.“

Eine andere Erzieherin zeichnete hingegen ein anderes Bild des Kita-Alltags: Es habe keine Probleme gegeben, „wenn die Kinder satt waren, konnten sie einpacken und gehen.“ Doch bei Detailfragen berief sich die Frau auf Erinnerungslücken. Da riss den Staatsanwältinnen der Geduldsfaden: „Wenn Sie hier nicht die Wahrheit sagen, kommt ein Ermittlungsverfahren auf sie zu.“ Doch sie blieb dabei: „Ich habe nichts mitbekommen.“

Der Prozess geht am 23. Mai weiter.

Von unserem Reporter Eugen Lambrecht

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