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    Mertes: Am Ring ist mir ein Russe mit Geld lieber als ein Nordrhein-Westfale ohne Geld

    Das Datum "9. November 1989" steht geschrieben auf der Tafel im Klassenraum des Leistungskurses Sozialkunde im Gymnasium Calvarienberg. Es ist im Kalender der deutschen Geschichte ein besonderer Tag, der seit 2005 von den rheinland-pfälzischen Abgeordneten dazu genutzt wird, die Bedeutung demokratischen Engagements in die Schulen hineinzutragen.

    Von den Schülern des Gymnasiums Calvarienberg ließ sich Landtagspräsident Joachim Mertes auf den Zahn fühlen.
    Von den Schülern des Gymnasiums Calvarienberg ließ sich Landtagspräsident Joachim Mertes auf den Zahn fühlen.
    Foto: Hans-Jürgen Voll

    Im Gymnasium Calvarienberg in Ahrweiler war am Montag der Landtagspräsident Joachim Mertes zu Gast. Die Schüler aus der Klassenstufe 11 nutzten die Gelegenheit, dem Politiker vor allem beim Thema "Nürburgring" auf den Zahn zu fühlen.

    Dass die Rennstrecke in der Eifel, zumindest im Kreis Ahrweiler, auch der jungen Generation am Herzen liegt, bekam der Landtagspräsident deutlich zu spüren. Die Schüler interessierten sich dafür, wie es zu dem millionenschweren Fiasko in der Eifel kommen konnte, fragten nach Verstößen der Landesregierung gegen Haushaltsrecht und nach der Rolle des Parlaments als Kontrollinstanz. Landtagspräsident Mertes wich nicht aus, sondern stellte sich den unangenehmen Fragen. Dabei holte er weit aus und erinnerte im Plauderton an den Ursprung des Problems: "Man wollte aus dem Nürburgring eine ganzjährige Attraktion machen – so eine Art Kirmes neben dem Ring – und dachte: Da haben wir etwas für die Nordeifel geschaffen. Dabei hatte man völlig falsche Vorstellungen von dem, was hier möglich ist", erklärte Mertes und gab offen zu: "Bei der Investorensuche hat man sich dann verheddert." Er machte den Gymnasiasten aber auch klar: "Das Land braucht als solches keine Rennstrecke. Es ist falsch, die Organisation der Formel 1 aus Landesmitteln zu finanzieren." Dass der neue Besitzer nun ein Russe ist, sollte seiner Ansicht nach kein Problem sein. "Mir ist ein Russe mit Geld lieber als ein Nordrhein-Westfale ohne Geld", meinte er und stellte in den Raum, ob Bernie Ecclestone, der das Land für die Formel 1 abgezockt habe, als Investor denn so viel sympathischer gewesen wäre. Jemanden aufgrund seiner Nationalität zu verurteilen, sei nicht der richtige Weg. Am Ende der Lehrstunde über den Nürburgringskandal fasste Mertes zusammen, was auch eine Demokratie ertragen muss: "Da zeigt sich, dass regieren und handeln auch zu Fehlern führt."

    Es war nicht die übliche Politikersprache, mit der Mertes mit den Schülern über weitere landespolitische Themen wie Bildung oder Fusionen von Ländern und Kommunen ins Gespräch kam. Was er positiv registrierte: Es gibt wieder mehr politisch interessierte Schüler, die einen Leistungskurs Sozialkunde wählen.

    Mertes erzählte gerne, wie er selbst zur Politik gekommen ist. Der heute 65-Jährige hat acht Jahre lang eine katholische Volksschule und dann eine Bäckerlehre absolviert. Nach der Gesellenprüfung strebte er eigentlich den Meisterbrief an, um später Berufsschullehrer zu werden. Doch dazu reichte das Geld in der kinderreichen Familie nicht, und so verpflichtete er sich zunächst bei der Bundeswehr. "Auf diesem Weg ist mir die Politik begegnet", meinte er. Als er in den 1960er-Jahren die Auschwitz-Prozesse in Frankfurt verfolgte, habe ihn der Umgang mit der Schulfrage stark bewegt und politisiert. Im Alter von 30 Jahre war er schließlich Landesgeschäftsführer der SPD in Rheinland-Pfalz. Das Ziel, Berufsschullehrer zu werden, hatte er aufgesteckt.

    Von unserer Redakteurin Beate Au

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