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Adenau/Altenahr

Mehrheit gegen Wasserenthärtung

Eine zentrale Trinkwasserenthärtungsanlage für das Wasserversorgungsgebiet Eifel-Ahr wird es nicht geben. Die Wasserkunden haben sich mehrheitlich dagegen ausgesprochen. Jetzt wird auch nicht gebaut.

Wer bisher in den Verbandsgemeinden Adenau und Altenahr kalkreiches Wasser bezog, bei dem wird auch künftig hartes Wasser aus dem Wasserhahn fließen.
Wer bisher in den Verbandsgemeinden Adenau und Altenahr kalkreiches Wasser bezog, bei dem wird auch künftig hartes Wasser aus dem Wasserhahn fließen.
Foto: picture alliance

Von unserem Redakteur Frieder Bluhm

Eine zentrale Trinkwasserenthärtungsanlage für das Wasserversorgungsgebiet Eifel-Ahr wird nicht gebaut. Eine klare Mehrheit der Kunden habe sich gegen eine zentrale Trinkwasserenthärtungsanlage ausgesprochen, teilte der Zweckverband Wasserversorgung Eifel-Ahr am Dienstag mit. Der Zweckverband, der die Verbandsgemeinden Adenau und Altenahr mit Trinkwasser versorgt, hatte seine Kunden im Zuge der Jahresverbrauchsabrechnung gefragt, ob sie für oder gegen eine zentrale Wasserenthärtungsanlage im Gewinnungsgebiet Nohn sind. Durch die Einrichtung und den Betrieb dieser Anlage wäre der Wasserpreis für alle Kunden jährlich wiederkehrend um rund 50 Cent brutto pro Kubikmeter gestiegen.

Bis zum 7. März waren beim Zweckverband 3983 verwertbare Stimmkarten eingegangen. Diese stehen für einen jährlichen Gesamtverbrauch von 471 402 Kubikmetern Trinkwasser (41,5 Prozent). Hiervon sprachen sich (gewichtet nach Wasserverbrauch) 64,5 Prozent der Stimmen gegen eine zentrale Trinkwasserenthärtungsanlage in Nohn aus. 32,6 Prozent, also rund ein Drittel der Stimmen, votierten für eine Enthärtungsanlage. Die Enthaltungen lagen bei 2,9 Prozent.

Selbst ohne Gewichtung der Stimmkarten nach der Wasserverbrauchsmenge ergab die Abstimmung mit 56,3 Prozent eine eindeutige Mehrheit gegen die zentrale Enthärtung. Auch in den beiden Verbandsgemeinden votierte jeweils eine absolute Mehrheit gegen die geplante Enthärtungsanlage: In Adenau 67,5 Prozent, in Altenahr 58,9 Prozent. "Insgesamt haben sich somit die Trinkwasserkunden klar gegen eine zentrale Enthärtungsanlage am Standort Kerpen/Nohn ausgesprochen", erklärte der Zweckverband. "Vor diesem Hintergrund haben die Gremien des Zweckverbandes Wasserversorgung Eifel-Ahr beschlossen, keine Trinkwasserenthärtungsanlage am Standort Kerpen/Nohn zu errichten."

Drei verschiedene Lieferanten

Der Zweckverband Eifel-Ahr bezieht sein Trinkwasser aus versorgungstechnischen Gründen von drei verschiedenen Lieferanten. Während die Trinkwässer aus der Olef- und der Wahnbachtalsperre "weich" sind (Härtegrade 5 bis 6,8), ist das Trinkwasser aus den Brunnen Kerpen/Nohn mit Härtegrad 17 als "hart" einzustufen. Zum Vergleich: In Karlsruhe hat das Trinkwasser den Härtegrad 17,6, in Köln bis 18,5, in Heidelberg bis 21 und in Mainz bis 25,1. Mehr als 80 Prozent der 10 832 Kunden (Hausanschlüsse) werden derzeit mit "hartem" Wasser aus den Brunnen Kerpen/Nohn beliefert. Mittels einer zentralen Enthärtungsanlage hätte sich der Härtegrad von 17 (hart) auf 10 (mittel) reduzieren lassen.

Seit 2015 beziehen die Ortsgemeinden Kaltenborn, Heckenbach und Kesseling, die bis dahin weiches Wasser hatten, ihr Wasser ebenfalls aus den Brunnen Kerpen/Nohn. Das sorgte für Diskussionen. Der Zweckverband stellte eine zentrale Wasserenthärtungsanlage in Aussicht. Nach einer Pilotphase wandte er sich Anfang des Jahres an seine Wasserkunden, um sie nach eigener Darstellung in den Entscheidungsprozess einzubeziehen. Die Kunden konnten per Stimmkarte portofrei antworten. Bei der Befragung wurde eine Gewichtung nach Wasserverbrauch berücksichtigt. Fair aus Sicht des Zweckverbandes, da mit dem Betrieb einer Enthärtungsanlage auch die finanzielle Last je nach Höhe des Wasserverbrauchs für die Kunden steigen würde. So erhielten zum Beispiel Kunden mit einem Verbrauch von 100 Kubikmetern im Jahr 100 Stimmenanteile. Großkunden wie beispielsweise Gastronomie- und landwirtschaftliche Betriebe haben deshalb höhere Anteile als etwa ein Zwei-Personen-Haushalt.

Zweifel am Prozedere

Dieses Prozedere war nicht unumstritten. Während der Aktion erreichten den Zweckverband zahlreiche Fragen der Kunden. So wurde hinterfragt, ob die gesetzlichen Datenschutzbestimmungen eingehalten wurden. "Dies konnte in Verbindung mit dem Datenschutzbeauftragtem des Landes Rheinland-Pfalz bestätigt werden", sagt der Zweckverband.

Einige Wasserverbraucher stellten die Aktion insgesamt infrage, da nur die Rechnungsempfänger befragt würden, nicht aber die Mieter. Der Zweckverband argumentiert, nur mit dem Eigentümer des Hauses habe er einen Wasserlieferungsvertrag, da nur ein Wasserhausanschluss zu einem Gebäude bestehe. "Es war jedoch vielfach Praxis, dass die Hausbesitzer ihre Mieter als Nutzer in eine Entscheidung eingebunden haben", berichtet der Zweckverband. Einige wenige Wasserkunden hätten sogar Ansätze für eine mögliche Manipulation des Befragungsergebnisses vermutet. Um diese Vermutungen vollständig zu entkräften, habe man das Verfahren, die Berechnungen und das Ergebnis notariell prüfen lassen. Die Stichproben hätten indes die Ordnungsmäßigkeit der durchgeführten Kundenbefragung bestätigt, teilte der Zweckverband mit.

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