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    Kundenbefragung zur Wasserenthärtungsanlage in der Kritik

    Das Thema Wasser schlägt in den Verbandsgemeinden Adenau und Altenahr hohe Wellen. Hintergrund ist der mögliche Bau einer Wasserenthärtungsanlage, der zu einem höheren Wasserpreis führen würde.

    Foto: dpa

    Von unserem Redakteur Frieder Bluhm

    Der Wasserzweckverband Eifel-Ahr erwägt den Bau einer Wasserenthärtungsanlage. Da dieser zu einem höheren Wasserpreis führen würde, hat der Wasserzweckverband Eifel-Ahr eine Kundenbefragung initiiert, um ein Votum der Wasserkunden einzuholen. Diese Kundenbefragung sorgt indes für Irritation, und zwar sowohl bei potenziellen Nutznießern der Wasserenthärtung als auch bei jenen, die befürchten, die Zeche zahlen zu müssen, ohne einen Nutzen zu haben.

    Es geht um eine mögliche Preiserhöhung um rund 50 Cent pro Kubikmeter Trinkwasser. So viel müsste nach Schätzung des Wasserzweckverbandes der Wasserpreis steigen, um die Investitionskosten von rund 1,4 Millionen Euro für eine zentrale Enthärtungsanlage in Nohn beziehungsweise die anfallenden Betriebskosten von jährlich 512 000 Euro netto vom Kunden zurückzuholen. Denn einer für die Kunden kostenlosen Lösung über den Weg einer höheren Verschuldung des Zweckverbandes, wie von den Gremien angestrebt, hat die Aufsichts- und Dienstleistungsdirektion (ADD) in Trier eine Absage erteilt.

    Mehr als 80 Prozent der 10 000 Kunden (Hausanschlüsse) werden derzeit mit "hartem" Wasser aus den Brunnen Kerpen/Nohn beliefert. Mittels einer zentralen Enthärtungsanlage ließe sich der Härtegrad von 17 (hart) auf 10 (mittel) reduzieren. In Kesseling in der VG Altenahr wäre man gern bereit, die Erhöhung des Wasserpreises von derzeit 2,64 Euro pro Kubikmeter auf rund 3,10 Euro zu tragen, um "besseres" Wasser zu bekommen. Schließlich trauern die Kesselinger noch immer dem "weichen" Wasser (Härtegrad 5,5) nach, das bis Ende 2014 aus ihren Hähnen floss. Schon damals wären sie bereit gewesen, einen höheren Wasserpreis als im übrigen Verbandsgebiet zu zahlen. Doch der Zweckverband Eifel-Ahr entschied anders und kündigte zum 31. Dezember 2014 die Verträge mit dem Zweckverband Maifeld-Eifel, der das Wasser lieferte. Dagegen liefen die Kesselinger Sturm. Doch eine Sonderlösung für den Ort lehnte der Zweckverband ab.

    Jetzt fürchtet man in Kesseling, bei der Kundenbefragung zu unterliegen, da sowohl die Haushalte mit weichem Wasser, die gar keinen Nutzen von der Entkalkungsanlage haben, als auch an der Ahr gelegenen Gewerbetreibende, für die eine Kostenerhöhung größere Auswirkungen hat, mitbestimmen dürfen - bei einer verbrauchsabhängigen Stimmgewichtung. Hinter der aktuellen Kundenbefragung vermuten die Kesselinger politisches Kalkül, da eine solche Befragung keinerlei rechtliche Relevanz habe. "Das Ganze hat doch einen faden Beigeschmack", so der Tenor kürzlich bei einer Bürgerfragestunde.

    Kirchsahr gehört zu den Orten, die seit je her weiches Wasser beziehen. Hier hat man Angst, dass die Mehrheit der Kunden, die mehrheitlich hartes Wasser beziehen, für die Enthärtung stimmen und die Kunden mit weichem Wasser nicht berücksichtigt werden. Theo Waerder, Geschäftsführer des Zweckverbands, kennt beide Positionen. "Da auch die Kunden aus den mit weicherem Wasser versorgten Bereichen mitbezahlen müssten, ist es fair, auch diese zu fragen. Trotzdem sind die übrigen Kunden mit 80 Prozent natürlich immer in der Mehrheit", räumt Waerder ein. Für böses Blut sorgt zudem, dass der Zweckverband Eifel-Ahr 500 000 Kubikmeter Wasser - etwa so viel wie in die VG Altenahr - in den Kreis Cochem-Zell liefert. Dieser soll es aber bereits abgelehnt haben, sich eventuell an den Kosten der Enthärtungsanlage zu beteiligen, obwohl die Verbraucher dort ebenfalls Nutznießer wären.

    Von einer "suspekten Kundenbefragung" spricht die FWG-Kreistagsfraktion nach einem Treffen der freien Wählergruppen aus Adenau, Dernau, Rech und Hönningen. "Eine konkrete Aussage, auf welcher rechtlichen Grundlage die Abstimmung fußt und mit welcher Verbindlichkeit das Abstimmungsergebnis für die politisch Verantwortlichen im Zweckverband ausgestattet ist, fehlt", monieren sie. Bemerkenswert sei zudem, dass an der Abstimmung nur die beim Wasserwerk erfassten Rechnungsadressaten teilnehmen dürfen. "Die in Mietwohnungen lebenden und letztlich den Wasserpreis zahlenden Bürger - und damit ein großer Anteil der die Zeche zahlenden Bevölkerung - sind von der Teilnahme ausgeschlossen", kritisiert die FWG. Waerder kontert: "Wir lassen es natürlich jedem Kunden offen, bei seiner Stimmbildung alle zu beteiligen."

    Die Freien Wähler sehen aber auch die Anonymität des Verfahrens gefährdet, weil für die Berechnung des Stimmanteils der Wasserverbrauch jeden Teilnehmers ermittelt werden müsse. Sie wollen jetzt den Datenschutzbeauftragen sowie die Aufsichtsbehörden einschalten und prüfen lassen, inwieweit die Kundenbefragung rechtlich zulässig ist und datenschutzrechtlichen Bestimmungen genügt. Die Befragung läuft bis Ende des Monats, rund 80 Prozent der Befragten haben bisher noch nicht geantwortet.

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