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Kreisstadt

Im Mai 1943 begannen die Tunnelarbeiten

Zu den Referenten der Tagung unter dem Titel "Rebstock – ein vergessenes KZ-Außenlager?" gehörte auch der Bad Breisiger Fachbuchautor und Militärexperte Wolfgang Gückelhorn. Da viele der rund 40 Tagungsteilnehmer von außerhalb des Ahrkreises kamen, berichtete er über das, was seinen Forschungen nach rund um Dernau und Marienthal in den letzten Kriegsjahren passierte.

In den nicht fertiggestellten Eisenbahntunnels durch die Höhen zwischen Dernau und Ahrweiler wurden Abschusshilfselemente und Elektronik und Hydraulik der Meilerwagen für eine von Hitlers letzten Hoffnungen, der V-2 Rakete (A 4), zusammengebaut. Bereits nach dem erfolgreichen britischen Luftangriff am 17. und 18. August 1943 auf die Heeresversuchsanstalt Peenemünde auf der Ostseeinsel Usedom verlagerte man die Produktion ins unterirdische "Mittelwerk" bei Nordhausen am Südrand des Harzes. Aber auch die Produktion der notwendigen Bodenanlagen zum Start der V-2 musste geschützt, daher unterirdisch geschehen.

Unter dem Decknamen "Lager Rebstock" wurde im Mai 1943 mit der Einrichtung eines Ausrüstungslagers im Kux- und Trotzenbergtunnel begonnen. Rebstock hatte zwei Bereiche: Das Barackenlager auf dem Bahndamm in Richtung Rech, allein für KZ-Häftlinge, sowie Tunnels und Barackenlager im Bereich Marienthal. Ab dem Frühjahr 1944 wurden rund 400 italienische Militärinternierte (IMIs)aus einem Lager bei Brück an der Ahr im Lager Rebstock zur Arbeit gezwungen. Dabei handelte es sich um ehemalige italienische Soldaten, die nach der Kapitulation Italiens im September 1943 zwar von der deutschen Wehrmacht entwaffnet worden waren, aber auf Befehl Hitlers nie den Status von Kriegsgefangenen zuerkannt bekamen. Als Hilfspersonal für die Montage und Fertigstellung der Bodenanlagen wurden von August bis Dezember 1944 auch Häftlinge des KZ Buchenwald eingesetzt. Das KZ hatte bis zu 150 Außenlager. Im Einzelnen waren das 406 KZ-Häftlinge, die aus Buchenwald kamen, hinzu kamen noch 468 holländische Juden.

Zwangsarbeit, von wem auch immer geleistet, war Sklavenarbeit. Für die Betroffenen machte der Status als Zwangsarbeiter oder KZ-Häftling kaum einen Unterschied aus. In der Produktionsstätte waren aber nicht nur Zwangsarbeiter, IMIs und KZ-Häftlinge eingesetzt, sondern auch nicht mehr frontfähige deutsche Soldaten und Zivilpersonal aus der Umgegend. Gemeinsam mussten sie, ohne dabei in persönlichen Kontakt kommen zu dürfen, die Rüstungsgüter montieren. Die fertigen Geräte wurden dann im heute nicht mehr existenten Herrenberg-Tunnel bei Rech verladen.

Nach Erkenntnissen von Wolfgang Gückelhorn war die amerikanische Aufklärung bereits im Januar 1945 vollständig über das Lager Rebstock informiert. Erst die vorrückenden amerikanischen Truppen machten dem Treiben in den Tunnels ein Ende.

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