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    Brohl-Lützing

    Hilfe aus Eritrea kommt in Brohl gut an

    "Eritrea? Das ist, in einem Satz gesagt, das Nordkorea Afrikas", sagt Harald Zimmer. Der Werkstattleiter der Interessengemeinschaft Brohltal Schmalspureisenbahn (IBS) kennt sich etwas aus in Sachen Entwicklungshilfe und ist über die Bedingungen des Heimatlandes seiner neuen vier Mitarbeiter gut informiert.

    Freuen sich über die gelungene Integration der Flüchtlinge aus Eritrea (von links): Werkstattleiter Harald Zimmermann, Sicherheitsbeauftragter Andreas Thiel, Joel, Hanibal und Maria Müller von der ökumenischen Flüchtlingshilfe.
    Freuen sich über die gelungene Integration der Flüchtlinge aus Eritrea (von links): Werkstattleiter Harald Zimmermann, Sicherheitsbeauftragter Andreas Thiel, Joel, Hanibal und Maria Müller von der ökumenischen Flüchtlingshilfe.
    Foto: ith

    Das Team des gemeinnützigen Vereins freut sich über die Hilfe der jungen Männer, die vor der gewalttätigen Diktatur des Militärregimes in ihrem Land geflohen sind. Froh und glücklich sind aber vor allem Hanibal, Joel, Zacharias und Haile, dass sie nun nicht nur in Sicherheit sind, sondern vor allem, dass sie ihrem Leben hier mittlerweile durch die Arbeit bei dem gemeinnützigen Verein Struktur und Sinn geben können.

    Direkt von der Schulbank zwangsrekrutiert zum Militärdienst, hatten sie jahrelang ohne Bezahlung unter dem Joch der Regierung in Eritrea gelitten. Vor zehn beziehungsweise sieben Monaten sind Hanibal, Haile, Zacharias und Joel im Kreis Ahrweiler als Flüchtlinge angekommen. 14 weitere ihrer Landsmänner sind gerade erst eingetroffen und wurden in Waldorf untergebracht. "Die ersten Monate bestanden nur aus Warten und Schlafen. Warten darauf, dass etwas geschieht, auf Nachricht, wie es weitergeht", erzählt Joel in verständlichem Englisch.

    Je länger die Untätigkeit währte, desto mehr gewann die Depression an Raum. Erst als Monika Niel und Maria Müller von der ökumenischen Flüchtlingshilfe sie in der Sammelunterkunft im Kripper Batterieweg aufsuchten und sich ihrer annahmen, bekamen sie neuen Lebensmut. Nach regelmäßigen Deutschstunden von Monika Niel, ersten ganz praktischen Integrationsversuchen, etwa als Waffelbäcker beim Kripper Weihnachtsmarkt oder als Mundschenk im Sinziger Kulturgewölbe des ehemaligen Zehnthofs auf Initiative von Monika Recker-Johnson, besuchten sie erstmals zu Nikolaus die Brohltal-Schmalspureisenbahner. Seit Jahresbeginn sind sie nun dort beschäftigt.

    Dort erhalten die jungen Männer als Ein-Euro-Jobber von der Werkstattleitung und den Mitarbeitern Anweisungen, werden an die Hand genommen und nach und nach in die Arbeiten eingewiesen. Sie schrauben, demontieren, reinigen oder sind für Freischneidearbeiten entlang der Gleise zuständig. "Das funktioniert aber nur deshalb, weil wir hier keinen Zeitdruck haben", betont Zimmer. Allerdings zeigten sich die Neulinge nicht nur arbeitswillig und interessiert, sondern wären auch überaus höflich und zuvorkommend.

    "Außerdem mussten wir ganz schön über ihre Reaktion schmunzeln, als sie die alten Waggons im Lokschuppen sahen", erzählt Maria Müller. "Hier stehen Maschinen von anno dazumal, und sie erkannten sie wieder, weil in Eritrea (ehemalige italienische Kolonie) ebenfalls eine Schmalspurbahn vom Hafen bis zur Hauptstadt Asmara existiert, aber nicht in Betrieb ist", erklärt Harald Zimmer.

    Hanibal ist gelernter Mechaniker und kennt sich offenbar mit Lkw aus. Joel (24) hat nach fünf Jahren beim Militär auch Erfahrung als Materiallagerist und Schweißer. Haile und Zacharias kommen aus einem kleinen Dorf und wissen eher etwas über Landwirtschaft. "Schön ist es zu sehen, wie gut sie sich etwa mit unserem Mitarbeiter Michael Müller verstehen. Er hat es unter der DDR-Diktatur als bekennender Katholik auch nicht leicht gehabt - jetzt ist er so motiviert durch unsere Neuzugänge, dass er sich nach seiner regulären Rangiertätigkeit noch stundenlang mit ihnen beschäftigt", sagt der Werkstattleiter.

    "Ein ganz wichtiges, aber schwieriges Feld ist das Thema Arbeitssicherheit", sagt Andreas Thiel, der momentan darin seinen Schwerpunkt bei der IBS hat. "Da ist die Sprache schon sehr von Bedeutung - denn wenn einer nur nickt, dass er verstanden hat, hat man immer noch kein gutes Gefühl", erklärt er die Situation. Und Harald Zimmer sieht eine weitere, ganz andere Problematik. "Ich habe tatsächlich auch kein gutes Gefühl, wenn ich die vier etwa zum Straßenkehren allein draußen lasse, man weiß einfach nicht, wie die Leute so ticken", sagt er. Auch in Brohl-Lützing denke er manchmal, wenn er so den Diskussionen zu Politik und Weltgeschehen am Rande zuhöre, dass es noch einiges an Uninformiertheit über Flüchtlingsschicksale und Asylsituation auszuräumen gibt.

    Von unserer Mitarbeiterin Judith Schumacher

    Bad Neuenahr-Ahrweiler
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