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Kreis Ahrweiler

Häusliche Gewalt: Wo Opfer Hilfe finden

Rund 200 Fälle von häuslicher Gewalt werden jedes Jahr im Kreis Ahrweiler aktenkundig. Doch die Dunkelziffer ist deutlich höher. Das Thema ist scham- und angstbehaftet. Immer wieder landen verletzte Frauen in der Notaufnahme des Krankenhauses Maria Hilf in Bad Neuenahr. Weil es da nicht mit der Behandlung der rein körperlichen Verletzungen getan ist, hat das Krankenhaus die Initiative „Wege aus der Gewalt – Wir sind an Ihrer Seite“ initiiert.

Nach gewalttätigen Auseinandersetzungen lassen viele Opfer ihre Verletzungen im Krankenhaus behandeln. Die wahren Gründe werden oft verschwiegen.  Foto: XXXX XXXX
Nach gewalttätigen Auseinandersetzungen lassen viele Opfer ihre Verletzungen im Krankenhaus behandeln. Die wahren Gründe werden oft verschwiegen.
Foto: XXXX XXXX

Dr. Jutta Mader, Theologin und Seelsorgerin im Krankenhaus Maria Hilf, berichtet: „Unsere Ärzte berichten häufig von Frauen, die angeblich gegen einen Schrank gelaufen oder die Treppe hinabgestürzt sind. Verständlich, denn hier geht es um Beziehungen. Und um die Angst, dass diese noch mehr leiden könnte.“ Gemeinsam mit der Oberin des Hauses hat sich die Seelsorgerin dieses Problems angenommen. Oberin Gaby Frömbgen: „Wenn man weiß, eine entlassene Patientin geht nach der Behandlung zurück in ein gefährliches häusliches Umfeld, kann man das als Mitarbeiter nur schwer aushalten.“

Eine ganze Reihe von Maßnahmen haben die beiden Frauen auf den Weg gebracht. „Es gab einen Fall vor längerer Zeit, der uns unsere Unsicherheit deutlich machte. Wir wussten nicht, wie wir reagieren sollten, an wen wir uns wenden konnten. Das war der Grund, dieses Problem anzugehen“, berichtet Mader. „Uns geht es sehr stark darum, den Frauen klarzumachen: Du bis nicht die einzige.“

Inzwischen gab es sechs Schulungen für die Maria-Hilf-Mitarbeiter. Es wurden eindeutige Anleitungen formuliert, wie schon die Erstbesprechung in der zentralen Aufnahme verlaufen sollte und worauf zu achten ist. Aber selbst, wenn alles darauf hindeutet, dass einer Person Gewalt angetan wurde – ohne deren Einverständnis kann ein Arzt nicht tätig werden. Er unterliegt der Schweigepflicht.

„Häufig kommen Frauen mit wiederkehrenden Unterleibsbeschwerden und unklaren Diagnosen zum Arzt. Der weiß, da steckt etwas dahinter.“ Er kann nichts tun. Eine sensible Gesprächsführung mit Respekt und Einfühlungsvermögen kann da bisweilen Blockaden lösen und eine Frau dazu bewegen, zu reden und Hilfe zu akzeptieren. Denn die gibt es. Ein Netzwerk von Institutionen arbeitet mit der Maria-Hilf-Initiative „Wege aus der Gewalt – Wir sind an Ihrer Seite“ zusammen. Heute gibt es einen Informationstag.

Mader hat bereits viele Gespräche mit Opfern von Gewalt geführt. Vorsichtig herantasten, vielleicht mit der Frage, ob die Frau schon einmal in ihrem Leben Gewalt erfahren hat. Zuhören und Hilfe anbieten, ohne zu drängen. Bisweilen brauchen Opfer noch Zeit. Besonders bei sexuellen Übergriffen. Nach einer Vergewaltigung fühlt sich Frau häufig nicht in der Lage, zur Polizei zu gehen, Anzeige zu erstatten und ein Gerichtsverfahren durchzustehen.

Das Maria-Hilf-Krankenhaus bietet die Möglichkeit, zur anonymen juristischen Absicherung. Eine Untersuchung sichert Spuren und dokumentiert Verletzungen. Die Ergebnisse werden versiegelt und an der Uniklinik Mainz von Ärzten geöffnet. „Eine Kette ärztlicher Schweigepflicht also, die Polizei erfährt davon nichts. Bis die Frau es selber will und sich zur Anzeige entschließt. Dann kann sie auf die Beweismittel zurückgreifen,“, erläutert Mader.

Von unserer Mitarbeiterin Gabi Geller

Heute Informationstag im Bad Neuenahrer Krankenhaus

Der heutige Informationstag in Maria Hilf beginnt um 11 Uhr mit einer Messe in der Kapelle des Krankenhauses. Anschließend gibt es Vorträge.

Dr. Jutta Mader (l.) und Gaby Frömbgen haben „Wege aus der Gewalt“ ins Leben gerufen.
Dr. Jutta Mader (l.) und Gaby Frömbgen haben „Wege aus der Gewalt“ ins Leben gerufen.
Foto: Gabi Geller

12 Uhr: „Häufiger als du denkst” Die vielfältigen Formen von Gewalt;

12.40 Uhr: „Unterstützung für Mädchen und Frauen, die sexualisierte Gewalt erfahren haben“;

13.20 Uhr: „Polizeiliche Intervention und Hilfe bei häuslicher Gewalt“;

14.20 Uhr: „Wir sind an Ihrer Seite“ Hilfe im Klinikum Maria Hilf;

15 Uhr: Traumaambulanz der Dr. von Ehrenwall’schen Klinik – ein therapeutisches Hilfsangebot nach akuter Gewalterfahrung“;

15.40 Uhr: „Wege aus der Gewalt“ Frauenhaus Ahrweiler;

16.20 Uhr: „Hinschauen, wo alle wegschauen“ über die Arbeit von SOLWODI;

17 Uhr: „Stalking – zwanghafte Verfolgung“ Begleitung und Hilfe für Betroffene;

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