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    Grafschaft: Güllebecken sorgt für dicke Luft

    Das etwa fünf Meter tiefe Erdloch zwischen Gelsdorf und Vettelhoven gibt es zwar noch nicht, doch es sorgt bereits jetzt für dicke Luft in der Grafschaft. Anwohnern stinkt das Vorhaben eines Gelsdorfer Landwirts gewaltig, ihnen ein rund 5000 Kubikmeter großes Güllebecken ohne Deckel vor der Nase zu setzen.

    20 mal 50 Meter groß soll das Güllebecken auf dem Feld zwischen Gelsdorf und Vettelhoven werden.
    20 mal 50 Meter groß soll das Güllebecken auf dem Feld zwischen Gelsdorf und Vettelhoven werden.
    Foto: Bach

    15 Bürger um den Gelsdorfer Reinhold Hermann haben deshalb eine Bürgerinitiative gegen industrielle Güllelager und Massentierhaltung in Wohnortnähe gegründet.

    Gut 4500 Grafschafter in den Ortschaften Gelsdorf, Eckendorf, Bölingen, Holzweiler und Esch könnten dem Reiz und dem beißenden Duft von alsbald fünf Millionen Liter Jauche aus dem 20 mal 50 Meter großen Becken ausgesetzt sein, glaubt Hermann. "Der Aufenthalt im Garten oder nur ein offenes Fenster könnten unerträglich werden", beschreibt der pensionierte Kriminalbeamte die Stimmung.

    Derweil bestätigt die Kreisverwaltung auf Anfrage der RZ, dass ihr ein Bauantrag für ein Folienbecken zur Güllelagerung in der Gemeinde Grafschaft vorliegt. Das Genehmigungsverfahren habe begonnen. Verschiedene Fachbehörden und Fachstellen seien eingeschaltet. Deren Stellungnahmen lägen noch nicht vollständig vor. Die Kreisverwaltung könne noch keine Aussage zur baurechtlichen Zulässigkeit des Vorhabens treffen, heißt es dazu aus dem Kreishaus.

    "Ich bin zuversichtlich, dass ich die Genehmigung für das Güllelager erhalte", sagt der Grafschafter Bauer Theo Münch und erklärt vorab, dass sämtliche Geruchsemissionen das Jahr über niedrig gehalten werden. "Die einzige Wohnbebauung in der Nähe ist der Höhenhof. Das sind bis dahin aber mehr als 400 Meter. Im Übrigen zeigt die Windrose überwiegend in eine andere Richtung", erklärt Münch. Er geht davon aus, dass die Winde eher in Richtung Innovationspark in Ringen ziehen. "Bis dahin sind es aber mehr als zwei Kilometer Entfernung", sagt Münch.

    Seine Vorstellungen will er sich dann auch bestätigen lassen. "Die Gemeinde will dazu ein Geruchsgutachten haben. Das bekommen sie auch in Absprache mit der Kreisverwaltung und der Struktur- und Genehmigungsdirektion (SGD) Nord", so Münch. Die Investitionskosten fürs Güllelager nebst Absicherungszaun bezifferte der Gelsdorfer Bauer auf rund 100 000 Euro.

    Auf der anderen Seite ist sich Reinhold Hermann sicher, dass das Projekt auch den Straßenverkehr rund um Gelsdorf stark beeinflussen wird. "Angenommen, die Anlieferungen erfolgen mit Tanklastzügen, die ein Fassungsvermögen von 25 000 Litern haben. Dann sind mindestens 200 Lkw-Ladungen erforderlich, um das Reservoir zu füllen", meint der Vorsitzende der Bürgerinitiative. Er befürchtet: "Das bedeutet für fast jeden Werktag einen Lkw und einen Umfüllvorgang mit entsprechender Freisetzung von Güllegestank." Bei der Realisierung des Projekts müssten die Bürger mit erheblichen Einbußen der Wohn- und Lebensqualität rechnen, ahnt Hermann. Denn Gülle sei ein Abfallprodukt aus der Massentierhaltung. Die hier eingesetzten Chemikalien und Tierarzneien gelangten über die Ausscheidungen der Tiere in den Brühedung, der dann belastet in den Feldern versickere.

    Das Projekt sei mit Bedacht gewählt, sagt Münch. Beispielsweise in Cloppenburg oder Vechta stießen die vielen Viehbauern an ihre Grenzen, die Massen der anfallenden Gülle auf ihren Ackerflächen auszubringen. "Ich nehme ihnen die Gülle ab", erklärt Bauer Münch. Denn es mache durchaus Sinn, "diese flüssigen Dünger in Gebiete zu bringen, in denen wenig Tierhaltung vorhanden ist, um die Gülle dann hier sinnvoll in den Pflanzenbau einzusetzen", hebt der Gelsdorfer hervor. Die benötigte Güllemenge sei durch ihn auch so kalkuliert, "dass sie ausschließlich fürs Düngen meiner Felder ausreicht".

    Hermann stinkt indes die Gülle schon jetzt gewaltig. "Bei Anlieferung, Einlagerung in ein Zwischenlager und der Ausbringung werden Ammoniak und andere Luftverunreinigungen in erheblichem Umfang freigesetzt." Das Gleiche gelte für die Massentierhaltung. "In Esch ist der Bau von Stallungen zur Massentierhaltung in unmittelbarer Nähe zum Wohngebiet geplant. Wir befürchten massive Beeinträchtigungen der Anwohner", sagte Hermann.

    Von unserem Mitarbeiter Horst Bach

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