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Florian Glemser: Junger Pianist gibt Klassikern seine persönliche Note

Bei mediterraner Witterung mitten im Winter gab es jetzt eine herzerwärmende Klaviermatinee mit dem erstaunlichen Florian Glemser zu erleben. Der Spross einer bekannten Musikerfamilie spielte auf Einladung des Grafschafter Kunstvereins im gut besuchten Saal der idyllischen Villa Bellestate.

Florian Glemser verfügt trotz seiner gerade mal 25 Jahre über eine bemerkenswerte Spannweite an Ausdrucksmöglichkeiten Foto: Vollrath
Florian Glemser verfügt trotz seiner gerade mal 25 Jahre über eine bemerkenswerte Spannweite an Ausdrucksmöglichkeiten
Foto: Vollrath

Die erste Konzerthälfte bestand aus zwei Beethovensonaten, und dazwischen der zweiten Klaviersonate des russischen Komponisten Sergei Prokofjew. Schon bei den ersten Takten der c-Moll-Sonate Opus 10 Nr. 1 war klar: Glemser ist ein Pianist von ganz eigenem Format, der trotz seiner gerade mal 25 Jahre über eine bemerkenswerte Spannweite an Ausdrucksmöglichkeiten verfügt. Das lyrische Seitenthema des "Allegro molto e con brio" entfaltete zauberhaften Schmelz und Charme. Wie von leichter Hand gestaltete er den gesamten klassischen Mehrsätzer gerade auch in rhythmischer Hinsicht akkurat, überaus kultiviert und umsichtig. Liebevolle Entspanntheit faszinierte im "Adagio Molto", und im "Prestissimo" blitzte erstmals sein enormes technisches Potenzial auf.

Seine über jeden Zweifel erhabene Spieltechnik setzt Florian Glemser niemals um ihrer selbst willen ein. Stets regiert sein feines, waches und neugieriges Ohr. Das kam auch der frühen und bereits vollständig ausgereiften zweiten Sonate Prokofjews, des Komponisten der "Sakasmen" und der "Visions fugitives", zugute. Das einfallsreiche Meisterwerk steckt voller Abwechslung. Klug gestaltete Kontrapunktik erstaunte im Scherzo, weiträumige Klangkunst im Andante, und mitreißende Spielfreude veranlasste nach dem ostinaten Vivace das Publikum zu regem Applaus.

Dass die Welle von klassischen Aufnahmen auf sogenannten Originalinstrumenten auf einen wachen jungen Pianisten wie Glemser seine Wirkung nicht verfehlen konnte, war bei Beethovens legendärer Sonate Opus 109 zu merken. Durch schlanke, mitunter zarte Tongebung, reiche Schattierungen im Piano und bedachtsamen Einsatz des Pedals verwandelte Florian Glemser den Bösendorfer-Flügel der Maerkers in ein historisch anmutendes Instrument. Beethovens ebenso rätselhaftes bezauberndes Spätwerk erfuhr eine erstaunlich reife, eigenständige und meisterliche Ausdeutung.

Der zweite Teil des Konzerts gehörte Franz Liszts großer h-Moll-Sonate. Liszt paraphrasiert in seiner Tondichtung Faust, Gretel und Mephisto, die drei tragenden Charaktere aus Goethes "Faust". Florian Glemser stellte sich mit vorbildlicher Bescheidenheit in den Dienst dieser großen humanistischen Bekenntnismusik. Mit Spielfreude, klanglicher Raffinesse und überzeugender Gesamtgestaltung rundete der junge Künstler einen höchst musikalischen Vormittag in der Grafschaft ab.

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