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Mayschoß

Der älteste Winzer-Verein der Welt (31)

In großen Buchstaben steht es am Mayschoßer Hauptgebäude: "Winzer-Verein". Dabei taufte sich die weltweit älteste Vereinigung von Winzern im Jahre 1982 bei der Fusion mit der Winzergenossenschaft Altenahr um – sie heißt seitdem Winzergenossenschaft Mayschoß-Altenahr. Heute habe die Bezeichnung "Genossenschaft" fast schon wieder etwas Altbackenes, räumt Rudolf Mies ein. Doch das ist ihm, der seit 1979 als Geschäftsführer die Geschicke der Kooperation führt, reichlich egal. Frei nach dem Motto: Wichtig ist nicht, was draufsteht, sondern was drin ist.

Im Jahre 1868 machten sich einige Winzer in Mayschoß auf zu neuen Ufern und gründeten die erste Winzergenossenschaft überhaupt. Immer mehr Winzer schlossen sich dem Verein an: 1881 zählte er schon 141 Mitglieder.
Im Jahre 1868 machten sich einige Winzer in Mayschoß auf zu neuen Ufern und gründeten die erste Winzergenossenschaft überhaupt. Immer mehr Winzer schlossen sich dem Verein an: 1881 zählte er schon 141 Mitglieder.

Von unserer Mitarbeiterin Petra Ochs

Und das ist bei der Winzergenossenschaft Mayschoß-Altenahr vor allem die Rebsorte Spätburgunder. Er macht vor Riesling, Portugieser und Frühburgunder 60 Prozent des angebauten Weins aus. Die durchschnittliche Jahresproduktion liegt insgesamt bei 1,3 Millionen Flaschen. Der Wein reift in großen Metalltanks und Barriquefässern im historischen Fasskeller, in dem auch ein Weinbaumuseum eingerichtet ist.

"Ein guter Wein hat Geschichte", titelt der Werbeprospekt der altehrwürdigen Genossenschaft. Diese beruft sich gern auf Tradition, kann sich der modernen Entwicklung des Weingeschäfts aber nicht ganz verschließen. "Früher hat man den Wein einfach verkauft", sagt Rudolf Mies. Heute dagegen will der Wein in Szene gesetzt werden, um erfolgreich an den Kunden gebracht zu werden. Events rund um den Wein boomen, und die Winzergenossenschaft Mayschoß-Altenahr entdeckte das weite Feld der Weinveranstaltungen in den 90er-Jahren für sich – auch in Verbindung mit der Sanierung der Saffenburgruine, die der Genossenschaft heute als exklusiver Veranstaltungsort dient.

Wichtiger für die erfolgreiche Entwicklung war jedoch ein grundlegendes Umdenken in Sachen Qualität. Auf die hatte die Winzergenossenschaft in der Hochzeit des "Feiertourismus" an der Ahr nicht groß schauen müssen: Die Leute, die in Scharen kamen, tranken eben, was es gab. Spätestens in den 80er-Jahren ging dieses Rezept aber nicht mehr auf: Der Tourismus ließ auch in Mayschoß nach, und die Umsätze der Genossenschaft gingen dementsprechend zurück. "Wir mussten nach neuen Wegen suchen", erinnert sich Mies an diese schwierige Zeit.

Statt auf Quantität setzte die Winzergenossenschaft fortan auf Qualität: Besserer Wein sollte her. Und den gab es durch penible Sauberkeit beim Verlesen der Trauben und eine beträchtliche Mengenreduzierung. Zum Vergleich: 1992 noch wurden rund 15 000 Liter Wein pro Hektar erzeugt, heute sind es nur noch 8500 Liter. "Dass da natürlich eine ganz andere Qualität herauskommt, liegt auf der Hand", betont Geschäftsführer Mies. Und er gibt zu: Mit den Weinen, die den "Strohhut-Touristen" früher vorgesetzt wurden, könne man heute nicht mehr am Markt bestehen.

Wohl aber mit den Tropfen, die jetzt von der Winzergenossenschaft produziert werden. Zweimal schon kürte das Fachmagazin Weinwirtschaft die Genossenschaft zur besten Winzergenossenschaft Deutschlands, und für den Weinführer Gault Millau war sie 2000 die "Entdeckung des Jahres". Hier wird sie auch als einzige Winzergenossenschaft mit drei Trauben geführt. Mehrfach erhielt sie den Bundesehrenpreis und den Staatsehrenpreis des Landes Rheinland-Pfalz. Und als einzige ihrer Art wurde sie im Magazin "Der Feinschmecker" in Sachen Wein unter den besten 400 Adressen weltweit gelistet.

"Der Erfolg hat viele Väter", sagt Rudolf Mies. Zum einen betreiben die Winzer der Genossenschaft einfach guten Weinbau. Zum anderen hat die Winzergenossenschaft in den vergangenen 20 Jahren sehr viel Geld in Kellertechnik und Produktionsanlagen investiert. Die dritte Säule des Erfolgs sind die Weinküfer – und da vor allem Kellermeister Rolf Münster. Mit seiner Einstellung im 1988 wurde die Umstellung des technischen Betriebs eingeleitet.

Seitdem ist die Winzergenossenschaft weiter gewachsen: 2009 fusionierte sie mit der Winzergenossenschaft Walporzheim. Aktuell hat die Genossenschaft 411 Mitglieder. Die Winzer kommen aus Mayschoß, Altenahr und Walporzheim, einige auch aus Rech. Auf 150 Hektar Rebfläche, verteilt auf die ganze Ahr, werden die Trauben angebaut, die alljährlich zu mehr als 80 verschiedenen Weinen verarbeitet werden. "Wir sind mit unseren Mitgliedern fast an jeder Lage an der Ahr vertreten", sagt Rudolf Mies nicht ohne Stolz. Schwerpunkt ist und bleibt aber die Oberahr mit rund 100 Hektar Rebfläche.

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