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Kreis Ahrweiler

Billige Bonbons bleiben liegen: Was Karnevalsgesellschaften an den tollen Tagen werfen

Beate Au

"Em Himmel jiit et kein Kamelle“, so heißt es in einem der zahlreichen Karnevalslieder der Paveier. Dafür lassen es die Narren in der Region bei den Umzügen umso mehr Süßes von den Wagen regnen. Doch ob Schokolade, Gummibärchen oder Mäusespeck – die Ansprüche an das „Wurfmaterial“ sind gewachsen. Die Karnevalsgesellschaften im Kreis Ahrweiler haben sich darauf eingestellt und sich mit Markenprodukten entsprechend eingedeckt. Und wer soll das bezahlen?

Die Karnevalsgesellschaften werfen längst nicht nur Kamelle. Fruchtgummi, Schokolade, Popkorn, Pralinen und vieles mehr fliegen an den tollen Tagen durch die Luft.
Die Karnevalsgesellschaften werfen längst nicht nur Kamelle. Fruchtgummi, Schokolade, Popkorn, Pralinen und vieles mehr fliegen an den tollen Tagen durch die Luft.
Foto: Archiv Vollrath

Die Antwort darauf ist eindeutig: Ohne Sponsoren geht es nicht. Im Vorfeld wird deshalb fleißig gesammelt und getrommelt. Denn nicht bei jeder Karnevalsgesellschaft schaut wie in der Grafschaft der Goldbär vorbei und setzt seine Pranke beim jährlichen Aufwiegen der Kindertollitäten gegen Gummibärchen und Co. auf die Waage, um sie noch zusätzlich zu beschweren. Diesmal waren es die jüngsten Tanzmitglieder der vier Karnevalsvereine, die bei dieser von Haribo von Bonn auf den künftigen Produktionsstandort Grafschaft ausgedehnte Tradition eine gewichtige Rolle spielten. Am Ende kamen rund 250 Kilo zusammen, die in Wurfmaterial für die Grafschafter Vereine eingetauscht wurden.

Bei den Neuenahrer Schinnebrödern gibt es eine klare Messlatte für den Qualitätsanspruch an Kamelle. „Wir werfen nur das, was wir auch selbst aufheben würden“, sagt der Vorsitzende Rainer Jakobs. Alles andere sei rausgeschmissenes Geld. Angewiesen ist die KG dabei aber auch auf Unterstützer. Da wird den Tollitäten mal ein Briefumschlag mit Geld für Wurfmaterial überreicht. Da sponsert eine Bäckerei Quarkbällchen, eine Metzgerei Mettwürste oder ein Unternehmen hilft mit Kleinspielzeug. „Plastikbälle gehören allerdings nicht dazu. Die landen sowieso in der Tonne“, so Jakobs. Und auch Obst ist tabu.

Ob Handelshof, Kamellebud in Brühl oder Schwadorf in Alfter – auf den Einkauf der Ware für jecke Süßmäulchen haben sich in der Region einige Profis spezialisiert. „Es ist ein Riesengeschäft, deshalb halten wir schon das ganze Jahr über Ausschau nach Sonderposten und Angeboten und probieren die Ware vorher“, sagt Jakobs. Für die Jüngsten auf den Wagen hat die KG Schinnebröder extra leichtes Wurfmaterial wie Müslikekse besorgt, damit sie „keine langen Arme“ bekommen. Auch Popcorn sei bei den Kindertollitäten sehr beliebt. Alle Zugteilnehmer bekommen laut Jakobs außerdem eine Verhaltensregel mit auf den Weg: „Wir befüllen keine einzelnen Tüten direkt am Wagen, denn es gibt in Bad Neuenahr die Unsitte, dass Zuschauer gefährlich dicht neben und hinter den Gefährten herlaufen, um sich die Taschen voll zu machen.“

Für die KG „Bunte Kuh“ in Walporzheim wird selbst das Abholen der per Fax vorbestellten Kamelle bei Schwadorf in Alfter zelebriert. Sämtliche Majestäten sind bei der Abordnung dabei. Seit 24 Jahren trifft man sich immer kurz nach Feierabend. Die Walporzheimer bringen Sekt von der Ahr mit und im Gegenzug genießen die Jecken Rebellenblut in Form von Brombeerwein aus Alfter.

Auf großen Rückhalt in der Bevölkerung bei der Finanzierung des Karnevalszugs, inklusive Musik, können auch die Mitglieder der Karnevalsgesellschaft Rot-Weiß Adenau zählen. Fast jede Firma gibt etwas, wenn die Narren auf Sammeltour sind. Entsprechend lang ist die Liste der Sponsoren. Doch für den Vorstandssprecher Hans-Jürgen Schunck sind es auch die vielen Narren, die mit ihrem Idealismus dabei sind und in Eigeninitiative selbst gekochte Erbsensuppe, Stullen oder kleine Krapfen im Gepäck haben. „Es sind die Hunderte von Jecken, die mit ihren Ideen so viel Freude weitergeben, die den Karneval ausmachen. Ich möchte das ungern nur auf das Materielle beschränken. Es ist das Brauchtum oder auch das Gefühl, das ich habe, wenn ich Kindern auch nur wenige Bonbons in die Tasche stecke. Freude schenken ist eine schöne Tradition – egal mit was.“

Von unserer Redakteurin Beate Au

Der Goldbär war da: Kleine Narren gegen 250 Kilogramm Wurfmaterial aufgewogen

In der Grafschaft haben die Narren gut lachen. Hier werden von Haribo die Kindertollitäten gegen Wurfmaterial aufgewogen.

Die Jüngsten brachten es mit Bürgermeister Achim Juchem auf 250 Kilogramm Wurfmaterial. 
Die Jüngsten brachten es mit Bürgermeister Achim Juchem auf 250 Kilogramm Wurfmaterial. 
Foto: Vollrath

Mangels Prinz oder Prinzessin sprangen diesmal die jüngsten Mitglieder der vier Karnevalsvereine aus der Grafschaft auf die Waage: vom Karnevalsverein Ringener Wendböggele Mira Wollenweber, von der Garde Grün-Weiß Esch Florian Dreser, von den Fidelen Möhnen Birresdorf Sophie Radermacher und vom Möhnenverein Nierendorf Clara Assenmacher.

Bürgermeister Achim Juchem begrüßte den Goldbär zum Wiegen im Rathaussaal. Sven Jacobsen, Leiter der Unternehmenskommunikation der Haribo-Gruppe, betonte, dass das Familienunternehmen mit den rheinländischen Wurzeln dazu beitragen möchte, den Karneval in der Region zu unterstützen.

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