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Bad Neuenahr

Barrierefrei: Im Heilbad hat der Umbau begonnen

Jochen Tarrach

Sieben Stufen sind es bis zum Informationszentrum des Ahrtaltourismus im Alten Rathaus in Bad Neuenahr. Sechs Stufen muss man erklimmen, um in den Schalterraum der Post an der Hauptstraße zu kommen, und drei Stufen sind es bis in den Verkaufsraum der Adler-Apotheke in der Telegrafenstraße.

Unter großem Aufwand wird der Verkaufsraum der Adler-Apotheke in Bad Neuenahr abgesenkt, um Barrierefreiheit herzustellen. Fotos: Tarrach
Unter großem Aufwand wird der Verkaufsraum der Adler-Apotheke in Bad Neuenahr abgesenkt, um Barrierefreiheit herzustellen. Fotos: Tarrach
Foto: Tarrach

Für alle drei Adressen gilt die gleiche Herausforderung: Sie sollen barrierefrei erreichbar sein – laut Paragraf 51 der Landesbauordnung Rheinland-Pfalz (LBauO) ist das sogar vorgeschrieben. Die Lösungen, die im Heilbad gefunden wurden oder werden, um Geschäftsräume für Behinderte, Senioren oder Familien mit Kinderwagen leichter zugänglich zu machen, sind recht unterschiedlich.

Die Adler-Apotheke zählt zu den schönsten Gebäuden im Heilbad.
Die Adler-Apotheke zählt zu den schönsten Gebäuden im Heilbad.
Foto: Tarrach

Während die Adler-Apotheke derzeit dabei ist, in ihrem historischen Haus umfangreiche Umbaumaßnahmen durchzuführen, haben andere Einrichtungen bereits die Barrierefreiheit geschaffen. Der Ahrtaltourismus ist in Zukunft barrierefrei über den gläsernen Flur des neuen Are-Vital-Gebäudes in der Bergstraße über den Hintereingang zu erreichen. Ein Fahrstuhl steht dort Kunden mit Gehbehinderung, Rollstuhlfahrern oder Eltern mit Kinderwagen zur Verfügung. Die Post stellt Barrierefreiheit her, indem sie ebenfalls direkt gleich links neben dem Eingang, von außen kaum sichtbar, einen Fahrstuhl installiert hat, der die sechs Stufen überwindet.

Ein wesentlich größeres Problem hat da Katharina Jamitzky. Seit 2001 leitet sie die 1903 gegründete Adler-Apotheke mit ihrer schönen Tuffsteinfassade in der Telegrafenstraße 32. Es ist die älteste Apotheke der Kurstadt. Damals war Barrierefreiheit noch kein Thema. Dafür umso mehr der Hochwasserschutz. Alte Fotos dokumentieren ein Hochwasser, das die Telegrafen- und Poststraße zum Beispiel am 13. Juni 1910 völlig unter Wasser setzte. Um Schäden vorzubeugen, wurden die Häuser einfach einige Stufen über das Straßenniveau gesetzt. Doch was damals sinnvoll und logisch war, ist heute oft eine Last. Wer kann, hat inzwischen einen barrierefreien Zugang von der Rückseite geschaffen, so zum Beispiel die Kreissparkasse in der Telegrafenstraße. Die Geschäftsräume der St.-Barbara-Apotheke in der Poststraße 41 sind über eine große Rampe vor dem Gebäude zu erreichen.

Bei der Adler-Apotheke ist das aber nicht möglich. Um nun das Geschäft weiter gemäß den Vorschriften der Apothekenbetriebsordnung betreiben zu können und um wettbewerbsfähig zu bleiben, muss Katharina Jamitzky umfangreich umbauen. Immerhin gibt es allein in Bad Neuenahr sechs Apotheken – und alle wollen ihren Schnitt machen. „Das sind im Durchschnitt nicht mehr als in anderen Städten auch“, so Oliver Liers, der die Dahlien-Apotheke in der Hauptstraße 107 betreibt. Doch der Wettbewerb sei auch hier härter geworden und man müsse um jeden Kunden kämpfen. Ein Problem für die Adler-Apotheke war es bisher, dass gehbehinderte Kunden draußen vor der Apotheke bedient werden mussten, da sie die Stufen oft nicht hinauf kamen. „Es ist schwer, in einem solch alten, denkmalgeschützten Haus eine passende Lösung zu finden“, berichtet Katharina Jamitzky.

Viele Verhandlungen mit Architekten und Denkmalschützern waren notwendig, um einen gangbaren Weg zu finden. Die beste Lösung sei sicherlich ein Lift, so wie in der Post, aber ein solcher ließe sich hier nicht einbauen, berichtet Jamitzky. So wird nun der Eingang von der Seite in die Mitte des Hauses verlegt und der Verkaufsraum teilweise abgesenkt, so dass er barrierefrei zu erreichen ist.

Die ursprüngliche Dreiteilung der Außenfassade erlebt dabei eine Renaissance. Die beeindruckende alte Inneneinrichtung aus Holz, die der Apotheke ihren ganz besonderen Charme gibt, bleibt dabei in ihrer Form erhalten. Bereits in drei Wochen soll alles fertig sein. Bis dahin geht der Betrieb in einem Nebenraum weiter, allerdings noch nicht barrierefrei.

Von unserem Mitarbeiter
Jochen Tarrach

Historie

Viel ist in den Aufzeichnungen über das alte Bad Neuenahr bezüglich der Historie der Adler-Apotheke nicht zu lesen. Selbst im Standardwerk über Bad Neuenahr, dem Buch „Die Straßen von Neuenahr“, herausgegeben von der Ortsgruppe des Eifelvereins sowie den Geschichtsfreunden Bad Neuenahr, werden das Gebäude und die Adler-Apotheke nur mit einem kurzen Satz gewürdigt. Das Gebäude mit seiner „reizvollen Fassadengestaltung aus Tuffstein“ (Hubert Rieck: Aus der Geschichte des Heilbades, Heimatjahrbuch 1996) wurde im Jahr 1903 als erste Apotheke am Ort unter Leitung des Architekten Oscar Schütz gebaut.

Schütz hat zu dieser Zeit auch das prächtige Kurhaus mit seinem Barocksaal gebaut und war deswegen in der Kurstadt ein bekannter Baumeister. Die Inschrift „Mein Haus Meine Welt“ ist noch heute als Inschrift auf der ursprünglichen Fassade der alten Adler-Apotheke von Rath & Wantzen zu lesen. Betreiberin der Adler-Apotheke ist seit dem Jahr 2001 Katharina Jamitzky. tar

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