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Altenahr: Das Partyimage ist längst abgelegt (29)

Seit den 1950er-Jahren war Altenahr mehr als 30 Jahre einmal das, was Mallorca heute ist: eine einzige große Partymeile.

Von unserer Mitarbeiterin Petra Ochs

An den Sommer- und Herbstwochenenden walzten sich noch bis in die 80er-Jahre hinein die Menschenmassen durch die Straßen des Örtchens, das, rechnet man die Bürger aus den Ortsteilen Kreuzberg, Altenburg und Reimerzhoven ab, selbst nur rund 800 Einwohner zählt.

„Wer an der Ahr war und weiß, dass er da war, der war nicht an der Ahr“: Dieses geflügelte Wort wurde in der Hochzeit des mehr als weinseligen Feiertourismus geprägt. Der seitdem vollzogene Wandel im Ahrtaltourismus ist nirgendwo anders besser spürbar als in Altenahr, denn hier ist er am gravierendsten. Die Zeiten, in denen an den Wochenenden viele Bus- und Bahnladungen an feierfreudigen Touristen abgesetzt wurden, sind schon lange vorbei.

Und doch hat es in Altenahr nie so hohe Übernachtungszahlen gegeben wie jetzt. Wie das kommt? Der malerisch am Nordostrand des beeindruckenden Ahrgebirges gelegene Ort ist inzwischen rund ums Jahr ein Anziehungspunkt, und zwar nicht mehr nur für feierfreudige Bustouristen, sondern auch für Weinliebhaber sowie für Wander- und Natur- enthusiasten.

Altenahr ist auch Sitz der gleichnamigen Verbandsgemeinde. Hier ein Blick auf das Altenahrer Rathaus. Foto: Petra Ochs
Altenahr ist auch Sitz der gleichnamigen Verbandsgemeinde. Hier ein Blick auf das Altenahrer Rathaus.
Foto: Petra Ochs

„Der Wunsch nach Qualität ist gewachsen“, hat Altenahrs Bürgermeister Rüdiger Fuhrmann beobachtet. Das gilt für den Ahrwein. Doch längst nicht nur für den: Auch die touristischen Dienstleister haben sich auf den Trend zu mehr Qualität hin eingestellt. Zu den touristischen Spitzenzeiten sorgten sich ehedem rund 50 gastronomische Betriebe – private Pensionen nicht mitgerechnet – um das Wohl ihrer Gäste. Heute sind es immerhin noch um die 30 Betriebe – und darunter eben auch immer mehr mit einer gehobeneren Gastronomie.

Den Beginn des Fremdenverkehrs in Altenahr markiert der Bau des Straßentunnels im Jahr 1834, denn erst danach gab es überhaupt eine durchgehende Straßenverbindung ins restliche Ahrtal. Für damalige Verhältnisse war der Felsdurchbruch ein architektonisches Wunderwerk, das schon in der Bauphase selbst zur Sehenswürdigkeit wurde.

Doch auch zuvor hatte der Ort für Aufsehen gesorgt. „Die Künstler haben Altenahr bekannt gemacht“, betont Altenahrs „Ortshistoriker“ Ignaz Görtz: Vor allem Maler der Düsseldorfer Schule ergötzten sich an der malerischen Kulisse des Weinbauörtchens und verliehen ihm durch ihre Kunst eine gewisse Bekanntheit.

In der Altenahrer Chronik des Jahres 1835 war dann erstmals von „regem Fremdenverkehr“ die Rede: Die Burg Are zählte 5000 Besucher, die sich die Besichtigung der Ruine jeweils fünf Silbergroschen kosten ließen. Und schon in dieser touristischen Anfangszeit gab es einige Hotels im Ort. Um die Jahrhundertwende kamen vor allem Niederländer und Belgier. Erst zu Zeiten des Ersten und Zweiten Weltkriegs wurde es deutlich ruhiger in Altenahr. Der Bombenkrieg hinterließ glücklicherweise aber kaum Spuren, sodass der Fremdenverkehr in der Nachkriegszeit bald wieder an Fahrt aufnehmen konnte.

1953 kam die Ende 2011 geschlossene Seilbahn, die auf den 354 Meter hohen Ditschardt-Berg führte, als touristische Attraktion hinzu. Schon zuvor hatte das große Feiern begonnen, und an den Herbstwochenenden machten bis zu 15 Sonderzüge am Bahnhof halt, um von Bürgermeister und Weinkönigin empfangen zu werden. „Einmal haben wir erlebt, dass unsere Bahnsteige für den ganzen Zug nicht lang genug waren“, erinnert sich Ignaz Görtz.

Nur noch als Ruine erhalten ist die Burg Are. Die imposanten Mauerreste verbreiten einen morbiden Charme. Schilder weisen auf die Historie hin. Foto: Petra Ochs
Nur noch als Ruine erhalten ist die Burg Are. Die imposanten Mauerreste verbreiten einen morbiden Charme. Schilder weisen auf die Historie hin.
Foto: Petra Ochs

Und das soll schon was heißen: Die Bahnsteige nämlich waren in der NS-Zeit für Kraft-durch-Freude-Fahrten ausgebaut worden. „Sonderzüge gibt es heute keine mehr“, resümiert Bürgermeister Fuhrmann. Stattdessen locken rund ums Jahr Veranstaltungen nach Altenahr – von den Ostergrüßen über den Weinsommer zum romantischen Burgenfest, von den Weinfestwochenenden und der Maateljass, dem Erntedankfest der Winzer, zu den Sternstunden. Doch nach wie vor ist die Zeit der Weinlese die für Besucher attraktivste Zeit. „Es ist verrückt, was sich hier in September und Oktober abspielt“, sagt Fuhrmann.

Der Tourismus ist neben etwas Gewerbe noch immer die Haupteinnahmequelle der Altenahrer. Infrastrukturell ist der Ort gut aufgestellt. Es gibt je zwei Ärzte, Zahnärzte und Apotheken, eine Grund- und eine Realschule plus in Altenburg, eine Kita, ein Seniorenheim und mehrere Vereine: Sportverein, Burgenverein, Karnevalsfreunde, Blasorchester, Eifelverein und Feuerwehr. Das Pro-blem: Für die Dinge des täglichen Bedarfs müssen die Altenahrer ein ziemliches Stück fahren. Die Einwohnerzahl ist leicht rückläufig, doch dem soll entgegengewirkt werden: In Altenahr und Kreuzberg werden derzeit Baugebiete entwickelt.

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