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Kreis Ahrweiler

Abfuhr für die Tonne: Müll im Kreis Ahrweiler wird nicht gut genug getrennt

Celina de Cuveland

Bis zu 30 Prozent Restmüll landen im Kreis im Biomüll, doch die Müllabfuhr musste die Tonnen mitnehmen. Das ändert sich jetzt.

Ekel empfindet Müllwerker Daniel Deuster eigentlich nicht mehr, wenn er den Deckel der Biotonne aufklappt.
Ekel empfindet Müllwerker Daniel Deuster eigentlich nicht mehr, wenn er den Deckel der Biotonne aufklappt.
Foto: Celina de Cuveland

Als Daniel Deuster den Deckel öffnet, entweicht der Tonne ein widerwärtiger Geruch. Vor allem vergammelte Essensreste sind in der Biomülltonne in der Himmelsburger Straße bei der Hitze zu einem abartigen Geruchsinferno herangewachsen. Deuster verkneift sich ein Grinsen. Ja, wer diesen Gestank nicht gewohnt ist, den schlägt er für gewöhnlich in die Flucht. Und wenn der Geruch nicht reicht, dann tun es spätestens die Maden, die sich in vielen Biomülltonnen bei der Hitze im Kreis nur so tummeln. Dem 31-Jährigen macht beides nichts mehr aus. Seit 6 Jahren arbeitet er bei Remondis, der Firma, die den Biomüll rund um die Kreisstadt abholt. Deuster hat schon vieles gesehen. Er ärgert sich aber eigentlich nur noch über eines.

Darüber, wie die Mülltrennung bislang im Kreis gelaufen ist. Die will nämlich nicht so recht funktionieren. Sein Kollege Bruno Krechel fährt den Müllwagen, in den Deuster Tonne für Tonne hineinkippt. Er sagt: „Der Anteil von Restmüll, der im Biomüll landet, ist hier schon recht hoch. Ich würde schätzen, dass etwa 30 Prozent des Mülls, den wir aus braunen Tonnen einsammeln, eigentlich Restmüll ist.“ Die Option, die Tonne stehen zu lassen, haben die Müllmänner aber nicht. Sie dürfen nicht einmal mehr den Inhalt der Tonnen kontrollieren. „Der AWB kontrolliert und sortiert den Müll, wenn wir ihn dort abliefern. Es kommt echt oft vor, dass Bürger dann oben in die Tonne ein wenig Biomüll kippen und unten drunter ihren ganzen Restmüll verstecken.“

Dieses System soll sich jetzt aber ändern: Weil ein vollständiges Aussortieren des Restmülls aus dem Biomüll, nach Angaben der Kreisverwaltung, technisch nicht möglich sei, sollen in Zukunft die Mitarbeiter der Abfallwirtschaftsbetriebe des Kreises den Biomüll kontrollieren. Mit gelben und roten Karten werden sie künftig Mülltonnen markieren, die noch besser sortiert werden können.

Die AWB befestigen bei erstmaliger falscher Befüllung einen gelben Anhänger an der Tonne. Wird noch mal nicht richtig befüllt, bekommt diese Tonne von den Mitarbeitern die rote Karte. Konsequenz: Die Tonne bleibt ungeleert stehen, bis sie nachsortiert wird. So soll die Qualität des Kompostes, der aus dem Biomüll der Haushalte entsteht und schließlich auf den Feldern der Landwirte im Kreis landet, verbessert werden.

Das Problem: Bleibt die Tonne bei den aktuellen hohen Temperaturen länger am Straßenrand stehen als eine Woche, wird sie zum Schlaraffenland für allerlei Getier. Vor allem Maden nisten sich dann häufig in der Tonne ein. Müllwerker Daniel Deuster weiß jedoch, was gegen Maden in der Mülltonne hilft.

Nämlich vor allem Mehl, Kalk oder Gartenabfälle. All das hält die Maden auch bei dem warmen Wetter verlässlich fern. Jede Woche fährt die Firma Remondis mit ihrem großen Müllautos durch die Straßen im Kreis und kippt Tonne für Tonne stinkenden Biomüll in den großen Bauch des Fahrzeugs. Im Winter wird die Tonne nur alle zwei Wochen geleert – die kühleren Temperaturen erwecken den Inhalt der Tonnen nicht so schnell zum Leben. „Tatsächlich fahre ich liebe Biomüll als Restmüll“, gibt Deuster zu. „In der braunen Tonne landen nämlich keine Fäkalien, zum Beispiel in Windeln. Und an den Geruch gewöhnt man sich. Den rieche ich schon gar nicht mehr.“ Deuster ist gelernter Metzger, mit Gerüchen hat er keine großen Probleme. Ob das auch noch im kommenden Jahr so ist, wenn falsch gefüllte Tonnen stehen gelassen werden, bleibt abzuwarten.

Von unserer Mitarbeiterin Celina de Cuveland

Tipps: Von Zeitungspapier bis zu gelöschtem Kalk

Der Abfallwirtschaftsbetrieb Kreis Ahrweiler gibt Tipps, worauf man achten sollte, um Maden im Biomüll zu vermeiden:

  • Das Besprühen mit einer konzentrierten Salz- oder Essiglösung oder Orangenöl kann Maden beseitigen. Chemische Insektenmittel soll man nicht verwenden, denn sie gefährden Gesundheit und Umwelt.
  • Eiweißhaltige Speisen wie Fleischreste sollten nie lose in die Biotonne geworfen, sondern in Zeitungspapier gewickelt werden.
  • Die Tonne in den Schatten stellen.
  • Gesteinsmehl oder gelöschten Kalk aus dem Baumarkt einstreuen. Das trocknet die Maden aus.
  • Die Biotonne soll man mit Zeitungen auslegen, um Feuchtigkeit aufzusaugen und nach der Leerung die Tonne mit klarem Wasser ausspülen.  dcc
Bad Neuenahr-Ahrweiler
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