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    Waldböckelheim/Bockenau

    Wirtschaft boomt: Betriebe wollen an die neue B 41 – Kreisplaner warnt vor Zersiedelung

    Betriebe bräuchten es dringend, doch in Bockenau gibt es kein Gewerbeland (wir berichteten am vergangenen Samstag). Kein Wunder, dass der Blick Bauwilliger an die neue B 41 bei Waldböckelheim geht.

    Die neue B 41 bei Waldböckelheim ist freigegeben. Und schon will alles dort ansiedeln. Kreisplaner Manfred Schäfer warnt vor einer Zersiedelung entlang der Bundesstraße.
    Die neue B 41 bei Waldböckelheim ist freigegeben. Und schon will alles dort ansiedeln. Kreisplaner Manfred Schäfer warnt vor einer Zersiedelung entlang der Bundesstraße.

    Von unserem Redakteur Stefan Munzlinger

    Dort entsteht in Toplage auf knapp 3 Hektar (Nettofläche ohne Grün und Straßen) ein attraktives Areal für Firmen. 1,2 Hektar gehen an zwei geplante Märkte (Rewe und Aldi), bleiben rund 1,8 Hektar für andere Betriebe. Zehn heimische Interessenten, etwa aus dem nahen Schloßböckelheim, der Branchen Kfz, Ex-/Import, Logistik und Spedition wollen hier bauen.

    Die Nachfrage nach diesem Gebiet ist anhaltend groß, Grund für den Gemeinderat um Ortsbürgermeister Helmut Schmidt (SPD), am 3. Februar über eine Erweiterung des Areals, das noch gar nicht erschlossen ist, nachzudenken. Weitere und maximal 2,5 Hektar brutto (netto: etwa 2 Hektar) sollen hinzukommen. Problem: Bei Gebiet 1 ist die Gemeinde Alleineigentümer aller Flächen, Erschließung und Vermarktung liegen in einer Hand. Im möglichen Erweiterungsgebiet muss erst noch mit acht Grundbesitzern verhandelt werden.

    Das Gesamterschließungsprojekt könnte die Gemeinde bis zu 1 Million Euro kosten. Vorausgesetzt, alle Genehmigungen laufen rasch – und die Bad Sobernheimer bleiben nicht bei ihrem anhaltenden Widerstand gegen die beiden mit den Märkten der Felkestadt konkurrierenden Discounter –, könnten im Herbst die Straßenbauten beginnen und kurze Zeit später die ersten Firmenhallen hochgezogen werden.

    Danach, das betont der Ortsbürgermeister, sei die „Tür an der B 41 aber zu“. Denn weiter wahrlos Gewerbegebiet ausweisen in Richtung Weinsheim und Hüffelsheim? „Das geht nicht, weil wir dann auf eine Höhenlinie kämen, die weitere Lärmschutzbauten zur Folge hätte.“ Also gilt für die zurzeit begehrte Waldböckelheimer Lage laut Ortsbürgermeister Schmidt: „Wir können und wollen sie nicht auf Teufel komm raus erweitern.“

    Dann, betont Schmidt, lieber ein weiteres Wohnbaugebiet im Dorf realisieren. Momentan hat die Gemeinde noch drei Baugrundstücke in Ortslage. Schmidt schwebt ein Gebiet zwischen Friedhof und B 41 für rund 40 bis 50 Plätze vor. Der Bodenrichtwert liegt bei 90 Euro pro erschlossenem Quadratmeter, zwischen 100 und 130 könnten dort am Ende verlangt werden, denn das Land ist in Privathand. Das Preisgefüge regelt allein der Markt und nicht die graue Theorie.

    Nichts gegen heimische Betriebe, im Gegenteil – doch für Ortsbürgermeister Schmidt ist ein solches Neubaugebiet, finanziell betrachtet, momentan bedeutender für die Gemeinde als ein neues Gewerbegebiet. Denn die Einkommensteueranteile liegen im Jahr bei rund 900 000 Euro, die Einnahmen aus der Gewerbesteuer nach Abzug von VG- und Kreisumlage weit darunter: bei 250 000 Euro. Ferner helfe ein solches Wohngebiet, den Rückgang der Einwohnerzahl zu stoppen. In den vergangenen acht Jahren hat Waldböckelheim zwischen 600 und 800 Bürger verloren – Stand heute: 2250 Einwohner.

    Gewerbegebiete so weit das Auge reicht? Eine Horrorvorstellung für Kreisplaner Manfred Schäfer. Und auch wieder nicht, denn allen Ernstes kann es ihn nicht stören, wenn heimisches Gewerbe, vom aktuellen Wirtschaftsboom befeuert, seine Expansionspläne umsetzen möchte, etwa an der neue B 41 bei Waldböckelheim, für das es jetzt schon einige Interessenten mehr als Fläche gibt.

    Dass die Blicke nach Waldböckelheim gehen, hat auch damit zu tun, dass der Bockenauer Ortsbürgermeister Jürgen Klotz schon seit Jahren nach Erweiterungsland für anfragende heimische Betriebe sucht. Nichts zu machen, egal, an welcher Ecke man dort sucht. Die Tallage des Dorfs erschwere das Finden solcher Flächen, weiß auch Kreisplaner Manfred Schäfer: „Die Gewerbeansiedlung scheitert in Bockenau an allem, an der Topografie, an Lärmschutz und Landschaftspflege.“ Die einzige Fläche, der Parkplatz bei Hay, werde vom Kfz-Zulieferer selbst benötigt. Was Manfred Schäfer aber auch und nicht nur für Bockenau betont: „Wenn ein konkreter Antrag Ansiedlungs- oder Erweiterungswilliger vorliegt, ist die Kreisplanung bereit, zu prüfen und zu helfen.“

    Gewerbeflächen – häufig würden Wünsche aus allen Teilen des Kreises an ihn herangetragen: „Begehrlichkeiten gibt es immer.“ Schäfer nennt Beispiele: etwa entlang der L 236 von Waldlaubersheim kommend bis Windesheim und Guldental. Oder bei Roxheim ins Gräfenbachtal hinein. „Jeder will, dass sich überall Betriebe ansiedeln können.“ Ergebnis seien am Ende hässliche Gewerbebrachen wie eine Fläche bei Roxheim in Richtung St. Katharinen. Bandartige Gewerbeansiedlungen an der B 41 oder wo es jedem passt? Das müsse man vermeiden, argumentiert der Kreisplaner gegen eine daraus folgende Zersiedelung.

    „Vorsicht“, warnt Manfred Schäfer außerdem, „ein Gewerbegebiet ist in den seltensten Fällen schön.“ Und: Gewerbegebiete seien keine Wohngebiete: „Klar, den Hightechbetrieb mit gepflegtem Rasen und kleinem See wollen alle, doch den gibt es meist nicht.“

    Für den Kreisplaner stellt sich ständig die Frage, ob sich eine Ballung von Gewerbe an prominenter Stelle wie an der neuen B 41, dem Zubringer auch von Touristen, mit dem Anspruch, Weinregion sein zu wollen, vertrage. Für ihn optisch ein eher „abschreckendes“ Beispiel: das Gewerbegebiet bei Waldlaubersheim, auch wenn es Arbeitsplätze und Gewerbesteuer bringe. Von allen herbeigerufen – Manfred Schäfer: „Alle wollten es damals“ – hätte sich mittlerweile mancher angesichts riesiger Hallen und trostloser Asphaltflächen abgewendet: „Wir hätten nicht gedacht, dass das eines Tages mal so aussieht.“

    Ihm gehe es auch und vor allem um die Bestandspflege, betont Schäfer, sei es für Hay in Bockenau und Sobernheim oder die Polymer-Chemie nebenan, sei es für die Simona in Kirn oder für Bito in Meisenheim. Ihnen allen habe die Kreisplanung schon „vielfach geholfen“, als es um die Erweiterung bestehender Gebäude ging. Was für ihn vor vornherein ausscheidet, ist eine Angebotsplanung, also die Ausweisung von Gewerbeflächen auf Vorrat wie bei Baumholder (Ökompark Heide-Westrich auf 47 Hektar), vor allem aber nach der Wiedervereinigung im Osten: „Dort wurden Straßen erschlossen und Kanaldeckel verlegt, die kein Mensch braucht.“ So etwas werde es an der Nahe nicht geben, bekräftigt Schäfer und beschreibt „rosarote Luftballons“ beim Thema Gewerbeansiedlung. Sein Beispiel: der einst vehement beworbene und längst beerdigte „Pro Welt“-Park auf dem ehemaligen Nato-Flugplatz Pferdsfeld.

    Anders sei das bei vorausschauenden Planungen wie für das mögliche Krebstherapiezentrum auf dem Sobernheimer Dörndich (frühere Kaserne). Hier mit einem Bebauungsplan in Vorleistung zu gehen, sei nicht verkehrt, so Schäfer, denn: „Ein Krebstherapiezentrum. Wenn nicht dort, wo sonst?“

    Für Norbert Olk, Chef des Landesbetriebs Mobilität Bad Kreuznach, ist klar: Die aktuellen B 41-Anbindungen, etwa bei Waldböckelheim, Rüdesheim und Weinsheim seien auch tauglich, wenn es gelte, neue Gewerbegebiete zu erschließen. Würden weitere Anbindungen an die Bundesstraße gewünscht, müsse der zahlen, der sie haben will: „Die Gemeinden hat ja dann auch was davon.“ Möglich, dass die ein oder andere Landesstraße mit einem Kreisel zusätzlich versehen werden müsste, wenn es um eine Abfahrt in ein Gewerbegebiet gehe, aber auch die zahle dann die beantragende Gemeinde.

    Gerd Strauß: Noch sind 10 Hektar Gewerbeland an der A 61 bei Waldlaubersheim zu haben

    Kaum wird um Ansiedlungsflächen an Waldböckelheims neuer B 41 Gewerbegebiet gerungen, da meldet sich auch schon Gerd Strauß, einstiger Ortsbürgermeister Waldlaubersheims und heute ehrenamtlicher Geschäftsführer der Gesellschaft für Gewerbeansiedlung mbH der VG Stromberg (GGS), zu Wort. Er vermarktet das an der A 61 liegende Gewerbegebiet Waldlaubersheim. Noch etwa 10 Hektar (15 bis 18 Grundstücke) Land mit erschlossenen Straßen, Wasseranschluss, getrennten Abwasserkanälen, Strom, Gas und schnellem Internet seien zu haben. 44 Hektar sind bereits verkauft und fast vollständig bebaut. Die größte zusammenhängende Fläche könne auf bis etwa 3 Hektar zugeschnitten werden, so Strauß. Die übrigen Flächen sind grundsätzlich veränderbar, liegen zwischen etwa 1200 bis 15 000 Quadratmetern. Preis: rund 50 Euro pro vollerschlossenem Quadratmeter; das sei geringfügig abhängig von der Lage und der Parzellendichte, also vom Erschließungsaufwand. mz

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