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Bad Kreuznach

Winzer hoffen auf Spitzenjahrgang, Bauern fürchten Missernte

Zwischen himmelhoch jauchzend und zu Tode betrübt schwankt derzeit die Stimmung bei vielen, die vom Wetter abhängig sind. Bauern beklagen die größte Trockenheit seit 100 Jahren, Winzer sehen viele ihrer Weinberge (wenn sie nicht vom Frost befallen wurden) vor einem absoluten Spitzenjahrgang.

Die Rebblüte ist in vollem Gange, vielfach sogar schon abgeschlossen. Das verspricht einen langen Reifezeitraum, in dem freilich noch viel passieren kann. DLR-Weinbauberater Oswald Walg sieht das Jahr auf einer ähnlichen Linie wie 1976. Für Winzer war's gut, für Bauern katastrophal. Die Viehhalter mussten Stroh füttern.
Die Rebblüte ist in vollem Gange, vielfach sogar schon abgeschlossen. Das verspricht einen langen Reifezeitraum, in dem freilich noch viel passieren kann. DLR-Weinbauberater Oswald Walg sieht das Jahr auf einer ähnlichen Linie wie 1976. Für Winzer war's gut, für Bauern katastrophal. Die Viehhalter mussten Stroh füttern.
Foto: Armin Seibert

Bad Kreuznach – Zwischen himmelhoch jauchzend und zu Tode betrübt schwankt derzeit die Stimmung bei vielen, die vom Wetter abhängig sind. Bauern beklagen die größte Trockenheit seit 100 Jahren, Winzer sehen viele ihrer Weinberge (wenn sie nicht vom Frost befallen wurden) vor einem absoluten Spitzenjahrgang.

Der ersehnte Regen Mitte der Woche war im Naheland kaum der Rede wert: Sechs Liter erhöhten die Mai-Bilanz auf magere 10,8 Liter. Mit bisher gemessenen 87 Litern in fünf Monaten 2011 fiel weniger Regen als im Dezember (96 Liter). Während in den Weinbergen die Zeichen dank viel Sonne und hohen Temperaturen auf einen Spitzenjahrgang hinweisen, gehen Landwirte der Region von einer Missernte aus.
 DLR-Pflanzenbauberater Dr. Stefan Weimar (Windesheim) sieht bei Gerste und Roggen irreparable Trockenschäden. Auf flachgründigen Gesteinsverwitterungsböden ist die Abreife in vollem Gange, die Äcker werden gelb. Trockenschäden sind in den Weinbergen mit Ausnahme einiger Jungfelder kaum festzustellen, sagt Weinbauberater Oswald Walg (Schlossböckelheim). Bis Mitte Juni gebe es wenig Probleme. „Es geht aber allmählich ans Eingemachte“, sagt sein Kollege Dr. Edgar Müller (Bockenau): Das Längenwachstum habe sich verlangsamt, am heißen Dienstag zeigten manche Reben schon Wasserstress.
 Bislang sind die Winzer aber entspannt – zumindest die, die von den Mai-Spätfrösten verschont blieben. Die Nahe ist mit rund vier Prozent stark geschädigter Anlagen und acht Prozent Teilschädigung relativ glimpflich davongekommen. Ausfälle in Millionenhöhe gab es indes in Franken, Württemberg, der Pfalz und Rheinhessen. Besonders betroffen: Dornfelder. Weil die Sorte am Markt stark gefragt ist, steigen die Fassweinpreise, bewegen sich Richtung zwei Euro je Liter.
 Da kommt den Winzern nach mengenmäßig kleinen Jahrgängen die ideale Entwicklung in hiesigen Weinbergen gerade recht. Die Gescheinsbildung ist in den vom Frost verschonten Weinbergen ideal, denn im dafür entscheidenden Zeitraum (Juni/Juli 2010) war es sonnig und warm. Das gleiche gilt für die Anzahl der Blüten, die im März/April „festgelegt“ werden. Auch dort gab es „Sonne satt“. Und weil nun die Rebblüte zügig vorangeht und keine Verrieselungsschäden wie 2010 drohen, entwickeln sich die Trauben prächtig. Dornfelder-Gescheine weisen auf kiloschwere Trauben hin – fast zu viel des Guten? Ausdünnen werden 2011 nicht viele Winzer, glaubt Oswald Walg. Doch zu dicke und kompakte Beeren könnten bei frühem Herbst schnell faulen. Walg: „Das Pendel kann in beide Richtungen ausschlagen. Trockenstress und Notreife oder aber Platzen und Fäulnis bei nassem Sommer.“ Vielleicht wird's aber wie 1976, dem „Referenzjahr“ (wie diesmal 86 Liter Regen bis Ende Mai). Damals wurde es ein Traumjahrgang: Reif und haltbar (mehr vom Wetter auf der Wetterseite nächste Woche).

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