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Kreis Bad Kreuznach

Wenn es um jede Sekunde geht: In 15 Minuten sind die Retter meistens da

Cordula Kabasch

Kreis Bad Kreuznach. Bei Notfällen geht es um jede Sekunde. 15 Minuten gelten nach den Vorgaben des Landes Rheinland-Pfalz als Zeitrahmen zwischen dem Eingang der Notfallmeldung in der Leitstelle und dem Eintreffen der Retter am Einsatzort. In mindestens 95 Prozent der Fälle soll das eingehalten werden. Im Kreis Bad Kreuznach erfüllen die Retter diese Vorgabe, wobei es jedoch im südlichen Soonwald teilweise zu Verzögerungen kommt.

Von der Leitstelle Bad Kreuznach aus werden rund 120.000 Einsätze pro Jahr koordiniert.  Foto: DRK
Von der Leitstelle Bad Kreuznach aus werden rund 120.000 Einsätze pro Jahr koordiniert.
Foto: DRK

Eine Analyse des SWR hatte auf Basis von Daten des rheinland-pfälzischen Innenministeriums ergeben, dass die Rettungsdienste auf dem Land teilweise zu lange brauchen, um an den Einsatzort zu kommen. Im Kreis Bad Kreuznach scheint das Problem auf den südlichen Soonwald zuzutreffen, wie Dr. Guido Scherer erklärt, Leiter des ärztlichen Rettungsdienstes für den Bereich Bad Kreuznach und Rheinhessen. „Die Erhebungen sind noch nicht abgeschlossen, wir haben aber den Eindruck“, erklärt er.

Der DRK-Rettungsdienst Rheinhessen-Nahe betreibt im Auftrag des Landes zwei Leitstellen. Die Leitstelle in Mainz ist dem Rettungsdienst vorbehalten und koordiniert alle Einsätze im Bereich Rheinhessen. Die integrierte Leitstelle Bad Kreuznach ist nicht nur für die Rettungsdiensteinsätze, sondern auch für die Feuerwehr zuständig und nimmt Hilfeersuchen aus den Kreisen Bad Kreuznach, Birkenfeld und Rhein-Hunsrück entgegen. Damit koordiniert sie alle Einsätze von Rettungsdienst und Feuerwehr für ein Gebiet von 2600 Quadratkilometern und rund 347.000 Einwohner. Betrieben wird die Leitstelle im Auftrag des DRK-Landesverbandes.

Von der Leitstelle Bad Kreuznach aus werden rund 120.000 Einsätze pro Jahr koordiniert, in Mainz sind es rund 200.000. Rund um die Uhr nehmen Notfallsanitäter und Rettungsassistenten (zum Teil mit einer Zusatzausbildung zum Feuerwehrmann) im Dreischichtsystem Anrufe entgegen. Sie arbeiten in Bad Kreuznach an fünf, in Mainz an sechs Plätzen. Ein bis zwei Reservearbeitsplätze werden etwa bei Unwettern oder Großschadenslagen genutzt.

Wie lange die Rettungsfahrzeuge brauchen, bis sie am Einsatzort eintreffen, ist jedoch im Einzelfall schwer zu erheben, sagt Dr. Guido Scherer. „Rheinland-Pfalz ist das einzige Bundesland, in dem Daten aufgrund von tatsächlich gefahrenen Einsätzen erhoben werden“, führt er aus. Riesige Datensätze müssen per Computer ausgewertet werden. Noch sei das Land damit nicht fertig. Das Problem: Es müssten „virtuelle Räume“ geschaffen werden, um eine Statistik erstellen zu können.

Scherer erläutert: „Stellen Sie sich eine abgelegene Ortschaft vor, in der im Jahr vier Einsätze gefahren werden. Dreimal waren die Rettungskräfte erst in 20 Minuten da. Da ist die Quote nicht erfüllt. War es nur ein Einsatz innerhalb der 15 Minuten, hat man eine 100-prozentige Quote.“ Eine Überlegung sei, eine Rettungswache in Kreershäuschen einzurichten, um das Gebiet im südlichen Soonwald besser versorgen zu können. Doch das sei noch nicht spruchreif.

Das Problem, dass Einsatzkräfte auf dem Land zum Teil länger zum Notfallort brauchen, ist auch der zuständigen Rettungsdienstbehörde in der Kreisverwaltung bekannt. „Die Standorte der Rettungswachen werden unter dem Gesichtspunkt der Optimierung überprüft“, sagt Benjamin Hilger, Sprecher der Kreisverwaltung. Möglicherweise müssen Rettungswachen versetzt werden. Welche und wo – das ist alles noch offen. Im Kreisgebiet gibt es Rettungswachen in Bad Kreuznach, Bad Sobernheim, Meisenheim, Kirn und Stromberg. Darüber hinaus kooperiert die Kurstadt mit dem Malteser Hilfsdienst und dem Arbeiter-Samariter-Bund (ASB).

Der SWR hatte für seine Recherche mehrere Tausend Rettungsdienstdaten in Rheinland-Pfalz ausgewertet. Mehr als 15 Prozent der Bevölkerung sollen den Ergebnissen der SWR-Analyse zufolge unterversorgt sein, das heißt, sie sollen nicht innerhalb der gesetzlichen Frist Hilfe bekommen haben.

Von unserer Redakteurin Cordula Kabasch

Flotte des DRK

Aktuell verfügt der DRK-Rettungsdienst Rheinhessen-Nahe über elf Notarzteinsatzfahrzeuge.

Am Standort Mainz ist zudem ein Intensivtransportwagen in Betrieb gegangen. 22 Rettungswagen sind im Einsatz und 34 Krankentransportwagen. cob 

Bad Kreuznach
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