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    Kreis Bad Kreuznach

    Weinlese: Menge mau, Mostgewichte vielversprechend – Regen gefährdet die Trauben

    Das Tief, das am Mittwoch und Donnerstag über das Naheland hinwegzog, machte nicht nur einen vorübergehenden Stopp bei der Weinlese notwendig. Der damit verbundene starke Regen erhöht auch die Gefahr, dass Beeren platzen. Das gilt vor allem für den Riesling.

    Auch Helga Blätz half wie die ganze Familie in dieser Woche in Niederhausen bei der Lese der gefährdeten Dornfelder-Trauben. Foto: Josef Nürnberg
    Auch Helga Blätz half wie die ganze Familie in dieser Woche in Niederhausen bei der Lese der gefährdeten Dornfelder-Trauben.
    Foto: Josef Nürnberg

    Besonders an der mittleren Nahe nimmt die Fäulnis rapide zu. Bedingt durch den Frost im Frühjahr lassen die Erntemengen an der Nahe noch mehr als im Vorjahr zu wünschen übrig. Die Mostgewichte beim Riesling und den Burgundern sind hingegen vielversprechend.

    Sie liegen bei diesen schon jetzt deutlich über 80, teilweise sogar über 90 Grad Öchsle. Oswald Walg vom Dienstleistungszentrum Ländlicher Raum (DLR) in Bad Kreuznach geht deshalb davon aus, dass die Trauben schon ab nächste Woche gelesen werden. Dann könnte es auch beim Riesling, der zurzeit zwischen 70 und 80 Grad Öchsle liegt, mit den frühen Lagen für Sektgrundwein losgehen. Im angrenzenden Rheinhessen, das noch deutlich mehr als die Nahe vom Frost gebeutelt wurde, hat die Lese dieser Sorten bereits begonnen.

    Bandbreite von tipptopp bis übel

    Während die an der Nahe bereits gelesenen frühen Sorten am Ende stark zur Fäulnis neigten, zeige der Gesundheitszustand der jetzt noch am Stock hängenden Trauben eine so große Spannbreite wie selten zuvor, berichtet Oswald Walgs DLR-Kollege Edgar Müller. „Von tipptopp bis übel ist alles anzutreffen.“ Das hängt auch davon ab, wie viel Arbeit der einzelne Winzer sich gemacht hat: Während gepflegte, früh entblätterte Anlagen, überwiegend erfreulich aussehen, biete sich hingegen in Weinbergen mit buschigen Laubstrukturen, in denen die Stockarbeiten auf das Notwendigste beschränkt wurden, „ein erschreckendes Bild“, weiß Müller.

    Die eher kühlen Temperaturen mindern laut Walg die Gefahr, dass die Fäulnis weiter voranschreitet. Trocken, möglichst um die 20, aber bloß keine 30 Grad mehr, luftig, kühle Nächte, aber keinen Nebel: So sieht sein Wunschwetter für die nächsten Wochen aus. „Ein kleiner Altweibersommer wäre ideal.“ „Dann kann es noch was richtig Gutes werden“, meint auch Udo Bamberger vom Staatsweingut in Bad Kreuznach. Die frühen Sorten aber „haben weder wirtschaftlich noch qualitativ Freude gemacht“.

    Hinsichtlich der Quantität wird der Jahrgang 2017 an der Nahe insgesamt unterdurchschnittlich, mit lokalen Ausreißern nach oben und unten, sind sich die Experten einig. Das ist auch deshalb bitter, weil es die letzte bessere Ernte 2012 gab und alle Jahrgänge danach mehr oder weniger deutlich darunter lagen. Wenn die Fassweinpreise jetzt dennoch im Keller bleiben, „wird mancher vielleicht hinschmeißen“, befürchtet Bamberger.

    Um eine zweite Lese scheint an der mittleren Nahe niemand herum zu kommen. „Wir müssen zunächst die grünen Trauben, die durch den Frühjahrsfrost im Weinberg hängen, und die faulen abschneiden“, sagt Christian Butz vom Buchenländerhof in Norheim. Dabei hat er sich dieses Jahr einen modernen Vollernter zugelegt, mit dem er eigentlich alle seine befahrbaren Weinberge abernten wollte. Doch selbst wenn es trocken wird, geht das nur bedingt. Denn der Boden muss tragfähig sein. Auf steileren Lagen, die er ansonsten bei trockeneren Böden befahren könnte, ist der Vollernter vorerst nicht einsetzbar. Butz ist sich sicher: „Es wird eine kurze Ernte, denn aufgrund des Fäulnisdrucks muss jede trockene Phase genutzt werden.“

    30 Liter Regen pro Quadratmeter

    „Der Wasserhahn muss jetzt endlich zugedreht werden“, meint Horst Franzmann vom gleichnamigen Weingut in Niederhausen. Er hat in den letzten Tagen 30 Liter Regen auf den Quadratmeter gemessen. Auch bei ihm hängen Burgunder und Riesling noch am Stock. Und auch er kommt nicht um eine Vorlese herum. Wobei er davon ausgeht, dass er nicht eine Sorte komplett fertig lesen kann. „Ich muss die Weinberge genau im Auge behalten und schauen, wo der Befallsdruck am höchsten ist.“ Er hofft, dass wenigstens beim Riesling noch etwas Zeit bis zur Ernte bleibt. Keine Zeit mehr hatte zu Wochenbeginn der Dornfelder im Weinbaubetrieb Blätz in Niederhausen. So war vor dem angekündigten Regen am Dienstag die ganze Familie draußen, um ihn zu ernten. „Denn wenn die Trauben weiter Wasser aufnehmen, drücken sie so heftig aneinander, dass die dünne Schale aufplatzt“, erläutert Magnus Blätz.

    Von Josef Nürnberg
    und Kurt Knaudt

    Kirschessigfliege: Zurzeit deutet nichts auf eine Eskalation hin

    Viele Winzer erinnern sich noch mit Schrecken an 2014, als die Kirschessigfliege schwere Schäden anrichtete. Auf eine solche Eskalation deutet diesmal bisher nichts hin. Ein Großteil der durch sie gefährdeten Sorten ist bereits gelesen.

    An späten Standorten ist die Fliege anzutreffen, aber angesichts der Wetterprognose keine schlagartige Zuspitzung zu erwarten, meint DLR-Weinbauberater Edgar Müller. Die Anlagen sorgfältig überwachen, um bei einer Verschärfung der Situation kurzfristig reagieren zu können, sei das Gebot der Stunde. kuk

    Bad Kreuznach
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