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Mainz

Weihnachtsmarkt in der Domstadt: Glühwein ist hier alles andere als Massenware

Glühwein ist gemeinhin rot. Der fruchtige, mit Gewürzen versetzte Rotwein gehört für die meisten Weihnachtsmarktbesucher fest zum Genussprogramm. Doch immer öfter dampft zumindest auf dem Mainzer Weihnachtsmarkt ein hellgoldenes Getränk im Glase: Riesling und Silvaner, Müller-Thurgau, Chardonnay und Grauburgunder – hier boomen die weißen Glühweine. Jeder Stand serviert hier neben diversen roten Glühweinen auch mindestens eine weiße Kreation.

Weiß oder rot? Die Geschmäcker sind verschieden. Auf dem Mainzer Weihnachtsmarkt findet jeder den passenden Glühwein.  Foto: Gisela Kirschstein
Weiß oder rot? Die Geschmäcker sind verschieden. Auf dem Mainzer Weihnachtsmarkt findet jeder den passenden Glühwein.
Foto: Gisela Kirschstein

„Weißer Glühwein ist etwas für Anspruchsvolle“, sagt Alexander Eil, der seit Jahren einen Glühweinstand auf dem unteren Weihnachtsmarkt führt. Seine Weine kommen aus der Dohlmühle in Flonheim, „ich wohne direkt gegenüber“, verrät Eil. Jedes Jahr entwickele er deshalb gemeinsam mit dem Winzer im Hof seinen eigenen Glühwein, persönlich abgeschmeckt nach dem Gusto des Kunden.

Eil ist nicht der einzige, der einen solchen Aufwand betreibt: An allen zwölf Glühweinständen des Mainzer Weihnachtsmarktes wird ausschließlich Winzerglühwein ausgeschenkt, ein Alleinstellungsmerkmal des Marktes in der Domstadt. „Wir stimmen uns vor dem Weihnachtsmarkt intensiv mit unseren Kunden ab“, erzählt Christian Pitthan im Gespräch mit unserer Zeitung. Er ist einer der größten Glühweinproduzenten in der Region Rheinhessen.

Gleich mehrere Glühweinstände in Mainz haben Pitthan-Weine im Angebot, trotzdem schmecken die Glühweine alle verschieden. „Wir haben über die Jahre viel experimentiert“, erzählt Martina Wingender-Barth – ihre Eltern besaßen einst eigene Weinberge im Rheinhessischen. „Meine Eltern haben damals auf dem Weihnachtsmarkt in Wiesbaden mit Glühweinverkauf begonnen“, erinnert sich die Schaustellerin. Mit viel Süße kommen ihre Glühweine daher, „unsere Kunden lieben das“, sagt Wingender-Barth, bei ihr gibt es eine Cuvée aus Müller-Thurgau und Kerner.

Am Stand von Rudolf Barth wird dagegen ein heißer Bacchus ausgeschenkt, mit viel weihnachtlichen Gewürzen versehen, nebenan der Müller-Thurgau bei Sascha Barth kommt dezenter gewürzt und mit vollmundigerem Weingeschmack daher. Nelke, Sternanis, Zimt und Kardamom sind die vorherrschenden Gewürze bei den weißen Glühweinkreationen.

Beim Weingut Huf aus Ingelheim würzen sie den Silvaner dagegen mit Zimt, Anis, Piment und Pfeffer sowie Fenchel, das verleiht dem Wein völlig ungewöhnliche und sehr spannende Noten. Bei Hufs kramen sie gern in alten Rezepten, im Internet fanden sie vor ein paar Jahren ein echtes Rezept aus der Römerzeit. Schon in der Antike war heißer Würzwein ein ausgesprochen beliebtes Getränk, damals wurden oft Thymian und natürlich Honig verwendet. Familie Huf kredenzt nun auf dem Mainzer Markt einen römischen Würzwein, der weiße Silvaner wird ganz nach dem alten Rezept mit Pistazienharz, getrockneten Datteln, Lorbeerblättern, weißen Pfefferkörnern und Honig gewürzt – ein intensives Glühweinerlebnis der besonderen Art.

Puristischer geht es dagegen beim Weingut Geisinger zu: Das kleine Bioweingut aus Ober-Olm setzt ganz auf die Strahlkraft seiner Weine und serviert einen dezent gewürzten Riesling mit viel Frische. Bei den Mainzer Winzern an der Spieluhr gibt es hingegen eine Cuvée aus Müller-Thurgau, Scheurebe und Silvaner, die wunderbar ausgewogen und mit der perfekten Gewürz-Wein-Mischung aufwartet.

Stärker noch als beim Rotwein zeigt sich beim weißen Glühwein: Der Grundwein macht den Unterschied. Beim Weinhaus Kissel aus Saulheim setzen sie deshalb auf einen Morio-Muskat, dezent gewürzt mit Sternanis und Zimt – ein ausdrucksstarker, würziger Vertreter in der wunderbaren Vielfalt der weißen Glühweine.

Von Gisela Kirschstein
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