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Mainz

Was wird aus dem zerfallenden Mainzer Schloss? Ende des Dornröschenschlafs in Sicht

Gisela Kirschstein

Das Kurfürstliche Schloss in Mainz steht vor grundlegenden Veränderungen: Im Jahr 2020 zieht nach derzeitigem Stand das Römische Germanische Zentralmuseum (RGZM) in seinen Neubau am Mainzer Südbahnhof, im Kurfürstlichen Schloss wird damit der komplette Rheinflügel, dazu die Steinhalle im Innenhof frei. Der Renaissancebau ist dringend sanierungsbedürftig, die zentrale Frage: Was wird dann aus dem Mainzer Schloss?

Mit dem Auszug des Römisch Germanischen Zentralmuseums wird der komplette Rheinflügel des Mainzer Schlosses samt Steinhalle im Innenhof frei. Nun wird in Mainz über die weitere Nutzung diskutiert.  Foto: Gisela Kirschstein
Mit dem Auszug des Römisch Germanischen Zentralmuseums wird der komplette Rheinflügel des Mainzer Schlosses samt Steinhalle im Innenhof frei. Nun wird in Mainz über die weitere Nutzung diskutiert.
Foto: Gisela Kirschstein

Auch der Rheinflügel des Schlosses solle künftig als Kongresszentrum genutzt werden, bekräftigte nun Baudezernentin Marianne Grosse (SPD) nach einer Sitzung des Mainzer Stadtvorstands. Das habe der Stadtrat im Dezember 2015 beschlossen, und das wolle die Stadt nun ab 2020 umsetzen. 2,8 Millionen Euro stellte der Stadtrat im Februar 2018 für die weiteren Planungen zur Verfügung, damit soll nun eine bauhistorische Untersuchung in Auftrag gegeben werden. Bis Ende 2019 sollen die Planungen für eine Nutzung als Tagungsort vorliegen und direkt nach Auszug des RGZM umgesetzt werden. Rund 100.000 Euro will die Stadt insgesamt für Gutachten und Expertisen ausgeben.

Dem Mainzer Altertumsverein reicht das nicht, er plädiert dafür, die Geschichte des Renaissancebaus wieder deutlich sichtbarer und vor allem erfahrbar zu machen. Nach dem Mainzer Dom sei das Schloss der wichtigste historische Bau in der Stadt für die Geschichte des Erzbistums Mainz, sagt Georg Peter Karn vom Mainzer Altertumsverein, der eine Denkschrift zum Mainzer Schloss erstellt hat. Dazu sei das Schloss eine der bedeutendsten Bauten der Renaissancegeschichte in Deutschland und spiegele mit seinem Vorgängerbau, der Martinsburg, ein wichtiges Stück Stadtgeschichte.

All das sei derzeit aber für die Mainzer kaum erfahrbar, klagt Karn, die Außenanlagen um das Schloss herum „ein Anblick langjähriger Vernachlässigung“. Schon im Frühjahr forderte der Altertumsverein deshalb, das Schloss aus seinem Dornröschenschlaf zu befreien und regte eine Gestaltung des gesamten Bleichenviertels einschließlich des Landtagsgebäudes gegenüber an. „Wir regen die Gründung eines Schlossbeirats an“, sagte Karn nun erneut. Nur mithilfe von Fachleuten könne „eine Sanierung fachlich kompetent erfolgen und die Anlage aus ihrem Dämmerzustand erlöst werden“.

Denn der Altertumsverein träumt von einer historischen Rekonstruktion, etwa der Wohnräume des Erzbischofs und einer Wiedersichtbarmachung der alten Martinsburg. Deren Reste lägen womöglich noch unter der Wiese an der Rheinallee, im Erdgeschoss sei an einer Innenwand eine alte Fensterfront erhalten, es gebe noch mittelalterliche Toiletteneinbauten. Die Geschichte des Schlosses müsse wieder sichtbar gemacht werden, wünscht sich der Verein und schlägt vor, einen Teil des Rheinflügels zum Museum für die Geschichte des Schlosses zu machen. Andere Städte wie Mannheim oder Karlsruhe machten es vor, und dort seien die Schlösser große touristische Anziehungspunkte geworden, betont der Verein.

Doch die Mainzer Stadtspitze mochte sich zu solchen Ideen noch nicht festlegen: „Das ist ein Vorschlag, und der ist gut, aber es wird viele Vorschläge geben“, sagte Oberbürgermeister Michael Ebling (SPD). Das Schloss werde in jedem Fall den Mainzern zugänglich bleiben, von Fastnacht bis Abiball, versprach der OB, auch werde „das Bürgerschloss die Geschichte atmen müssen, die es heute auch schon hat, die aber wenig erfahrbar ist.“

Doch für die Stadt steht die Nutzung als Kongresszentrum im Vordergrund, machte Wirtschaftsdezernent Christopher Sitte (FDP) klar: 165 Veranstaltungen mit 65.000 Besuchern habe man schon in diesem Jahr in dem einen Flügel des Schlosses ausrichten können, mit dem Rheinflügel sei das Potenzial noch deutlich höher. Vom Tisch ist aber offenbar die Idee, ein Schlosshotel an den Innenhof anzubauen: „Nach meiner Auffassung ist die Bebauung des öffentlichen Raumes im Umfeld des Schlosses kein Thema“, sagte Grosse. Stattdessen wolle die Stadt 2019 eine umfangreiche Bürgerdiskussion zur Gestaltung des Umfeldes anstoßen – Innenhof, Steinhalle und grünes Umfeld sollen dann ebenso auf den Prüfstand wie der Brunnen auf dem Ernst-Ludwig-Platz.

Von Gisela Kirschstein
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