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Simmertal

Vom Maschinenschlosser zum Staatssekretär

Udo Reichenbecher wird am Sonntag, 1. Dezember, 70 Jahre alt. Der gebürtige Kirner ist der erste und bisher einzige Sozialdemokrat aus dem Kreis Bad Kreuznach, der je einer Landesregierung von Rheinland-Pfalz angehörte.

Udo Reichenbecher besitzt ein umfangreiches Archiv mit vielen Fotos. Dieses zeigt ihn unter anderem mit Herbert Wehner und Conrad Ahlers.
Udo Reichenbecher besitzt ein umfangreiches Archiv mit vielen Fotos. Dieses zeigt ihn unter anderem mit Herbert Wehner und Conrad Ahlers.
Foto: Klaus Dietrich

Er schaffte den Aufstieg vom Schlosser zum Staatssekretär und genießt hohes Ansehen. Der Sozialpolitiker aus Simmertal wurde nach dem Regierungswechsel in Mainz 1991 neben seiner Funktion als Amtschef des Sozialministeriums der erste Behindertenbeauftragte des Landes. Zuvor war Reichenbecher als Landtagsabgeordneter unter anderem Vorsitzender des Ausschusses für Soziales und Familie sowie stellvertretender Vorsitzender der SPD-Landtagsfraktion.

Bekannt wurde Udo Reichenbecher auch durch seine 15-jährige Tätigkeit als Geschäftsführer der SPD-Unterbezirke Bad Kreuznach und Birkenfeld. Der unermüdliche Arbeiter organisierte die erfolgreichen Bundestagswahlkämpfe für Wilhelm Dröscher, Conrad Ahlers und Günther Leonhart. Reichenbecher gehörte mehr als 15 Jahre der von Herbert Wehner geleiteten Organisations- und Parteireformkommission beim SPD-Parteivorstand in Bonn an.

„Ich habe leidenschaftlich gern für die Menschen an der Basis geschafft. Ich war fast jeden Abend und jedes Wochenende zu den Ortsvereinen unterwegs“, erzählt der Sozialdemokrat im Gespräch mit unserer Zeitung. Seine großen Vorbilder waren Willy Brandt und Herbert Wehner sowie regional der ehemalige Bad Kreuznacher Bürgermeister und Bundestagsabgeordnete Günther Leonhart.

In Franken aufgewachsen

Reichenbecher, der im fränkischen Coburg aufwuchs und dort eine Lehre als Dreher und Maschinenschlosser abschloss, charakterisiert die Leute an der Nahe so: „Der Menschenschlag ist sehr unterschiedlich, schließlich umfasst das Naheland eine Region von Stromberg bis Hoppstädten-Weiersbach. Aber durch die Bank sind die Menschen hier liebenswürdig, kontaktfreudig und lebenslustig.“ Glücksgefühle hatte Udo Reichenbecher stets, wenn er in seinen Sprechstunden helfen konnte, besonders in schier aussichtslos erscheinenden Fällen.

„Dass ich früher an der Drehbank stand, hat mich geprägt. Da kann man sich als Politiker eher in die Probleme der arbeitenden Bevölkerung hineinversetzen“, weiß der immer noch aktive Pensionär aus Simmertal. Als Sozialpolitiker musste er dicke Bretter bohren. Dazu gehörte beispielsweise der Fortbestand der Meisenheimer Krankenhäuser. Sehr geärgert hatte sich Reichenbecher, als die Schließung im Gespräch war. „Ich bewundere die Leute dort, die für die beiden Krankenhäuser, die inzwischen zur Glantal-Klinik zusammengefasst sind, mit Erfolg gekämpft haben“, betont der Staatssekretär a. D.

Die Liste der von ihm ausgeübten Ämter ist lang, auch die der Auszeichnungen. Er gehörte dem Verbandsgemeinderat Kirn-Land ebenso an wie dem Kreistag. Mit großer Freude engagierte sich Udo Reichenbecher im Vorstand und im Kuratorium der Stefan-Morsch-Stiftung. Der Mitstreiter musste aus Altersgründen ausscheiden. Jetzt gibt er seinen Rat unter anderem als Vorstandsmitglied in der Vereinigung der ehemaligen Landtagsmitglieder, im Freundeskreis des Freilichtmuseums Sobernheim und im Förderverein des Kirner Krankenhauses weiter.

Menschliches ist wichtig

„Er hat sich nie geschont“, schrieb ein Kirner Lokalredakteur über Reichenbecher: „Nichts war ihm zu viel. Das erinnert an sein Vorbild Wilhelm Dröscher.“ Die Sprecherin der Landespressekonferenz, Heidi Parade, übermittelte 1994 diese Zeilen an den aus dem Staatssekretärsamt scheidenden Politiker: „Wir haben Sie als einen Mann schätzen gelernt, dem das Menschliche wichtiger war als überzogener Ehrgeiz und Parteitaktik.“

Der bescheidene Reichenbecher wird an seinem Geburtstag nicht zu Hause sein. Zusammen mit seiner Frau Brigitte, die ihren Mann stets nach Kräften unterstützt, „flüchtet“ er. Denn Rummel um seine Person hat er nie gemocht.

Von unserem Redakteur Klaus Dietrich

Kirn
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