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Kreis Bad Kreuznach

Viele kleine Kirchen sind akut gefährdet: Konzerte gegen den Verfall

Kurt Knaudt

Kreis Bad Kreuznach. Es gibt auch im Kreis Bad Kreuznach kaum eine Ortsgemeinde ohne Kirche – und sei sie auch noch so klein. Allerdings sind, vor allem wegen der Personal- und Finanznöte der Pfarr- und Kirchengemeinden, längst nicht mehr alle geöffnet. Die Initiative Soonwald will mit einer Konzertreihe in ihrem Wirkungsbereich dazu beitragen, dass solche verlassenen Kleinode nicht völlig in Vergessenheit geraten .

In der Kirche Eckweiler findet am Sonntag, 27. Mai, der nächste Konzertabend der Reihe „Soonwaldklänge“ statt.  Foto: Martin Stadtfeld
In der Kirche Eckweiler findet am Sonntag, 27. Mai, der nächste Konzertabend der Reihe „Soonwaldklänge“ statt.
Foto: Martin Stadtfeld

Damit sie nicht irgendwann wegen Baufälligkeit sogar sang- und klanglos abgerissen werden müssen: „Soonwaldklänge“ heißt der Zyklus, der im Oktober 2017 in der St. Pankratius-Kapelle in Wald-Erbach Premiere hatte und jetzt am Sonntag, 27. Mai, um 17 Uhr in der Kirche Eckweiler fortgesetzt wird.

Sie ist ein Sonderbeispiel mit einem besonderen Status. Auch dieses inzwischen denkmalgeschützte Gotteshaus sollte einst ebenso wie die Häuser in dem Dorf abgerissen werden, um Platz für den Militärflughafen Pferdsfeld zu machen. Mit vereinten Kräften gelang es, das zu verhindern. Die „Kirche ohne Dorf“ blieb stehen, war aber lange geschlossen, ehe sie 2006 mit einer Großveranstaltung der Initiative Soonwald wieder geöffnet wurde. Seitdem ist sie dank des Engagements der Arbeitsgruppe „Freunde der Eckweilerer Kirche“ zu einer viel besuchten Gedenk- und Erinnerungsstätte geworden, deren Wert und Alleinlage allerdings aktuell durch den dort geplanten Windpark gefährdet wird.

Andere Kirchen, Kapellen und heilige Stätten werden kaum oder gar nicht mehr genutzt. Das Beispiel der evangelischen Kirchengemeinde Gebroth/Winterburg, zu der auch die Kirche Eckweiler gehört, verdeutlicht, wie ernst die Lage ist. Pfarrerin Astrid Peekhaus betreut allein 14 Orte. In sechs davon finden noch Gottesdienste statt. Die anderen haben keine Kirche, oder sie ist geschlossen. In den katholischen Kirchengemeinden sieht es nicht viel anders aus. Wobei sich die Lage zukünftig eher weiter verschlechtern als verbessern dürfte.

„In dieser Situation tut es not, rechtzeitig neue Wege zu gehen“, betont der Vorstand der Initiative Soonwald. Mit den Konzertabenden will sie zum einen auf das drängende Problem hinweisen, zum anderen aber auch die Sanierung von Kirchengebäuden mit Geld unterstützen. Denn der Eintritt zu den Veranstaltungen ist zwar frei, aber es sind jeweils Spenden für diesen guten Zweck erwünscht.

Alle Abende werden als besonderes Erlebnis inszeniert, um die Schönheit der Gotteshäuser voll zur Geltung zu bringen. Neben dem musikalischen Genuss, für den bevorzugt Akteure aus der Region sorgen, werden regionale Leckereien kredenzt. Wie beim Erfolgsmodell Soonwaldbus sollen die Erfahrungen und Reaktionen der Besucher auch bei diesem Projekt kontinuierlich in das „lernende System“ mit einfließen.

Die Idee zu dieser Reihe hatte der Unternehmer Dr. Gerhard Ludwig aus Stromberg, dem als Mitglied der Initiative Soonwald deren kulturelles Profil besonders am Herzen liegt. Das unterstrich er im vorigen Jahr mit einer großzügigen Spende, mit der er das Fundament für das Projekt „Soonwaldklänge“ zugunsten der in ihrem Bestand gefährdeten Kirchen und Kapellen legte. Deren Unterhaltung scheitert oft am Geld. Bei der Kirche in Eckweiler beispielsweise müsste dringend das Dach saniert werden. Die Veranstaltung am 27. Mai soll ein Scherflein zu diesem Vorhaben beitragen. Gerhard Ludwig und seine Mitstreiter hoffen, dass aus ihrem Ansatz eine breite Bewegung zur Rettung der bedrohten Kirchen wird.

Nach der Begrüßung durch Matthias Heinl (Initiative Soonwald) um 17 Uhr präsentiert Dr. Patricia Sensch kunstgeschichtliche Reflexionen zur Kirche Eckweiler. Danach hat Karl Adolf Schneider, der Sohn von Paul Schneider, dem als Pfarrerssohn in Pferdsfeld geborenen „Prediger von Buchenwald“, das Wort. Er wird aus den Tagebuchaufzeichnungen seines Vaters vorlesen. Um 18 Uhr beginnt das Konzert mit dem „Alwinenquartett“ Wiesbaden, das Werke von Vivaldi, Haydn und Mozart spielt. Ab 18.45 Uhr gibt's einen gemütlichen Ausklang mit Wein und Häppchen.

Von Kurt Knaudt

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