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VG Stromberg: Winzer veredelt Wein mit falschem Etikett

Kreis Bad Kreuznach. Etikettenschwindel und Betrug kommt einen Winzer aus der Verbandsgemeinde Stromberg teuer zu stehen. Das Amtsgericht Bad Kreuznach verurteilte den 46-Jährigen zu einer Freiheitsstrafe von 6 Monaten auf Bewährung.

Kreis Bad Kreuznach – Etikettenschwindel und Betrug kommt einen Winzer aus der Verbandsgemeinde Stromberg teuer zu stehen. Das Amtsgericht Bad Kreuznach verurteilte den 46-Jährigen zu einer Freiheitsstrafe von 6 Monaten auf Bewährung. 

Der Etikettenschwindel im Lebensmittelbereich macht vor der Weinbranche nicht halt. Weil er über Jahre hinweg Wein, den er aus einer Kellerei bezog, als Eigenerzeugnis und Qualitätsware mit frei erfundenen Prüfungsnummern verkaufte, wurde ein 46-jähriger Winzer aus der Verbandsgemeinde Stromberg vom Amtsgericht Bad Kreuznach zu einer Freiheitsstrafe von 6 Monaten auf Bewährung verurteilt. Die Bewährungszeit beträgt zwei Jahre. Außerdem muss er wegen Verletzung der Buchführungspflicht 500 Euro Geldstrafe zahlen.

Amtsrichterin Ulrike Schädrich folgte damit weitgehend dem Antrag der Staatsanwaltschaft, die dieses Strafmaß gefordert hatte, weil der Angeklagte schon zweimal wegen ähnlicher Vergehen vor Gericht stand, aber jeweils mit Geldstrafen davonkam. Für Staatsanwalt Uwe Saulheimer-Eppelmann war das Maß damit voll. Bei acht neuerlichen Verstößen gegen das Weingesetz, außerdem Betrug und Irreführung sah er den guten Ruf der gesamten Branche gefährdet. „Wir wollen, dass Winzer ordnungsgemäß und sauber arbeiten. Sie hätten den Wein ja auch abstufen und als Tafelwein verkaufen können. Aber es sollte ja Qualitätswein QbA sein", rügte Saulheimer-Eppelmann. Der Gesamtumfang der so verkauften Weine soll rund 2200 Liter betragen haben.

Einzig das Geständnis des Angeklagten stimmte den Vertreter der Staatsanwaltschaft milde. Vielleicht noch die einigermaßen positive Sozialprognose. Der Mann sei offensichtlich bemüht, künftig straffrei zu bleiben und sein Leben in den Griff zu kriegen. Weniger amüsant fand Saulheimer-Eppelmann dagegen einen Einwurf des Winzers, dass ihm Kontrollen grundsätzlich lästig sind. „Wer Lebensmittel produziert, muss Kontrollen ertragen", erklärte der Staatsanwalt mit Nachdruck.

Im Verlauf der Verhandlung schilderte der 46-jährige Angeklagte, warum er nach Realschule, Winzerlehre, Fachoberschule, Studium in Geisenheim und der Übernahme des 6 Hektar großen elterlichen Betriebs in die Bredouille geriet. Familiäre Probleme spielten dabei eine nicht untergeordnete Rolle. Bevor er 2003 seine Frau heiratete, musste er den Eltern für 75 000 Euro das Wohnrecht abkaufen. Hinzu kam: Der Hof warf nicht mehr genug Profit ab, weil die Kunden überaltert waren und wegstarben, erklärte der Winzer. Rebkrankheiten und frühzeitig abgebrochene Umstrukturierungsmaßnahmen führten endgültig zur Überschuldung (170 000 Euro). „Heute würde ich alles anders machen", gestand der Angeklagte, der inzwischen bei einer Firma als freier Mitarbeiter einen Job gefunden hat und auf Festanstellung hofft. Die Weinberge will er nebenbei weiterhin bewirtschaften, Trauben und Most aber direkt verkaufen. Und die Straußwirtschaft soll aufgegeben werden. Dann sei er auch aus der lästigen Buchhaltungspflicht raus.

„Wir wollen weg von jeglicher Art der Kontrolle. Jeder meint, er müsse uns sagen, wie wir's machen sollen. Das halte ich nicht mehr aus", erklärte der Winzer und nutzte die Gelegenheit, ganz nebenbei die Weinprüfer in die Kritik zu nehmen. Seine Weine seien mehrfach abgelehnt, im zweiten oder dritten Widerspruch aber durchgegangen. „Mir ist das unerklärlich. Es kommt wohl darauf an, wer dort sitzt und den Wein probiert." Richterin Schädrich wies den Angeklagten darauf hin, dass es trotzdem nicht erlaubt ist, Weine ohne Prüfungsnummer, ob eigene oder zugekaufte, als Qualitätsweine in den Handel zu bringen,was auch in der Straußwirtschaft gang und gäbe gewesen sein soll. „Da fühle ich mich schon beschissen. In Ordnung ist das nicht", beurteilte Staatsanwalt Saulheimer-Eppelmann die Praxis des Mannes in schroffem Ton. „Die Kunden in Deutschland vertrauen dem Qualitätssicherungssystem." Gustl Stumpf

Bad Kreuznach
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