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Bad Sobernheim/Bingen

Urbaner Lifestyletouch: Hippes Vokabular für Bollands neues Hotel

Fast scheint ein Sprachkurs oder zumindest eine verbale Auffrischungseinheit angebracht, wenn es um das Hotelprojekt von Jan Bolland in Bingen geht. Der Baubeginn für das Großvorhaben direkt am Rhein steht bevor, die Eröffnung des Hauses ist für Frühsommer 2019 geplant.

Die 16-Millionen-Euro-Investition am Rhein in Bingen – über Geld spricht Jan Bolland aber nicht gern – wird professionell vorbereitet. Das „Papa Rhein“ soll nicht mit Sternen glänzen, sondern mit Wohlfühlatmosphäre und einem ungewöhnlichen, modernen Konzept. Realisiert wird zunächst bis Frühsommer 2019 der hintere, längere Gebäudetrakt neben der Autofähre. Der zweite Bauabschnitt vorn sei eine Option.
Die 16-Millionen-Euro-Investition am Rhein in Bingen – über Geld spricht Jan Bolland aber nicht gern – wird professionell vorbereitet. Das „Papa Rhein“ soll nicht mit Sternen glänzen, sondern mit Wohlfühlatmosphäre und einem ungewöhnlichen, modernen Konzept. Realisiert wird zunächst bis Frühsommer 2019 der hintere, längere Gebäudetrakt neben der Autofähre. Der zweite Bauabschnitt vorn sei eine Option.
Foto: Urban Stay Hotels

Jan Bolland, in der Region bestens bekannt von den Familienunternehmungen „BollAnts im Park“ in Bad Sobernheim, Günderodehaus in Oberwesel und Hotel Kloster Marienhöh in Langweiler, ist immer für Überraschungen und Effekte gut. Seit dem Neujahrsempfang der Stadt Bingen ist der Name seines Binger Projekts in aller Munde, wird belächelt bis kritisiert und von den Fastnachtern dankbar durch den Kakao gezogen: „Papa Rhein“ soll das Hotel mit in der ersten Ausbaustufe 108 Zimmern – Pardon, Bolland nennt sie angesichts der Flusslage „Kojen“ – heißen. Dazu gibt es inzwischen ausgefeilte Werbefilme („Trailer“) und eine schicke Präsentation via Internet, Facebook und Instagram.

„Urban Stay Hotels“ als Modell

Das lässt leicht erahnen, dass die Zielgruppe nicht biedere Handlungsreisende und Strickwestensommerfrischler sind. Das Konzept setzt voll auf Lifestyle, urbanen Chic, hippe und sportliche Kundschaft, aber auch auf Geschäftsleute, denen die bisherigen Bezahlnachtlager zu trist waren. Damit betritt der forsche Investor und Betreiber zumindest am Mittelrhein Neuland und besetzt eine Nische. Sein Konzept will er zum Geschäftsmodell ausbauen.

Entwickler ist die Hotel am Binger Hafenpark GmbH, Betreiberin wird die Urban Stay Hotels GmbH, beide mit Sitz in Bad Sobernheim. Die Architektur liefert das Büro Thomas Ladehoff, Hardebeck und Faerber in Mainz, bei der Genehmigungsplanung wirkte das Architekturbüro Axel Hill aus Bad Sobernheim mit.

Für Bingen und die Region des Unesco-Welterbes am Rhein mag alles neu und irritierend anders sein. Für Bolland ist es folgerichtig. Schon sein Projekt Kloster Marienhöh am Saar-Hunsrück-Steig vermarktet er mit den Attributen „Mountains, Lifestyle, Family“. Und was in den rheinland-pfälzischen „Mountains“ funktioniert, soll sich künftig eben auch am „River“ eingrooven. Dabei wird nichts dem Zufall überlassen und schon gar nichts nach „Schema F“ oder von der Stange geplant. Sportliche Aktivitäten stehen im Vordergrund. Das Angebot reicht vom Stand-up-Paddling und Wassersportgeräten bis zum Verleih von Trekkingausrüstungen und Aktivitätsanreizen wie Kletterwand, Kicker, Tischtennis, Pool und Spa.

Genuss gehört selbstredend dazu, ob in der eigenen Gastronomie oder in den bereits vorhandenen Lokalitäten am Rhein – bis hin zum hauseigenen „Airstream-Foodtruck“ direkt am Rheinufer reichen die Visionen. Bolland versteht es, die bereits vorhandenen Angebote der Region einzubinden, was bis zur Zusammenarbeit mit namhaften Partnern und Ausstattern reicht. Wie wäre es zum Beispiel mit einem Junggesellenabschied in der „Kirner-Pils-Suite“ mit eigener Zapfanlage in einem kleinen Boot? Übrigens sind auch „Locals“ angesprochen – das sind nicht etwa umliegende Lokale, sondern Menschen aus Bingen und der Region.

Jan Bolland und Hotel-Geschäftsführerin Michelle Klären wollen vom Übernachtungsboom in Rheinhessen profitieren.
Jan Bolland und Hotel-Geschäftsführerin Michelle Klären wollen vom Übernachtungsboom in Rheinhessen profitieren.
Foto: Rainer Gräff

In der Koje bei Holy Hilde

Die „Kojen“ heißen neudeutsch Single-Room, Basic-Room, River-View-Room, „Family & Friends“, River-Front-Room, River-Loft und Suite – und es gibt als Tribut an Bingen und seine große Heilige sogar einen Holy-Hilde-Room. Locker, fluffig und gar nicht steif soll es zugehen in dem Haus, dem die Kommunalpolitik mit viel Hoffnung, mancher eingesessene Hotelier aber mit Skepsis entgegensieht. Die neue Konkurrenz kündigte schließlich Kampfpreise von „unter 100 Euro pro Zimmer“ an.

Nun, ganz so heiß wird der Preis in der Praxis dann doch nicht. Differenziert präsentiert sich die Preisparade, gestaffelt nach Wochentagen/-enden und Niveau. Das Einzelzimmer liegt zwischen 59 (Sonntag bis Freitag) und 119 Euro (am Wochenende) pro Nacht, für den Basic-Room (Standardzimmer ohne Balkon, im hinteren Gebäude, werden 79 (Sonntag bis Freitag) bis 139 Euro (Wochenende) aufgerufen. Die immer wieder zitierten 99 Euro pro Nacht gelten für Standardzimmer mit Balkon im vorderen Gebäude (River-View und Holy-Hilde) pro Übernachtung und Zimmer von Sonntag bis Freitag, am Wochenende sind hier 159 Euro fällig. Am oberen Preisrand liegt die Suite mit 219 bis 289 Euro pro Nacht. Frühstück ist jeweils mit 12,90 Euro extra zu zahlen.

Jan Bolland verfügt über ein Expansionsgen und denkt in Sachen „Urban Stay Hotels“ bereits weiter: „Der Binger Standort mit seiner vorzüglichen Lage ist nur der erste des Hotelkonzepts mit den Kernthemen Budget, Design und Standortindividualität.“ Weitere Häuser der jungen, dynamischen Marke sollen folgen: „Jetzt zeigen wir, dass man mit einem stilsicheren, urbanen Hotel auch in einer ländlicheren Ecke erfolgreich sein kann. Mit diesen idealen Voraussetzungen wird alles Weitere folgen.“

Von unserem Redakteur Rainer Gräff

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