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Bad Kreuznach

Trotz Gebührensenkung 2018: Geldgeschenk kann Wochenmarkt-Beschicker nicht trösten

Ein positives Signal an die durch den Umzug an die Pauluskirche gebeutelten Beschicker des Wochenmarktes sendete der Finanzausschuss in der letzten Sitzung der Etatberatungen. Einstimmig beschloss das Gremium, die Beschickergebühren für das Jahr 2018 zu halbieren.

Der Wochenmarkt findet zurzeit vor der Pauluskirche statt. Das gefällt den Marktbeschickern nicht. Obwohl es nur wenige Meter bis zum Kornmarkt sind, klagen die Händler über schlechte Resonanz.  Foto: Gabi Vogt
Der Wochenmarkt findet zurzeit vor der Pauluskirche statt. Das gefällt den Marktbeschickern nicht. Obwohl es nur wenige Meter bis zum Kornmarkt sind, klagen die Händler über schlechte Resonanz.
Foto: Gabi Vogt

Die Angelegenheit bedurfte keiner großen Diskussion, es herrschte große Einigkeit darüber, dass man den Beschickern etwas Gutes tun wolle. Lediglich die administrative Umsetzung war zunächst unklar. Der Antrag dazu stammte von der CDU-Fraktion. „Wir haben nicht nur den Anspruch zu sparen, sondern auch fair zu sein. Deswegen regen wir das an, die Leute klagen über Umsatzrückgänge. Die Stadt kostet die Senkung rund 12.500 Euro“, erklärte Fraktionschef Werner Klopfer. Dazu muss die Satzung geändert werden. Die momentan gültige Staffelung habe ihren Ursprung in der Satzung aus dem Jahr 1989, erklärte Ordnungsamtsleiterin Heiderose Häußermann. Eine Halbierung sei so einfach nicht zu machen.

Das reguläre Prozedere sei, eine neue Satzung zu erlassen, informierte Häußermann. Die Stadt sei verpflichtet, Gebühren zu erheben. Ein anderslautender Beschluss des Ausschusses sei daher rechtswidrig. Das wiederum rief das Plenum auf den Plan, das erklärte, dass die Senkung nur vorübergehend erfolgen solle. Erich Menger argumentierte: „Der neue Standort bringt einen klaren wirtschaftlichen Nachteil.“ Er kritisierte: „Wenn der Finanzausschuss das entscheidet, muss die Verwaltung das so umsetzen.“ Man einigte sich dennoch darauf, eine Veränderung der Satzung zu verabschieden, die nur für das Jahr 2018 gilt. Anschließend wolle man den Beschluss heilen und die neue Satzung kundtun. Die kleine rechtliche Lücke moderierte Kämmerer Heinrich gekonnt weg: „Was soll denn passieren? Es wird sich kein Marktbeschicker deswegen beschweren.“

Wirklich trösten vermag die Gebührensenkung die Marktbeschicker nicht. „Die Standgebühren sind doch gar nicht das Thema“, sagt Heiko Gress, der auf dem Wochenmarkt seit 15 Jahren selbst gemischte Salben und Balsame verkauft. „Wir haben einfach das Gefühl, dass sich in der Stadtverwaltung keiner für die Belange des Marktes interessiert und der Markt langsam stirbt.“ Das große Problem der Beschicker ist die mit dessen Umbau einhergehenden Nichtverfügbarkeit des Stammplatzes, des Kornmarkts. Viele Beschicker sind sich sicher, dass man den Markt weiterhin auf dem zentralen Platz der Stadt hätte stattfinden lassen können. „Wieso muss das Baustellenlager mitten auf dem Kornmarkt stehen?“, fragt eine Marktbeschickerin, die anonym bleiben möchte. Mit dem neuen Standort zeigt sich aber niemand so recht zufrieden. Während die Freitage noch einigermaßen gut liefen, seien die Dienstage vom Umsatz her abgrundtief schlecht. Zurzeit sind es noch rund 36 Beschicker, die nach Bad Kreuznach kommen. Vor zehn Jahren waren es noch mehr als 50. Ein Beschicke erzählt, das vor kurzem zwei Beschicker aufgehört hätten. Deren Plätze seien noch nicht aufgefüllt worden. Früher habe es sogar eine echte Warteliste gegeben. Außerdem habe man erfahren, auch wenn eine offizielle Bestätigung der Stadt noch aussteht, dass man wohl auch das gesamte Jahr 2018 an der Pauluskirche verbringen muss.

Auch die Rahmenbedingungen könnten besser sein. Marktbesucherin Ingeborg Ries-Wilke ärgert sich über die großen Laubhaufen, die für ältere Gäste eine zusätzliche Rutschgefahr auf der leicht abschüssigen Kurhausstraße seien.

Von unserem Redakteur Marian Ristow

KOMMENTAR Beschicker fühlen sich nicht gehört

Man kann ja aus Bürgersicht oftmals auf die Entscheidungen des Stadtrats und seiner vielen Ausschüsse schimpfen. Mit der Halbierung der Beschickergebühren hat der Finanzausschuss aber richtig gehandelt. Und zwar einstimmig.

Marian Ristow
Marian Ristow

Die Senkung der Gebühren ist ein richtiges Signal und zeigt Empathie, denn die Marktbeschicker haben kein leichtes Jahr hinter sich und, noch schlimmer, kein wirklich besseres vor sich. Das Geldgeschenk hilft weniger in der Sache, die Kosten sind nicht das Problem der Beschicker. Die Schwierigkeiten lägen woanders, sagen die Händler

Die Beschicker fühlen sich vernachlässigt, sehen ihr Standing innerhalb der Stadt schon seit Jahren akut bedroht, fordern mehr Dialog. Bereits im Sommer mussten sie häufiger ihren angestammten Platz auf dem Kornmarkt verlassen, aufgrund der zugegebenermaßen langfristig angekündigten Kornmarktsanierung folgte die „Verbannung“ an die Pauluskirche. Ein Standort, der für viele der älteren Stammkunden deutlich beschwerlicher zu erreichen ist.

Die Händler spüren das. Sicher ist: Der Wochenmarkt sorgt dafür, dass Menschen in die Innenstadt kommen und auch in anderen Geschäften ihr Geld lassen. Das sollte man nicht aufs Spiel setzen.

E-Mail:marian.ristow@rhein-zeitung.net

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