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Tischgespräche als Nachtisch beim Suppentag

Beim AWO-Ortsverein geht's im Wilhelm-Dröscherhaus nicht nur ums Sattwerden

Vier verschiedene hausgemachte deftige Suppen sind ausnahmsweise zum Jahresausklang im Angebot beim großen Suppentag des AWO-Ortsvereins in der Begegnungsstätte im Wilhelm-Dröscherhaus. Weiße Bohnen mit Corned Beef, Graupensuppe (Rilles Ralles), Hühnersuppe und Kürbiscremesuppe werden geschöpft. Vorsitzende Melanie Jung und ihr ehrenamtliches Helferteam bieten aber nicht nur ein preiswertes Gericht an. Vielmehr gibt's hier sozusagen zum Nachtisch vor allem Kommunikation. Man kennt sich. „Begegnung in der Begegnungsstätte ist das Wichtigste“, weiß die Vorsitzende. Gerade in diesen festlichen Tagen sind viele Senioren allein zu Hause und freuen sich über eine nette Unterhaltung.

Gut 50 Besucher nutzten am Donnerstag den Suppentag. Darunter einige Angestellte der Stadtverwaltung, wo Jung bekanntlich als Kämmerin tätig ist. Weil sie als Fachfrau mit Finanzen zu tun hat, ist klar: Das Suppenangebot muss sich auch für den Ortsverein rechnen. Sonst hätte er keinen Bestand. Das halbe Dutzend Helfer am Kochherd, beim Spülen, Tischdecken und Abräumen ist allerdings ehrenamtlich tätig, erhält als Lohn einen „warmen Händedruck“.

Foto: as

Die Gäste sind voll des Lobes für die Suppen: Kürbiscreme und Rilles Ralles sind bald aufgegessen, aber mit rund 60 Litern haben Jung und Team richtig kalkuliert. Keiner geht leer aus, aber es bleibt auch kein großer Rest. An normalen Werktagen werden schon mal 80 Liter und mehr gekocht. Der Besucherrekord liegt bei 105 Personen. Aber das war grenzwertig, sagt das AWO-Team. Es gibt immer mindestens zwei verschiedene Suppen, damit auch Vegetarier auf ihre Kosten kommen. Die Suppen sind vollwertig, wie von Muttern gewohnt. Dazu wird Brot gereicht. Jeder wird satt, viele holen sich Nachschlag. Und die Rechnung? Die macht jeder selbst, füttert das Spendenschwein nach eigenem Gutdünken. Ja, da gebe es starke und schwache Tage, bilanziert Jung, aber die Rechnung geht meistens auf.

Melanie Jung zeigt die Miniküche, die auf dem Treppenhaus des darunterliegenden Ratskellers thront. Ein Umbau ist geplant.
Melanie Jung zeigt die Miniküche, die auf dem Treppenhaus des darunterliegenden Ratskellers thront. Ein Umbau ist geplant.
Foto: as

Je nach Rezept legen zwei Köchinnen morgens früh los, verbringen bis zu vier Stunden mit Gemüseschnippeln. „Wir sind ja keine Küchenprofis“, sagt Jung. Wenn das Gemüse fertig ist, wird von 8 bis gegen 11.15 Uhr gekocht und gehofft, dass es allen schmeckt und nicht allzu viel übrig bleibt. Einige Dauergäste bringen Töpfe mit und nehmen was mit für Oma und Opa. Das sei aber eher selten, man wolle keine Familienverpflegung aufbauen, scherzt Jung.

Zu Hause geht das doch gar nicht

„So eine Suppe würde ich doch zu Hause nie hinkriegen“, merkt ein Besucher anerkennend an. Melanie Jung bestätigt: „Ja, wir kochen nach vertrauten und aufwendigen Rezepten, tischen Bekanntes auf. Das läuft darauf hinaus, dass man sich eine solche Suppe daheim nicht kochen will oder kann.“ Gerade Männer seien es nicht gewohnt, zu Hause zu kochen. Dann gibt's als eintönige Alternative Schnitzel in der Wirtschaft. Als Konkurrenz zu den Gasthäusern sieht sich die AWO aber nicht.

Ausgeschöpft werden die Suppen aus einem hochmodernen Speiseausgabewagen. Also doch Profis? Ja, es wurde im Sommer kräftig investiert und umgebaut. Da waren auch Vorgaben des Gesundheitsamts zu erfüllen. Die winzige Küche, die über die sogenannte Hühnerleiter erreichbar ist, wurde deutlich erweitert durch einen per Durchbruch hinzugewonnenen Raum. Dort wird jetzt gespült und Kaffee gekocht. Der Ausgabewagen passt durch die Türen, die Suppen müssen nicht mehr mit überschwappenden Einkochtöpfen mühsam getragen werden.

Der unter anderem durch Spenden und tatkräftige Hilfe der Bürkle-Stiftung finanzierte Um- und Ausbau hat die Arbeit des AWO-Teams wesentlich erleichtert. Doch so richtig fertig ist alles noch nicht. Die Miniküche kann eine Renovierung vertragen. Die Leiter wird bleiben, denn die Empore ist dem darunterliegenden Treppenhaus des Ratskellers geschuldet. Diese Stufen hinauf und hinunter ging's für jede Tasse Kaffee. 40 Jahre lang. Aber es gibt Vorstellungen, wie man's besser machen könnte in der Koch- und Backküche. Wenn die Pläne stehen, soll eine Sammelaktion folgen. Vielleicht gibt es für den Umbau im denkmalgeschützten Haus auch einen Zuschusstopf? Schließlich sind Schränke und Zubehör in die Jahre gekommen und müssten moderneren Kücheneinrichtungen mit Ausziehschränken weichen.

Das Angebot noch ausbauen

Gern würde Melanie Jung den Suppentag öfter als zweimal im Monat wie derzeit anbieten. Um diese Vision zu realisieren, braucht es noch einige Helfer, die man sich bekanntlich „nicht aus den Rippen schneiden“ kann. Ehrenamtlich soll es sein. „Wir sind eine große Familie“, sagt Jung stolz, und die gute Mittagstischatmosphäre im früheren Amtsgerichtssaal gibt ihr Recht. Hand in Hand funktioniert hier alles. Zum Nachtisch gibt's noch Kaffee und Kuchen. Werbung machen für den Suppentag muss die AWO inzwischen nicht mehr so sehr wie anfangs, als man in der Stadt plakatierte.

Ein Vorurteil habe sich aber bisher noch hartnäckig gehalten, bedauert Melanie Jung: Dass es sich sozusagen um eine Armenküche handele. Denn nein, das sei nicht der Fall. Das vom „Oeffentlichen“ angetroffene Publikum bestätigt dies auf den ersten Blick. Etliche junge Leute sind dabei, aber natürlich vor allem Senioren. Ihnen geht's neben der Suppe vor allem um Tischgespräche. Die sind im AWO-Alltag gern gehört und ausdrücklich erlaubt. Armin Seibert

Dienstags bis freitags ist die Begegnungsstätte von 13 bis 18 Uhr geöffnet, außerdem einmal im Monat montags für eine feste Gruppe.

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