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    „Thalina“ überzeugt mit Ionesco-Stück im Bad Kreuznacher Lina-Hilger-Gymnasium 

    Sehenswert: Die 21-köpfige Theatergruppe des Lina-Hilger-Gymnasiums „Thalina“ spielte Eugène Ionescos „Die Nashörner“. Nach Stücken von Shakespeare oder Schiller und nach Hauptmanns „Ratten“ 2009 war das Thalina-Ensemble dieses Jahr reif für das absurde Theater.

    Alle sind der Magie der Macht erlegen und haben sich zu Nashörnern verwandelt: Nur Behringer wehrt sich mit einem Gewehr gegen die Metamorphose – beeindruckendes Theater am LiHi.
    Alle sind der Magie der Macht erlegen und haben sich zu Nashörnern verwandelt: Nur Behringer wehrt sich mit einem Gewehr gegen die Metamorphose – beeindruckendes Theater am LiHi.
    Foto: Marina Thomas

    Bad Kreuznach - Sehenswert: Die 21-köpfige Theatergruppe des Lina-Hilger-Gymnasiums „Thalina“ spielte Eugène Ionescos „Die Nashörner“. Nach Stücken von Shakespeare oder Schiller und nach Hauptmanns „Ratten“ 2009 war das Thalina-Ensemble dieses Jahr reif für das absurde Theater.


    Die Parabel erzählt die Geschichte von Behringer, Trinker aus Angst, der zusehen muss, wie sich all seine Bekannten nach und nach in aggressive, sture Dickhäuter verwandeln. Nur er wehrt sich bis zum Ende gegen die Gleichgültigkeit und kämpft für die Menschlichkeit. Die Metamorphose vom Menschen zum Nashorn verbildlicht allegorisch das widerstandslose Volk unter totalitären Regimes wie dem des Nationalsozialismus.
    Drei Schüler teilten sich die Rolle des Behringer, weil dieser so viel Text zu lernen hatte. Im ersten Akt spielte ihn Gianluca Giongo aus der MSS 12. Ihm gelang es, die Rolle des Behringer überzeugend zu interpretieren: Er konnte dessen Unsicherheit und die Angst vor der Welt überzeugend vermitteln. Joshua Vogelgesang aus der MSS 11 spielte die Rolle von Behringers Freund Hans, mit dem jener über Sinn und Unsinn seiner Büroarbeit diskutiert. Vogelgesang ist nun zum dritten Mal dabei. Er fiel wieder durch eine deutliche Sprechweise auf und weil er es versteht, sein Publikum zum Lachen zu bringen. Der zu Anfang harmoniesüchtige Behringer gibt sich alle Mühe, Streit aus dem Weg zu gehen und es seinem selbstgefälligen Freund recht zu machen. Außerdem ist er verliebt in die einfache Daisy, gespielt von Theresa Kessel aus der MSS 12. Doch Behringer kann sich einfach nicht an die Welt gewöhnen.
    Komische Elemente, wie die wirre Logik, die irreführenden Syllogismen des „Logikers“ Julian Seewald (MSS 11) und Parallelgespräche lockerten das Stück immer wieder angenehm auf. Und urplötzlich vernimmt man in der Aula lautes Brüllen: Als das erste Nashorn gesichtet wird, sind alle in heller Aufregung. Es folgen ausführliche Diskussionen über absurde Details: „War es ein indisches oder ein afrikanisches Nashorn?“ „Hatte es ein oder zwei Hörner?“ Regisseur Rafael Forderer und Regieassistentin Christine Cexheimer setzten ein schwieriges Stück als schülerfreundliche Inszenierung um. Das „Thalina“-Ensemble hatte nach Ionescos Anweisung auch einige Witze mit regionalem Bezug geschrieben, die gut beim Publikum ankamen.
    „Es steht in der Zeitung, also stimmt es“, Lina Syren aus der neunten Klasse alias Frau Stech, berichtet ihren Kolleginnen Sarah Keller MSS 11 (Frau Schmetterling) und Karolin Haver MSS 12 (Frau Wisser) vom Nashornvorfall. Die strenge Frau Wisser im Kampf gegen die Unwissenheit wittert „üble Machenschaften“ und befürchtet eine „Massenpsychose“. Bis das zweite Nashorn auftaucht: Ein Kollege hat sich in einen Dickhäuter verwandelt. „Das ist seine Sache“, kommentiert Hans, bevor er sich selbst verwandelt. Nach dem Rollenwechsel spielte Niklas Schumacher aus der 10. Klasse den „Behringer“.
    Das Geschehen gipfelt im Marsch der Nashörner: Sirenen, kraftvolle Trompetenklänge und die bedrohlich mysteriösen Obertöne von Didgeridoos kündigen die Machtübernahme an. Fast 20 grünhäutige Schauspieler stampfen im Gleichschritt und mit ausdrucksloser Mimik auf die Bühne. Sie tragen ein Horn und eine Uniform mit dem Symbol zweier gekreuzter Hörner in Anspielung auf die Swastika. Der dritte „Behringer“, Till Domidian aus der MSS 13, befürchtet eine unfreiwillige Verwandlung. Am Ende bleibt nur er übrig. Das Ende: Der verzweifelte Till Domidian wird von den Nashörnern umzingelt, rettet sich auf den Tisch, streckt ein Gewehr in die Luft und schreit: „Ich kapituliere nicht!“ Einen Augenzwinkern lang ist es still in der Aula des Gymnasiums. Dann bilden alle Nashörner eine Reihe. Sie starren, raunen und schnauben bedrohlich ins Publikum. Das geht einen Moment lang, bis ein plötzlicher gemeinsamer Schrei die Spannung auflöst und das Ende verkündet. Marina Thomas

    Bad Kreuznach
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