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Kreis Bad Kreuznach

Tagsüber betreut, abends zu Hause: Die Zahl der Tagespflegeplätze steigt auch in Bad Kreuznach

Christine Jäckel

Kreis Bad Kreuznach. Für Senioren, die allein oder mit berufstätigen Angehörigen zusammen leben, ist Tagesbetreuung eine Möglichkeit, die vor Vereinsamung schützt und – zumindest bei einem nicht allzu hohen Pflegebedarf – den Verbleib in der vertrauten Umgebung ermöglicht. Nicht nur deshalb wächst die Zahl der Tagespflegeeinrichtungen landesweit – ebenso wie im Kreis Bad Kreuznach, bestätigt Jan Rößler von der AOK-Direktion in Eisenberg auf Anfrage des Oeffentlichen Anzeigers.

Birgit (links) und Heike Petermann (rechts), hier mit Gästen im gemütlichen Kaminzimmer der Tagespflegestätte, wagten mit der Seniorentagesbetreuung den Sprung in die Selbstständigkeit.
Birgit (links) und Heike Petermann (rechts), hier mit Gästen im gemütlichen Kaminzimmer der Tagespflegestätte, wagten mit der Seniorentagesbetreuung den Sprung in die Selbstständigkeit.
Foto: Christine Jäckel

Aktuell gibt es im Kreis vier Tagespflegeeinrichtungen, davon zwei in freigemeinnütziger und zwei in privater Trägerschaft sowie das Angebot integrierter Tagespflege in elf Pflegeheimen. Michaela Domann, die auch einen privaten ambulanten Pflegedienst betreibt, hat schon 2005 eine Ganztagsbetreuung im Haus St. Raphael in der Mühlenstraße 79 in Bad Kreuznach installiert, und im November 2017 eröffneten Heike Petermann und Brigitte Petermann mit „Schöne Zeit“ eine weitere privat getragene Tagesstätte für Senioren in der Mainzer Straße 14 in Bad Kreuznach.

Betreuung von Demenzkranken

Die aufwendige Betreuung von Menschen, die an Demenz erkrankt sind, stellt pflegende Angehörige häufig auf eine harte Belastungsprobe und nicht jeder möchte 12 oder vielleicht sogar 24 Stunden lang eine Pflegekraft in seinem privaten Umfeld haben.

Michaela Domann bietet ein spezielles Konzept der Tagespflege für demenzkranke Menschen an, zu dem unter anderem Therapiemöglichkeiten, körperliche und geistige Förderung und psychosoziale Begleitung gehören. Es gibt 18 Tagespflegeplätze. „Die Nachfrage war zunächst verhalten, was auch daran lag, dass die Pflegekassen nichts oder nur wenig zahlten“, blickt Domann zurück.

Mit dem Pflegestärkungsgesetz verbesserte sich die Situation erstmals 2015. Nun erhielten auch Versicherte ohne Pflegestufe Leistungen bis zu 231 Euro im Monat, wenn sie in ihrer Tageskompetenz eingeschränkt waren. Für die Angehörigen ist das Loslassen oft ein großes Problem, weiß Domann. Kern ihres Konzeptes in der Tagesbetreuung ist die familiäre Atmosphäre, die ein wesentlicher Baustein zur Förderung der Selbstständigkeit und Lebensqualität für Demenzkranke ist.

Die zweite Stufe der Pflegereform mit der Ablösung der Pflegestufen durch die Pflegegrade setzt Anreize für den Ausbau der ambulanten Versorgung. Von der integrierten Tagespflege, die in vollstationären Pflegeheimen angeboten wird, wollen sich die Jungunternehmerinnen Heike Petermann und Birgit Petermann mit ihrer Seniorentagesbetreuung „Schöne Zeit“ bewusst abheben.

Die Schwägerinnen haben in ihren erlernten Berufen als Altenpflegerin und als Krankenschwester viele Jahre Erfahrungen gesammelt. Der Schritt in die Selbstständigkeit war für beide die logische Konsequenz aus der für sie immer unerträglicher werdenden personellen Situation im stationären Bereich. „Wir wollen den Menschen die Zeit geben, die sie verdienen. Sie sollen sich hier wie zu Hause fühlen“, ist das Anliegen der Gründerinnen.

Viele Behördengänge

Die Suche nach einem geeigneten Haus war nicht die einzige Herausforderung für das Duo. Für die Genehmigung der Einrichtung absolvierten sie eine Vielzahl von Behördengängen und Verhandlungen mit dem zuständigen Verband der Ersatzkassen. „Die Zulassung war eine Achterbahnfahrt, das war spannend bis kurz vor der Eröffnung“, sagt Birgit Petermann.

Das aufreibende Prozedere bei der Zulassung ihres Unternehmens hat bei den Existenzgründerinnen oft für Verunsicherung gesorgt. Nichtsdestotrotz halten sie die Kontrolle für erforderlich, um schwarze Schafe abzuschrecken.

Das großzügig geschnittene, ehemalige Wohnhaus in der Mainzer Straße 14 haben sie für den Bedarf der Tagespflegegäste umbauen lassen. Zugänge und Türöffnungen sind jetzt barrierefrei, für den Brandschutz mussten zudem Auflagen erfüllt werden. Das „Tageszuhause“, wie Heike und Birgit Petermann ihr Haus nennen, bietet 20 Plätze für eine Tagesbetreuung. Geöffnet ist die „Schöne Zeit“ montags bis freitags von 8 bis 17 Uhr. Nachdem die Jungunternehmerinnen beim Schnuppertag eine sehr positive Resonanz von den Besuchern bekamen, blicken sie jetzt erwartungsfroh auf die kommenden Wochen.

Die 16 Tagespflegeplätze in Hargesheim, mit denen die Sozialstation Nahe im vergangenen Jahr in die Tagesbetreuung einstieg, sind alle ausgebucht, wie Corinna Wirth von der Geschäftsführung und Pflegedienstleitung erklärt. „Die Leistungen der Pflegekasse für Tagesbetreuung sind eine Riesenentlastung für die Angehörigen“, betont Wirth. Die ökumenische Sozialstation Nahe will die Tagespflege voraussichtlich ab Sommer auch in Bad Sobernheim anbieten. Hürden bei der Einrichtung neuer Tagespflegeangebote sind aus Sicht von Wirth oft die Suche nach geeigneten Räumen und der Mangel an qualifiziertem Pflegepersonal.

Von unserer Reporterin Christine Jäckel

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