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Kreis Bad Kreuznach

Spritzen im Weinberg: Unvernunft schadet allen Winzern

Rainer Gräff

Kreis Bad Kreuznach. Viel hilft viel – diese vermeintliche Weisheit kann ganz schnell ins Gegenteil umschlagen. Das sagt jedenfalls Dr. Heribert Koch, langjähriger Leiter der Abteilung Pflanzenschutz beim Dienstleistungszentrum Ländlicher Raum (DLR) in Bad Kreuznach. Der Ruheständler, der in Bingen lebt und in seiner aktiven Zeit unter anderem die Pflanzenschutztage organisierte, hat in einem Fachbeitrag Missstände in der Verwendung von Glyphosat angeprangert.

Ein Beispiel für unkorrekten Einsatz von Glyphosat und seine unschönen Folgen für den Anblick der Weinbergslandschaft. Foto: Koch
Ein Beispiel für unkorrekten Einsatz von Glyphosat und seine unschönen Folgen für den Anblick der Weinbergslandschaft.
Foto: Koch

Dabei redet er Klartext, prangert den fachlich falschen Gebrauch der Unkrautvernichter im Weinbau an – und lenkt dabei den Blick auf eine ganz entscheidende Frage: Was richtet Missbrauch nicht nur im Wingert und drum herum an, sondern was bedeutet er letztlich auch fürs Image der Winzer und der Weinbauregion? Einerseits seien Herbizide für die Bewirtschaftung von Rebflächen wichtige Hilfsmittel – andererseits sei die öffentliche Kritik nicht zu überhören. „Winzer sind gut beraten, sich damit auseinanderzusetzen“, folgert Koch.

Wer im Weinberg unterwegs ist – wie beispielsweise die zahlreichen Teilnehmer am RZ-Wandertag von Monzingen bis zum Disibodenberg am Sonntag – der kennt den Anblick: gelbes, verdörrtes Gras und Kraut unter dem Rebstöcken. Und nicht nur dort. Wochenlang bleiben die Einsatzspuren sichtbar.

„Das sollte Winzer anregen, die Regeln der guten fachlichen Praxis im Pflanzenschutz konsequent einzuhalten“, fordert der Experte. Im Prinzip sind die ganz einfach: Jede Anwendung außerhalb der weinbaulich genutzten Fläche ist unzulässig. Dennoch finden sich Spuren auf Wegen, an den Feldgrenzen, in Gräben, an Böschungen oder gar ganze grau-gelbe „Mondlandschaften“ mit verheerender optischer Wirkung, vom Eintrag der Pflanzenschutzreste in Vorfluter und Abflüsse ganz zu schweigen.

Weinwanderwege und -tage sind sehr beliebt, zahlreiche Aktivitäten werden auch im Sinne der Weinwerbung mit öffentlichen Mitteln gefördert. Deshalb fehlt Heribert Koch jegliches Verständnis für Unachtsamkeit oder gar bewussten Frevel. Kochs Urteil fällt aus langjähriger Erfahrung und aktueller Beobachtung hart aus. Er sieht die „Ignoranz von Winzern. Es sind sicher nicht alle Winzer. Es sind aber sicher viele, mindestens zu viele.“

Zurück zur Freizeitnutzung im Wingert. Wingertshäuschen und bequeme Bänke laden an besonderen Aussichtspunkten zum Verweilen ein. „Welcher Eindruck entsteht, wenn ein Winzer direkt daneben eine Böschung illegal abspritzt?“ 2017 wurde die Zulassung von Glyphosat für fünf Jahre verlängert. In Deutschland werden nach Schätzungen jährlich rund 5000 bis 6000 Tonnen der Mittel eingesetzt, die auf Glyphosatbasis wirken. Der Hobbygärtner kennt es vor allem als „Roundup“. Über mögliche Glyphosatrückstände im Wein wurde viel diskutiert. Aber allein schon der Anblick „totgespritzter“ Areale im Anbaugebiet ist fatal, meint Heribert Koch: „Man sollte sich überlegen, ob man diese Botschaft an die Kunden senden will“, redet der Pflanzenschutzexperte den Anwendern und Weinvermarktern ins Winzergewissen: „Sonst dürfen Winzer sich nicht wundern, wenn sie mit ihrem Verhalten Negativ-Aussagen gegen sich, den Weinbau insgesamt und den Pflanzenschutz provozieren.“

Von unserem Redaktionsleiter Rainer Gräff

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