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    Sobernheimer auf Pilgerfahrt zu den Ursprüngen ihres Glaubens – Interview mit Pfarrer Alois Nagelschmitt

    Jerusalem war vor Wochen Reiseziel einer Gruppe der katholischen Pfarreiengemeinschaft Bad Sobernheim.

    Die Reisegruppe der katholischen Pfarreiengemeinschaft Bad Sobernheim bei ihrer Pilgerfahrt ins Heilige Land vor der Felsenkirche in Jerusalem.
    Die Reisegruppe der katholischen Pfarreiengemeinschaft Bad Sobernheim bei ihrer Pilgerfahrt ins Heilige Land vor der Felsenkirche in Jerusalem.

    Pfarrer Alois Nagelschmitt, 57 und seit mehr als 14 Jahren Seelsorger in der Felkestadt, hatte die Reise vorbereitet, nachdem sich einige Gemeindemitglieder mit diesem Wunsch an ihn gewendet hatten.

    Just zu dem Zeitpunkt eskalierte der Konflikt in Israel. Dennoch kein Grund zur Absage: Erfahrene Reiseleiter hätten ihm Mut gemacht, die Tour zu wagen, denn insgesamt sei die Lage stabil. 30 Bürger fuhren mit: im Bus bis Frankfurt und von da per Flieger nach Tel Aviv. Davor hatte die Pfarreiengemeinschaft Reisen in die Toskana, nach Rom, nach Santiago de Compostella und ins Land der Masuren angeboten.

    Jetzt sind einige Wochen vergangen. Zeit für Pfarrer Nagelschmitt, seine Eindrücke zu ordnen und herauszufinden, was er mit in seine tägliche Arbeit nehmen kann.

    Herr Nagelschmitt, was war der Höhepunkt Ihrer Israel-Reise?

    Ein Tag in Jerusalem. Wir sind die Wege nachgegangen, die Jesus zu seinem Leid und Tod geführt haben. Diese zentralen Ereignisse für unseren christlichen Glauben wurden hautnah spürbar. Ziel auf der Dolorosa war die Grabeskirche, die besser Auferstehungskirche heißen sollte. Beeindruckend fand ich die Klagemauer, an der seit Jahrhunderten gebetet wird. Dort habe ich lange verweilt und konnte die Anliegen vor Gott bringen, die ich auf diese Pilgerfahrt mitgenommen hatte. Ein etwas anderer Höhepunkt war für uns alle, im Toten Meer zu baden. Danach haben wir uns mit Schlamm eingerieben, ähnlich wie bei der Felke-Kur.

    Haben Sie die Spannung in diesem kleinen Land gespürt, fühlten Sie sich sicher in Israel?

    Entgegen den Befürchtungen im Vorfeld haben wir uns an keinen Ort unsicher gefühlt. Auch sahen wir kaum Militär oder Polizei, die patrouillierten. Von unserem Hotel am See Genezareth konnten wir auf die umkämpften Golanhöhen schauen. Unser Reiseleiter führte uns an diese umstrittene Grenze zu Syrien. Erstaunlich, wie ruhig und gelassen es dort zuging. Es kam zu keiner gefährlichen Situation, die auf einen Anschlag oder Ähnliches hingewiesen hätte. Beim Besuch Bethlehems mussten wir Israel verlassen und fuhren ins Westjordanland. Die Mauer, die beide Gebiete trennt, hat uns erschreckt und an unsere eigene Geschichte erinnert. Die Grenzkontrollen unserer Gruppe gingen zügig vonstatten.

    Blieb Zeit für die religiösen, die theologischen Momente?

    Das Besondere auf einer Israel-Pilgerreise ist, dass die Landschaft, die Städte und Orte von sich aus sprechen. Man kennt die Namen aus der Bibel oder aus dem Gottesdienst. Wir hatten die einmalige Gelegenheit, an den Originalschauplätzen sein zu dürfen; da waren die Ohren und Herzen offen für spirituelle Momente. An jedem Tag hatten wir an einem ausgewählten biblischen Ort Zeit, um die passende Schriftstelle zu hören und uns auszutauschen, was uns in Glauben und Leben bewegt. Stimmungsvoll war ein Abendlob unter nächtlichem Sternenhimmel am See oder auch der Gottesdienst auf den Hirtenfeldern Bethlehems. Hier haben wir die Goldhochzeit eines mitreisenden Jubelpaares gefeiert.

    Waren Sie schon öfter in Israel?

    Nein. Ich erhoffte mir Impulse von den „heiligen Orten". Meine Erwartungen wurden teils übertroffen, teils trat Ernüchterung ein. Gerührt war ich etwa vom Erlebnis an dem Ort zu sein, an dem unsere engere Heilsgeschichte ihren Anfang nahm: in der Grotte der Verkündigung von Nazareth. Allerdings ist das Drumherum alles andere als idyllisch. Nazareth ist heute eine Großstadt, die ständig ausufert, da immer mehr Menschen dort Wohnung nehmen. Auch in der Grabeskirche oder in der Geburtsgrotte geht es sehr turbulent zu. Denn diese Orte sind Tourismusmagnete und von verschiedenen christlichen Konfessionen beansprucht. Reizvoll waren die Gottesdienste auf den Bergen der Seligpreisungen und der Verklärung.

    Was können wir von Israel lernen?

    Wir waren fasziniert von einem Land, das so viele religiöse Bezüge aufweist. Jerusalem ist von alters her ein zentraler, religiöser Ort. Diese Stadt mit dem Tempelberg ist bedeutend für gleich drei monotheistische Religionen: das Judentum, das Christentum und den Islam. Auch wenn es immer wieder Konflikte gibt, leben die Menschen auf engstem Raum im Alltag friedlich miteinander. Zugleich ist Israel ein moderner Staat, der mit europäischen Demokratien verglichen werden kann. Mich beeindruckte der Pioniergeist, der auch in unserer Zeit zu spüren ist. Erstaunlich, dass in Israel die Wüste tatsächlich zum Blühen gebracht wurde.

    Im Vergleich zur Vermittlung über Israel in unseren Medien: Was ist anders, wenn man das Land und seine Menschen selbst erkundet?

    In den Medien wird vor allem über die Attentate und die militärischen Angriffe berichtet. So entsteht der Eindruck, dass beide Seiten nicht an einer friedlichen Lösung interessiert sind. Das trifft in der Tat für die radikalen Gruppen zu. Doch vor Ort gibt es genügend Beispiele, wie die Nationalitäten und Religionen es schaffen, alle auf einem Territorium zu leben. Viele aus unserer Gruppe waren erstaunt, dass man Israel auch als Einzeltourist ohne Einschränkung bereisen kann. Ja, beide Staaten, Israel und Palästina, sind sehr darum bemüht, gastfreundlich zu sein.

    Gibt es eine Lösung des NahostKonfliktes, was meinten Ihre Gesprächspartner?

    Unser Reiseleiter Assaf Zeevi, ein Jude aus Israel, der mit einer deutschen Frau verheiratet ist, hat immer wieder über den Nahost-Konflikt gesprochen. Er sah keine anerkannte übergeordnete Institution, die ausgleichend tätig sein könnte, sodass alle Interessen gewahrt würden. Sicher trägt die aktuelle Siedlungspolitik Israels nicht zur Befriedung bei. Doch sprach er auch von der Hoffnung, dass beide Seiten wieder stärker aufeinander zugehen – vielleicht mithilfe der internationalen Staatengemeinschaft. Dem Land und den Menschen wäre das sehr zu wünschen.

    Was nehmen Sie für Ihre tägliche Gemeindearbeit in der katholischen Pfarreiengemeinschaft und in Ihren persönlichen Alltag mit?

    Der Zusammenhalt unserer Pfarreiengemeinschaft ist durch die Reise gestärkt worden. Außerdem haben Einzelne neuen Zugang gefunden zu Glauben, Gebet und Gottesdienst. Fast wie von selbst kam es zu Begegnungen, bei denen mir Mitpilger von ihren Sorgen und Nöten berichtet haben. Die gemeinsame Zeit war so etwas wie „Exerzitien im Heiligen Land". Mir hat diese Pilgerreise Mut gemacht, weiter und gerne als Seelsorger für die Menschen da zu sein.

    Die Fragen stellte Stefan Munzlinger

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